The place to be: Budapest!

Warum nicht mal Budapest? Ungarns Hauptstadt bietet neben herrlichster kuk-Architektur, einem lebendigen jüdischem Viertel und der Donau eine junge Szene, die der Stadt ein ganz eigenes Flair gibt. Ich war in den vergangenen Jahren etwa ein dutzend Mal in Budapest und nach meinem jüngsten Besuch Anfang Juli soll die Stadt den Beginn der neuen Reihe „urban travel“ hier bei stadtwuchs markieren.

Warum nicht mal Budapest? Ungarns Hauptstadt bietet neben herrlichster kuk-Architektur, einem lebendigen jüdischem Viertel und der Donau auch eine junge Szene, die der Stadt ein ganz eigenes Flair gibt. Ich war in den vergangenen Jahren etwa ein dutzend Mal in Budapest und nach meinem jüngsten Besuch Anfang Juli soll die Stadt den Beginn der neuen Reihe „urban travel“ hier bei stadtwuchs markieren.

Must see!

Natürlich gibt es in Budapest die Meilensteine, die jeder kennt und für die die allermeisten auch hierhin reisen. Diese touristischen Highlights sollen bei stadtwuchs urban tavel nicht im Mittelpunkt stehen, aber übergehen kann man sie ja irgendwie auch nicht. Wer als Gast nach Budapest kommt, möchte vermutlich eher auf der Pester Seite der 1873 vereinigten Städte Buda und Pest wohnen. Hier bildet die Váci utca die Haupt-Einkaufsmeile, aber auch viel der üblichen Touri-Abzocke. Sie verbindet allerdings die prächtigen Markthallen der 1890er Jahre mit der Stephanskathedrale – beides absolute Sehenswürdigkeiten ersten Ranges. Insbesondere die riesige Markthalle bietet endlos neue Perspektiven zwischen Gemüse-, Fleisch- und Paprikaständen sowie Fressbuden im Oberrang.

Wer einen auf einen Schlenker zur Donau abbiegt, kann fußläufig das gigantische neugotische Parlament erreichen – ja, die Ungarn hatten im 19. Jahrhundert mehr Staat im Blick, als es dann letztendlich wurde. Ebenfalls unweit dieser Hauptmeile befindet sich die größte erhaltene Synagoge Europas an der Dohány utca – sie lohnt den Besuch und das Warten am Eingang inklusive Sicherheitskontrolle. Überhaupt findet man hier rund um die sogenannte Große Synagoge noch reichlich weitere jüdische Gotteshäuser und ein virales jüdisches Leben – dazu weiter unten mehr, denn das jüdische Viertel ist heute zugleich der Party-Hotspot schlechthin.

Auf der anderen Seite des Flusses in Buda, das mit „Ofen“ übrigens auch einen alten deutschsprachigen Namen hat, sollte man unbedingt den Anstieg zur prächtigen Burg auf sich nehmen. Mit dem ÖPNV ist sie nicht gut zu erreichen, man muss also zu Fuß aufwärts, wenn man nicht die Zahnradbahn (Standseilbahn) nimmt, die den Weg für ca. 4,- Euro erleichtert und außerdem einen ganz hübschen Ausblick bietet. Überhaupt eröffnet sich oben vom Burgviertel ein umwerfender Blick auf die Pester Seite und das Parlament – wer Glück hat, ergattert im Sommer sogar einen Platz im kleinen Café unter den Bögen, das natürlich arg touristisch ist, dafür aber dennoch überraschende Ruhe im Trubel und unter Säulengängen einen ganz privaten Blick bietet. Das Burgviertel selber versetzt den Besucher in eine tolkiensche Welt auf spitzen Türmen und hellem Marmorglanz – insbesondere die Fischerbastei könnte der Mittelerde entsprungen sein.

Aber zurück ins Zentrum, also zurück nach Pest – mittlerweile freut man sich vermutlich über die Metro, vielleicht aber auch über einen Kaffee: Das Café New York neben dem Blaha Lujza tér ist sicher kein Geheimtipp mehr, aber sein wieder erstrahlender Glanz lässt die alte kuk-Kaffeehauskultur erahnen: Gold und Stuck soweit das Auge reicht, ansonsten heute aber sehr touristisch. Überhaupt bietet Budapest viele Kaffeehäuser alten Stils.

Als Historiker möchte ich auch etwas Geschichte empfehlen: Wer die Prachtmeile Andrássy ein wenig hochschlendert (was man alleine aufgrund der dortigen Prachtbauten und Nobel-Geschäfte machen sollte), erreicht kurz hinter dem sehenswerten Oktogon-Platz das Terror Háza, das die ungarische Geschichte zwischen NS-Zeit und Kommunismus beleuchtet – durchaus großungarisch – ideologisch eingefärbt, das sei angemerkt. Aber man lernt hier viel über Ungarn im 20. Jahrhundert sowie über Erinnerungskultur und Museumsgestaltung. Doch damit genug der Hauptattraktionen, die jeder Reiseführer besser bietet. Jetzt ein paar ganz persönliche Highlights…

Budapest Burgviertel Städtereisen Tipp
Blick vom Burgberg auf die Pester Seite. Selbst hier gibt es in einem Touristenlokal wie fast überall in Ungarn selbstgemachte Limonade

A little off the road

Wer die hot spots abgearbeitet hat und etwas außerhalb der Touristenströme wandeln will, dem empfehle ich zuallererst, sich einfach durch die prächtigen Pester Straßen treiben zu lassen. Die Architektur bietet eine unvergleichliche Mischung aus Gotik, Renaissance, Klassizismus und allem, was man im 19. Jahrhundert schön fand. Und das Straßenzug um Straßenzug! Was nach wildem Mix klingt, ist absolut stimmig und überladend pompös, ohne jedoch bis ins letzte Detail renoviert zu sein – aber gerade dieser leicht morbide Charme macht Budapest aus. Am besten lässt man sich einfach treiben und schlendert durch die Straßen des VI. und VII. Bezirks, also der sogenannten Elisabethstadt und der Theresienstadt (Budapester Stadtteile sind nummeriert und tragen im inneren Stadtring zudem parallel alte kuk-Namen).

Budapest Sehenswürdigkeiten Tipp Westbahnhof Gustav Eiffel

Wer ein klares Ziel bevorzugt, kann am von Gustav Eiffel entworfenen Westbahnhof (Nyugati pályaudvar) starten: Heute etwas angedunkelt, erkennt man hier ein echtes Kleinod. Sehenswert ist tatsächlich auch die McDonald´s Filiale, die sich die Finanzierung der Renovierung mit einem unfassbar prachtvollen Lokal hat abgelten lassen. Photos sind leider nicht erwünscht. Als Ziel böte sich der nicht weniger spannende Ostbahnhof (Keleti p.) an. Wer wie ich urbane Ecken mit vielen Menschen, Pendlern und Leben in burlesker Pracht schätzt, wird hier spannende Einblicke finden!

Vom Keleti hat man in vergleichsweise wenigen Schritten einen wirklich versteckten Schatz erreicht: den Zentralfriedhof (Kerepesi temető) mit einen unfassbaren Ausmaß an großen und größten Grabmonumenten sowie Ehrengräbern der Großen der ungarischen Geschichte. Unbedingt hingehen und einen ausgedehnten Spaziergang einlegen!

Für Kulturfreunde lohnt auch der weite Weg in den Pester Süden, mit der Tram No. 2 & No. 24 gelangt man zum MüPa, dem Palast der Künste, der architektonisch einem Schiff nachempfunden ist und spannende Einblicke in moderne Architektur bietet. Hier gibt es diverse hochklassige Konzerte, aber auch viele kleine Ecken, zum Sitzen, Entspannen und Entdecken. Vom Dach hat man zudem einen wunderbaren Blick von Süden auf die Stadt. Direkt benachbart findet sich hier auch ein Ableger des Museum Ludwig.

Genug Kultur, Zeit für Entspannung. Dafür legt man sich bei Sonnenschein am besten einfach mit einem Buch auf die Margareteninsel mitten in der Donau. Und wenn es noch mehr Erholung sein soll, dann..

Let´s go Swimming!

Ungarn liegt ja nun bekanntlich nicht am Meer und der Plattensee (Balaton) ist je nach Wahl des Verkehrsmittels und Seite des Sees eine (privater PKW) bis drei (Zug) Stunden entfernt. Dennoch ist Budapest ein Paradies für Schwimm- und Sauna-Fans. Bäder, Bäder. Bäder, es gibt ihrer so viele, so prächtige, dass man sie nicht aufzählen kann. Für ca. 5.000 Forint (15,- Euro) bekommt man eine Tageskarte, in der Regel mit eigener Kabine, und kann sich dann durch die unterschiedlich temperierten Schwefel- und Thermalbecken zwischen 20 und 40 Grad sowie durch Saunen aller Arten hindurch erholen. Das bekannteste Bad ist heute sicherlich das „Széchenyi“ im Stadtwald am Ende der Andrássy – alleine wegen der Bilder schachspielender alter Herren am Beckenrand umgeben von einem Sissi-würdigem Ambiente lohnt sich der Besuch! Aber alle anderen Bäder stehen dem nur wenig nach, die Trennung in reine Männer- und Frauenbereiche ist mittlerweile weitestgehend aufgehoben. Ein Highlight ist sicherlich auch das reich mit Mosaiken verzierte Gellert-Bad neben gleichnamigem Hügel und Prunk-Hotel. Wer es etwas schlichter, dunkler, aber durchaus historisch mag, der sollte ins Király-Bad gehen, dem aus osmanischer Zeit stammenden ältesten Bad aus dem 16. Jahrhundert. Obgleich es nicht mit der Vielfalt und dem Komfort der neueren Bäder mithalten kann, hat es mit einer dampfigen Dunkelheit einen ganz besonderen Charme.

Eat and drink

Aber genug der Ausflüge und touristischen Tipps. Jetzt wird gegessen und getrunken! Wenn es echt ungarisches Gulasch in junger Atmosphäre sein soll, empfehle ich das Castro Bisztro am Madách-Imre tér. Die zentrale Lage wenige Minuten von der Großen Synagoge entfernt sorgt dafür, dass man hier mittlerweile nur noch teilweise unter Ungarn sitzt. Aber das Gulasch (pörkölt) ist hervorragend und die Einrichtung im Großmutter-Stil der 50er versprüht einen ganz eigenen Charme. Das Lokal ist bei Studenten sehr beleibt – allerdings mittlerweile eher bei den internationals.

Aber vielleicht lohnt es sich ja auch, in einer Stadt mit vielfältiger jüdischer Kultur einmal koscher zu essen. Das geht z.B. im Mazel Tov an der Akácfa utca. Dieser Ruin Pub hat eine Bauruine mittlerweile schick hergerichtet und bietet spannende koschere Gerichte – zu denen durchaus auch mal ein DJ auflegt und junge, gut situierte Budapester das Leben genießen. Stichwort Ruin Pub: Diese Budapester Spezialität hat das Budapester Nachtleben ordentlich in Schwung gebracht – mehr dazu unten bei den Party-Locations.

Herrlich ist auch die etwas kleinere alte Markthalle am Rákóczi tér, an deren Seite sich Café Csiga befindet, in dem man nicht nur sehr ordentlich ungarisch essen kann, sondern das auch passend zum Namen rund herum mit Schnecken-Deko eingerichtet ist. Das sorgt für urige Atmosphäre bei jungen Gästen, zudem ist man von der Metrostation am Rákóczi tér schnell überall, kann dafür aber etwas abseits der Touriströme essen.

Für den reinen Kaffee oder für ein kleines Frühstück kehre ich selber immer gerne ins Maimano ein, einem kleinen, aber erfrischen anders eingerichtetem Café an einem kleinen Platz neben der Andrássy (Nagymezö utca).

Und zu trinken? Tja, da hat man in Ungarn die Qual der Wahl. Klar, es gibt ungarischen Wein, während das Bier eher mittelmäßig ist. Dreher ist hier der Marktführer, aber auch Soproni findet man oft. Doch stopp, es tut sich etwas, Budapest darf sich mittlerweile als Craft Beer-Metropole sehen und überall gibt es neue Bierstile. So beherbergen die mit einem spektakulärem geschwungenen Glasdach überzogenen alten Kontorshäuser der Új Budapest Galériadirekt hinter der Markthalle die Craft Beer Bar Jonas – überhaupt wächst in dieser Ecke gerade ein Craft Beer Viertel heran, es gibt aber auch diverse andere Lokale, Cafés und Bars. Mein persönlicher Favorit beim Craft Beer bleibt jedoch die winzig kleine Lokalität Csak a jó sör („Nur gutes Bier“) von Armando Otchoa, die an der Kertész utca bis etwa 22.00 Craft Beer im Shop verkauft, aber auch ausschenkt. Es gibt nur eine Handvoll Plätze, viele Gäste stehen vor der Tür und schwofen, ständig kommt jemand herein und kauft einige Flaschen für zu Hause, dazu braut der Betreiber selber. Ein Muss für alle Craft Beer Fans!

Falls es doch kein Bier sein soll, empfehle ich den Palinka, den ungarischen Obstler, den man überall erhält, aber damit schweife ich bereits ab zur…

Party? Party!

Budapest hat sich in den vergangenen Jahren zur Partymetropole schlechthin entwickelt, vor allem die Innenhöfe hinter der Großen Synagoge zwischen Király utca und Dób utca bersten vor Clubs, Bars und lauter Musik. Der gesamte untere VII. Bezirk, die Elisabethstadt ist allabendlich von Partygängern überlaufen. Vor allem die zahllosen Ruin Pubs ziehen viele Gäste an – es handelt sich hierbei um oft dem Verfall nahe alte Prachtbauten und Baulücken, die erst provisorisch und nun dauerhaft zu völlig alternativen Clubs und Biergärten umgewandelt wurden. Am bekanntesten ist das Szimpla Kert an der Kazinczy utca, das jedoch mittlerweile mit Türstehern arbeitet. Ich empfehle eher den Ableger des Szimpla in der Kertész: ruhiger, aber im Ambiente nicht weniger nett. Ach ja, von hier sind es auch nur wenige Schritte zur oben genannten Craft Beer Bar Csak a jó sör.

Alles super, super, super?

Beim Stichwort Party muss man leider das Lob auf Budapest ein wenig einschränken: In den vergangenen Jahren ist die Stadt etwas zu sehr zur Party-Metropole aufgestiegen. Englische Junggesellenabschiede, betrunkene deutsche Formel-1-Fans (der Hungaro-Ring ist nah) und andere wilde Trinkhorden bestimmen das nächtliche Bild in der oben genannten Elisabethstadt. Als ich 2010 die ersten Ruin Pubs fand, waren diese noch fast Geheimtipps. Das ist heute vorbei, jedoch sucht sich die einheimische Szene zum Glück neue Flächen und zieht in andere Stadtviertel. So entwickelt sich z.Zt. der XI. Bezirk um den Calvin ter. Und auch in den oben genannten Hotspots findet man immer wieder kleine, alternative Läden ohne Touristenhorden, man muss nur etwas mehr in den Seitenstraßen schauen.

Go there, stay there!

Abschließend noch ein paar praktische Tipps zu An-/ Abreise und zu Unterkünften:

Flug: Der Budapster Flughafen liegt mit 25 Kilometern doch ein ganzes Stück auf der grünen Wiese und eine Taxifahrt kostet durchaus 6.000/6.500 Forint, also über 20,- Euro. Aber der Flughafen ist gut angebunden, wenn auch für den Neuling vielleicht verwirrend: Man benötigt den Expressbus E200, der alle paar Minuten direkt vor dem Terminal hält, und wird von diesem zur Endstation der Metrolinie 3 gebracht (Kőbánya-Kispest), von dort geht es ab ins Zentrum, insgesamt muss man gute 45 Minuten für diesen Weg einplanen und sollte zwei Karten p.P. kaufen – für jedes Verkehrsmittel eine. Das macht man am besten direkt am Kiosk in der Empfangshalle am Flughafen, denn die Fahrer des Busses wechseln nicht immer die durchaus großen Scheine, die man am Geldautomaten bekommt.

Züge und ÖPNV: Stichwort große Scheine, diese sind das einzige Hindernis am wirklich umwerfend getakteten Nahverkehr in Budapest. Leider hat man durchaus häufiger 5.000, 10.000 oder 20.000 Forint zur Hand, das Einzelticket kostet jedoch nur 320 Forint, also etwa einen Euro. Die Metrostationen und viele Tramstationen haben jedoch Automaten, die wechseln, ansonsten geht man am besten zu einem Kiosk und kauft wenn möglich direkt mehrere Fahrtkarten, man benötigt sie ohnehin und das Netzt sowie die Frequenz aller Busse und Bahnen sind wirklich super. Wer mit dem Zug nach Budapest kommt oder die Stadt verlassen will, findet hier eine sehr übersichtliche Seite.

Hotels: Immer wieder Budapest, immer wieder ein anderes Hotel, so erging es mir auf jeden Fall bisher. Man findet ordentliche Unterkünfte zu fairen Preisen, sollte aber keinen Luxus zum Nulltarif erwarten, in Budapest weiß man mittlerweile auch, dass man sein Geld wert ist. Nett ist es, in einem Apartment zu wohnen, das ermöglicht es vielleicht auch, einen Blick in einen der balkonumrundeten Innenhöfe der typischen Stadthäuser zu werfen. Das IBIS bietet trotz Ketten-Charakter unweit der Markthalle guten Service zu fairen Preisen.

City trip Budapest report

Fazit

Budapest ist eine wunderschöne Stadt mit jungem Leben und Straßencafés und Bars aller Orten. Das Wetter verwöhnt im Sommer und im Winter kann man noch echten Winter erleben. Dazu bietet der Forint mit seinen exorbitant hohen Zahlen ein Reiseerlebnis, das heute in Europa fast Seltenheit hat. Kurz gesagt: Budapest ist umwerfend!

Ihr wollt noch mehr Eindrücke? Unter #stadtwuchsbudapest findet ihr meine Instgram-Bilder aus Budapest!

Budapest Reisebericht (23)

 

2 Antworten auf „The place to be: Budapest!

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