Stadt der Gegensätze: Riga

Riga, das ist für mich eine zweite Heimat, nachdem ich einige Jahre in dieser wunderschönen Stadt voller Gegensätze leben durfte. Hier ein Reisebericht mit vielen hilfreichen Tipps.

Endlich schreibe ich den langersehnten Bericht über mein Riga! Ich sage bewusst mein Riga, denn zwischen 2004 und 2007 habe ich hier gelebt und gearbeitet, habe viele Freunde dort und reise jedes Jahr zwei- bis dreimal in die Stadt. Ja, Riga ist über die Jahre eine zweite Heimat für mich geworden!

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Riga – wunderschön und voller Gegensätze. Die größte Stadt des Baltikums lohnt sich für einen Besuch!

Riga, das ist eine Stadt der Gegensätze und des Wandels. Wie ein guter Freund sagte, lebe er seit 2003 eigentlich gar nicht in einer Stadt, sondern in mindestens vieren, die sich nacheinander abgelöst hätten und doch immer den gleichen Namen tragen. Als ich selbst 2004 völlig ahnungslos nach Riga kam, war die Stadt noch sehr post-sowjetisch geprägt. Es kamen im gleichen Jahr der EU-Beitritt, die Billigflieger mit vielen, sehr vielen Touristen, später der Euro. Ich muss diesem Bericht also voranstellen: Riga ist schnell- und kurzlebig, alle hier genannten Empfehlungen können heute hipp und morgen bereits verschwunden sein.

Dennoch ist Riga keine hektische Stadt – nicht mehr. Ja, direkt nach dem EU-Beitritt gab es eine hektische Goldgräberstimmung, die sich auf alles niederschlug. Aber das ist vorbei. Heute sehe ich noch immer Wandel und Gegensätze, aber auch sehr viele stille Ecken und liebenswerte Nischen, die ich in diesem Bericht vor allem vorstellen möchte.

 Riga touristisch: Das Zentrum im Überblick

Riga ist heute eine von Touristen stark frequentierte Stadt. Es zieht viele Besucher vor allem in die Altstadt und hier vor allem in einige wenige Straßen, man kann also weiterhin ruhige Rückzugsorte finden.

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Blick vom Basteipark auf die Freiheitsstatue

Die Hauptstraße der Altstadt (lett. Vecriga) ist die Kalku iela, die sich vom Freiheitsdenkmal bis zum Fluss Daugava (dt. Düna) streckt. Hier reiht sich Restaurant an Bar und Café, besonders belebt ist der Livenplatz (Livu laukums). Allerdings sind die Lokale hier aus meiner Sicht reichlich austauschbar, empfehlen würde ich lediglich das traditionelle russische Gericht Pelmeni – gefüllte Teigtaschen – die es im Pelmeni XL an der Kalku 10 gibt. Hier befindet man sich zwar an der Hauptmeile, betritt im Inneren jedoch einen kleinen Schnellimbiss, der an die 90er Jahre erinnert und Teigtaschen mit endlos vielen Füllungen im Selbstbedienungsstil bietet.

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Für wenig Geld pappsatt: Pelmeni haben Tradition und sind lecker

Neben der Kalku – und auch der Bernsteinstände dort – würde ich auch die sehr touristischen Straßen Skunu-, Skarnu- und Valnu iela meiden. Oder besser: Einmal anschauen – die Gebäude rechts und links sind toll! -, aber zum Verweilen lieber schnell weiter. Für russischsprechende Theaterfreunde lohnt jedoch das Krievu teatris (Russisches Theater) an der Kalku etwa dem Pelmeni-Haus gegenüber; es genießt einen sehr guten Ruf und befindet sich in einem unbedingt sehenswerten Jugendstil-Prachtbau.

Am Ende der Kalku stößt man auf das Schwarzhäupter-Haus, im Mittelalter der Sitz derjenigen jungen Männer (in voller Haarpracht, daher der Name), die noch keinen Zugang zur Gilde hatte. Die große und die kleine Gilde beherbergen heute Konzertsäle und befinden sich in der Amatu iela, die man vom Livu laukums erreicht. Unweit davon befinden sich auch die sogenannten „Drei Brüder„, drei recht windschiefe Häuser aus dem Mittelalter in der Maza pils iela (Kleine Schlossstraße), die ein Gefühl für das mittelalterliche Riga bieten. Auch das Schloss ist sehenswert. Allerdings sind alle hier genannten Gebäude nicht oder nur in kleinen Teilen von innen zu besichtigen. Anders der Dom. Dieser kann vollständig besichtig werden. Auf dem Domplatz (Doma laukums) sind übrigens noch die Umrisse alter Häuser zu erkennen, die in den 1930ern weichen mussten, als sich die erste Republik mehr repräsentative Plätze wünschte. Mein Tipp hier ist das kleine Café „13 kresli“ (dt. 13 Stühle), dessen Nomen sein Omen ist: klein, aber charmant! Auch ein Besuch der Peterskirche unweit des Schwarzhäupterhaus lohnt, und zwar vor allem für eine Fahrtstuhlfahrt auf den Turm der Petera baznica (Peterskirche). Man überblickt von hier wunderbar die gesamte Altstadt!

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Wunderschön gelegen und doch etwas versteckt, der Biergarten Labais krasts neben der Anglikanischen Kirche

Altriga: Essen und trinken abseits der Massen

Wer in Vecriga ruhige Ecken sucht, dem empfehle ich den Biergarten Labais Krasts (dt.: Das rechte/ gute Ufer). Man erreicht ihn über die sehr kleine Anglikanu iela, die eine sehenswerte anglikanische Kirche beherbergt, und man hat von hier einen schönen Blick über die Daugava. Wenige Touristen verirren sich hierhin, es gibt traditionelle Kleinigkeiten zu essen (Schaschlick) und einige lettische Biere. Im Winter ist der Biergarten jedoch geschlossen.

Unweit vom Schloss und den „Drei Brüdern“ befindet sich die kleine Kneipe „Aptieka“ (Maza Miesnieku iela), die sich trotz Altstadtlage einen studentischen Charme bewahrt hat und wenig von Touristen aufgesucht wird.

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Ein kleiner Geheimtipp im Zentrum: Die im Stil einer Apotheke „Aptieka“ eingerichtete Bar

Zwei sehr klassische Lokale für Kneipenfreunde sind auch die Hanza bars (Kaleju iela, neuerdings Aka Bars) und das Runcis direkt im Konventshof (dem ältesten Teil der Stadt, ganz nah befindet sich hier auch eine Skulptur der Bremer Stadtmusikanten unterhalb der Peterskirche). Beide Lokale liegen nur wenige Meter neben den Touristenströmen, bestehen aber für lettische Verhältnisse eine Ewigkeit, nämlich seit den 80ern bzw. 90ern und haben sich authentischen Charme bewahrt.

Gleiches gilt für die „I love you Bar“ unweit vom Schwedentor (Aldaru iela), auch hier treffen sich unverändert die jungen Letten.

Für den kleinen Hunger zwischendurch sollte man unbedingt im „Vilhelms“ einkehren, einem Pfannkuchenhaus mit der typischen Selbstbedienung, in dem es zig verschieden gefüllte Pfannkuchen gibt und man für 3,- Euro mehr als satt wird.

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Unbedingt ausprobieren: Das Pfannkuchenhaus

Rigas Altstadt präsentiert sich übrigens im Sommer fast südländisch, man kann überall draußen sitzen und bei einem Drink die prachtvollen Gebäude ringsherum bewundern. Das hat auf jeden Fall Charme!

Rigas Neustadt: Die andere Seite einer Stadt

Das stille, nette und alternativere Riga beginnt direkt am Freiheitsdenkmal, das an der Schnittstelle zwischen Kalku iela und Brivibas iela im Bastionspark (Bastejkalna parks) Altstadt und Neustadt trennt. Das Denkmal stammt aus der ersten lettischen Republik, die Frauenfigur (Milda) hält drei Sterne, die für die drei ursprünglichen lettischen Provinzen Livland, Kurland und Latgalle stehen. Der Bastionspark befindet sich übrigens auf der Fläche der ehemaligen Stadtwehranlage, hier kann man wunderbar schlendern.

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Blick vom Hotel Radisson auf die große orthodoxe Kathedrale. Im obersten Stock des Hotels befindet sich eine nette Sky-Bar.

Hinter dem Freiheitsdenkmal beginnt die Brivibas iela. Sie ist laut und hektisch, die Seitenstraßen bieten jedoch mehr Ruhe. Ich empfehle, der Brivibas dennoch gute zwei Kilometer zu folgen. So passiert man sowohl die große orthodoxe Kathedrale und an der Ecke zur Blaumana iela die kleinere, aber nicht weniger schöne orthodoxe Alexander-Nevsky-Kirche. Später kreuzt die Gertrudes iela und erblickt links die wunderschöne Gertrudenkirche. Vor allem bei den orthodoxen Kirche lohnt der Blick ins Innere sehr; beim Verlassen der Kirche ist es orthodoxe Tradition, den reichlich wartenden Bedürftigen eine kleine Spende zu geben.

Im weiteren Verlauf der Brivibas erreicht man an der Ecke zur Stabu iela das Sture Maja, das Eckhaus, das der sowjetischen Geheimpolizei als Sitz diente. Seitdem Riga 2014 europäische Kulturhauptstadt war, kann es besichtigt werden – in diesen Teil der Vergangenheit sollte man auf jeden Fall eintauchen. Das Haus wurde mittlerweile außen wieder in den Originalfarben aus vorsowjetischer Zeit gestrichen, es könnte also bald eine Umnutzung erfahren.

An dieser Stelle bieten sich zwei Möglichkeiten: Entweder schlendert man nun durch die rechts und links liegenden kleineren Straßen zurück Richtung Zentrum. Ich empfehle vor allem die Gertrudes iela, die Terbetas iela und die Baronas iela. Hier gibt es überall kleine Geschäfte und Cafés, von denen ich einige weiter unten vorstellen möchte. Dieser Weg führt fast zwangsläufig zum unteren Teil der Dzirnavu iela. Wer das alte, unrenovierte Riga erleben möchte, der wird sich hier zwischen verwitterten Holzhäusern wohl fühlen. Riga ist bekannt für seine Holzarchitektur, an dieser Stelle grenzt sie zudem an Jugendstilstraßen rund um Alberta iela und Elizabetes iela. Der Jugendstil ist natürlich einer der must-see-Spots in Riga, aber er ist mittlerweile derart überlaufen, dass ich ihn lediglich kurz passieren würde. Wer an dieser Stelle Hunger bekommt, dem rate ich von den auf art-nouveau getrimmten Cafés hier ab, sondern empfehle die kleine, sehr authentische Pizzeria „Piranha Pica“ an der Ecke Dzirnavu iela/ Strelnieku iela. Sie wird von einem lettischen Kite-Surf-Paar betrieben und bietet eine hippe Alternative zum touristischen Massenkonsum.

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In der Neustadt – lett. Centrs – findet man viele charmante, nicht perfekt renovierte Häuser und Innenhöfe

Aber vielleicht wollt ihr vom Sture Maja am oberen Ende der Brivibas ja noch gar nicht zurück ins Zentrum. Denn von hier erreicht man auch schnell die Miera iela, die Friedensstraße, in der sich in jüngster Zeit ebenfalls viele kleine Lokale angesiedelt haben und man außerdem das Werk und Museum der lettischen Schokoladenmarke Laima („Glück“) findet. Allerdings hat sich bisher eher das untere, nahe an der Brivibas gelegene Ende der Miera iela zum Hotspot entwickelt, aber man merkt, dass hier junge und alternative Letten zusammenkommen. Wirklich sehr süß ist hier das kleine Café Miera! Die Miera iela ist bei weitem noch nicht vom Renovierungswahn erfasst und so begegnet man hier auch noch dem Riga, wie es in den 90ern einmal war, mit vielen Prachthäusern mit abblätterndem Charme.

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Ein kleines Juwel: Der Liele Kapi mit seinen verwitterten Grabmonumenten.

Und am Ende der Miera-iela wartet ein kleines Juwel, das selbst viele Rigenser nicht kennen: Der Liele kapi (Großer Friedhof). Hier finden sich prächtige Grabmonumente aus dem 19. Jahrhundert, allerdings extrem verwildert, da der Friedhof in den Jahren der Sowjetzeit bewusst vernachlässigt wurde und seither im Dornröschenschlaf liegt. Hier fühlt man sie noch, die multiethnische lettisch-estnisch-russisch-jüdisch-deutsche Geschichte Rigas! Für mich ist dieser Ort einer der schönsten und besonders verwunschenen in ganz Riga! Für den Rückweg empfehle ich die Straßenbahn (Tram 11 Richtung Zentrum).

Essen und Trinken: Meine Tipps für die Neustadt

Da wäre zu erst einmal Robert´s Books, eine Mischung aus Café und Second-Hand-Buchladen in der Dzirnavu iela Ecke Skolas. Bei gutem Wetter sitzt man geschützt in einem kleinen Innenhof, bei schlechtem innen in individuellen Sesseln aus Großmutters Zeit zwischen endlosen Bücherreihen. Hier geht es zur Homepage und hier zum Kartenlink.

Ganz in der Nähe findet sich ein echtes Highlight der lettischen Küche, das Fazenda. Ich habe selten irgendwo so gut gegessen wir hier! Die Küche setzt vollkommen auf lettische Gerichte, interpretiert diese aber modern. Während lettische Küche andernorts viel zu oft aus gedämpften Kohlgerichten und großen Fleischportionen besteht, wird im Fazenda mit viel Liebe und gutem Geschmack alles etwas leichter aufbereitet und natürlich zu 100% handgemacht. Das Lokal befindet sich in einem alten Holzhaus, dessen einzelne Zimmer erhalten blieben und individuell eingerichtet wurden, man fühlt sich also ein wenig wie in einem alten Landhaus. Es gibt mittlerweile mehrere Zweigstellen, die von mir beschriebene liegt in der Baznicas iela, hier der Kartenlink und die Homepage!

Apropros Zweigstellen: In Lettland ist eigentlich alles eine Kette, nur halt eine lettische. Wenn ein kleines lokal läuft, wird ein zweites und drittes eröffnet, bis der Hype wieder abflaut…

Natürlich wollt ihr euch auch ins Nachtleben stürzen. Die Club-Szene in Riga spaltet sich allerdings in zwei Hälften: Eine virale und sehr dance-lastige russische und eine eher folkloristisch angehauchte lettische. Für erstere könntet ihr ins La Rocca an der Brivibas iela gehen, für letztere ins Depo oder die Ala-Bar im Zentrum. Aber Achtung, auch wenn es wie ein Klischee klingt – die russisch besetzten Clubs stehen oft nicht im besten Ruf und Streitereien sind keine Seltenheit. Die lettischen Tanzlokale sind dagegen wirklich gemütlich.

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Zurzeit ein absoluter Hotspot: Das Chomsky

Mich zieht es ja eher dorthin, wo man gemütlich seinen Drink bekommt und die Location cool ist. In Lettland hat sich zuletzt eine unglaublich virale Bierszene entwickelt und über lettisches Craft-Beer hatte ich ja schon in meinem zweiten Blog  We love Pubs etwas geschrieben. Wer besondere Biere zu schätzen weiß, der sollte in die winzig kleine Alus Muiza gehen, in der sich auf maximal 20qm neben zwei Tischen vor allem eine Batterie an Zapfhähnen mit kleinen lettischen Bieren befindet. Zugegeben, dieses Lokal ist etwas für Bier-Verrückte. Das folgende Lokal ist jedoch eine Empfehlung für Bier-Fans und zugleich ein Must-See-Place in Riga für jeden: Über die Miera iela erreicht man ein altes Fabrikgelände, das heute einige Clubs, Streetfood-Stände und vor allem die Labietis-Brauerei beherbergt. Das Gelände an sich ist ein echter Hingucker und die Brauerei produziert alles vor Ort in einer gläsernen Manufaktur. Wem das Bier zu viel wird, der holt sich auf dem Gelände einen Burger oder geht tanzen, z.B. im Piens (dt.: Milch, einem Club in einer alten Milchhalle des Marktes, der sich hier auch einmal befand). Wenn Riga z.Zt. einen Hotspot und Place-to-be hat, dann ist er hier!

Labietis Brewery Riga eat and drink
Lohnt auch für die, die weniger Bierfans sind: Die Craft Beer Brauerei Labietis macht tolles Bier und befindet sich auf einem alten Fabrikgelände.

Falls ihr das coole, hippe und alternative Riga sucht, dann werdet ihr unweigerlich über das KKC, das Kanapes Kulturas Centrs, stolpern, das in einem alten Holzhaus der Vorreiter vieler neuer alternativer Läden war, heute jedoch in jedem Reiseführer steht. Sehenswert ist es trotzdem. Deutlich alternativer und von Touristen verschont ist jedoch das Chomsky, für das man sich etwas an den Rand der Neustadt bewegen muss. Für mich das coolste Lokal der Stadt, trifft sich hier in einem notdürftig renoviertem Haus der 20er das junge Riga und feiert in leicht morbidem Charme. (Ergänzung: Im Frühjahr 2017 ist das Chomsky in neue Räume in der Dzirnavu iela 82 umgezogen)

Falls ihr lieber Wein trinkt und es weniger morbid mögt, habe ich aber auch eine Empfehlung für euch: Gegenüber dem mit Preisen überhäuften Jaunais Rigas Teatris (dem Jungen Theater Riga) befindet sich in der Lacplesa iela die Teatra bars. In einem kleinen Souterrain sitz man hier recht gediegen zwischen schwarz-weiß-Bildern alter Theaterstarts und trifft ab und an auch die Künstler aus dem Theater.

Riga grün: Parks und mehr

Oben empfahl ich die Miera iela. Wer von hier noch weiter ins Grüne möchte, kann mit der zuvor genannten Tram 11 stadtauswärts zum Mezaparks fahren (Waldpark, dt. ehemals Kaiserwald, der Tramhalt heißt ebenfalls Mezaparks). Hier liegt nicht nur der Rigaer Zoo, sondern auch ein großes Waldgebiet am großen Kizezers-See mit diversen Freizeitattraktionen. Wer anschließend zwei Stationen zu Fuß an den Tramschienen zurückgeht, erhält außerdem einen Einblick in das Riga der Superreichen und der Botschafter, deren Villen sich rechts und links finden. Ab der Hamburgas iela sollte man aber wieder die Bahn zurück nehmen.

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Blick über den Kisezers im Mezapark

 

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Typische Holzvilla im Mezapark

Auf dem Rückweg lohnt für Geschichtsinteressierte ein kurzer Stopp am Bralu kapi (Brüderfriedhof), auf dem der Gefallenen des Ersten Weltkriegs und den Kämpfern für die erste Unabhängigkeit Lettlands gedacht wird. Der Ort ist still und zeigt Gedenken in monumentaler Form. Um die Gedenkstätte zu erreichen, muss man von der Tramstation gute 200m die Aizsaules iela hinaufgehen. Um den Bralu kapi herum befinden sich weitere Friedhöfe, von denen einer aus meiner Sicht besuchenswert ist, nämlich der muslimische Friedhof (Muselmanu kapi); hier liegen Muslime, die in der Sowjetzeit aus den islamischen Provinzen Russlands den Weg nach Riga gefunden haben, gerade heutzutage ist dieser Ort Zeichen für Vielfalt und Normalität zugleich. Auch der kleine Blumenmarkt hier ist sehenswert.

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Gerade heute aktuell: Der alte islamische Friedhof neben dem Bralu kapi

Wer es im Zentrum von Riga etwas näher, aber dennoch grün und ruhig finden möchte, dem empfehle ich zwei Orte: Über die jugendstilgeprägte Elizabetes iela erreicht man die Halbinsel Andrejsala am Yachthafen. Hier finden sich einige kleine Lokale und man blickt wunderschön auf die Daugava und die einlaufenden Boote, ohne dass sich hierhin viele Gäste verirren. Vor allem im Bustourant (ja, wirklich!) „Ticket to Heaven“ sitzt man herrlich auf Sofas, die alle direkt auf den Fluss ausgerichtet sind! (Anmerkung: Das Bustourant wurde 2017 geschlossen, auf der neuen „Muuse Terase“ ist der Blick aber identisch schön).

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Stadt der Ideen: Das Bustourant
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… mit einem herrlichen Blick über den Yachthafen!

Wer dagegen direkt von der Altstadt aus etwas Ruhe sucht, der sollte die Akmens tilts (Steinbrücke) überqueren. Auch hier ragt eine Halbinsel in den Fluss und man bekommt einen unbeschreiblichen Blick auf die Altstadt! Auf einem Boot am Ufer der Insel gibt es neuerdings ein kleines Kunstcafé, das Noass.

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Von der Daugava-Insel bietet sich ein toller Blick über die Altstadt

Riga typisch: Echt lettisches!

Riga, dass heißt faktisch zwei Sprachen, das heißt alt trifft auf neu, das heißt pulsierende Modernität ebenso wie vergangene Zeiten und Ostalgie. Aber ein paar Dinge, Orte und Eigenschaften in Riga sind dann doch ganz besonders lettisch:

Da wäre allen voran der Balzams, der lettische Kräuterlikör mit geheimem Rezept. Man liebt oder hasst ihn, probieren sollte man das schwarze, zähflüssige Getränk aber auf jeden Fall! Im Winter wird er gerne mit heißem Johannesbeersaft (Rupenu sula) getrunken, eine Art lettischer Glühwein.

Aber es gibt eine Reihe weiterer echt lettischer Produkte, die in der Regel in Riga ihren Ausgangspunkt nehmen. Da wäre die Parfummarke Dzintari, die sich in der Sowjet-Ära großer Beleibtheit erfreute, aber heute ganz modern aufgestellt ist. Wirklich gute Produkte mit sehr hoher Qualität bietet auch die lettische Seifen- und Kosmetikfirma Stenders. Oder die Plätzchenfirma Staburadze, die Vodka-Marke Stolichnaja (ja, es gibt einen lettischen Zweig, die Firma wurde einst geteilt!) und natürlich die echte Laima Schokolade, deren mannshohe Uhr im Zentrum zu den Wahrzeichen der Stadt gehört. Die Uhr unweit des Freiheitsdenkmals dient jungen Paaren als beleibter Treffpunkt.

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Die Laima-Uhr: Wahrzeichen und Treffpunkt junger Paare, gelegen zwischen Freiheitsdenkmal und beginnender Kalku iela

Für die durstigen empfehle ich, im Double Coffee einzukehren, das eine Art lettisches Starbucks ist und seit den 1990er Jahren überall in der Stadt mehrere Filialen betreibt. Absolut archetypisch lettisch ist auch die Restaurantkette Lido, die bereits seit 1987 marktwirtschaftlich arbeitet und  mehrere hölzern-bäuerlich angehauchte Selbstbedienungsrestaurants in ganz Riga betreibt. Was für Deutsche vielleicht sonderbar klingt, ist in Lettland üblich und wird auch in vielen kleinen Mensen (ednica) in der Stadt betrieben: Man nimmt sich von einem reichhaltigen Buffet. Lido betreibt am Rande der Moskauer Vorstadt außerdem eine Art Vergnügungspark mit Restaurantbetrieb, der unbedingt besuchenswert ist! Hier der Kartenlink sowie ein Link zu einem zentraler gelegenen Lido, dem Alus Seta in der Altstadt. Ach ja, bitte nicht wundern: Typisch lettisch ist es auch, dass in dieser Form des Selbstbedienungsrestaurants jede Scheibe Brot einzeln abgerechnet wird.

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Blumenmarkt an der Terbetas iela

Ganz typisch für Lettland ist auch die Liebe zu Blumen, die zu allen Anlässen reichlich verschenkt werden. Sehenswert ist deshalb auch der Blumenmarkt am unteren, zum Zentrum gelegenen Teil der Terbetas iela. Aber auch auf dem Zentralmarkt gibt es eine ganze Ecke nur mit Blumenständen.

Stichwort Zentralmarkt (Centraltirgus), auch dieser ist für mich typisch Riga. Natürlich finden sich derartige Märkte in vielen Ländern, aber der Rigenser Markt ist wirklich riesig und die fünf alten Zeppelinhallen mit thematisch sortieren Angeboten (Fleisch, Fisch, Gemüse, Milchprodukte, Diverses) sind beeindruckend. Hier gibt es alles zu kaufen, alles frisch, alles markttypisch angeboten.

Der Markt ist heute vor allem russischsprachige Domäne und natürlich hat das Russische überall in Riga seine Spuren hinterlassen. So kommt es, dass die gefüllten Teigtaschen namens Pelmeni, Tomatensaft und frittiertes Knoblauchbrot zum Bier heute auch typisch lettisch sind – probiert vor allem das Brot, das kiploku maize, einmal, ihr werdet es in fast jedem Lokal bekommen!

Stichwort russisches Riga. Natürlich findet man noch vielerorts sowjetische Relikte. Auch diese möchte ich kurz vorstellen. Um den Einstieg zu erleichtern, stelle ich ein paar Eckdaten zur lettischen Geschichte voran – ich bin nun einmal Historiker, ich kann nicht anders!

Riga historisch – ein kurzer Überblick

Natürlich sieht man im Stadtkern Rigas noch immer die Spuren der alten, 1201 von Bischof Adalbert von Bremen gegründeten mittelalterlichen Stadt, dem heutigen Vecriga (Altriga). Aber für den Alltag der Rigenser hat diese Zeit ihre Bedeutung verloren und wie oben dargestellt ist die Altstadt heute vor allem touristisches Zentrum.

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Typische Altstadtstraße in Vecriga.

Im Mittelpunkt steht heute viel zu oft das Verhältnis zu Russland. 1710 fiel das alte Herzogtum Kurland im Großen Nordischen Krieg des Zaren gegen Schweden erstmalig an das russische Reich. Es ist wichtig zu wissen, dass diese fast zweihundert Jahre russischer Zarenherrschaft bis zum Ersten Weltkrieg zwar Spuren in der Stadt hinterließen, allen voran die große orthodoxe Kathedrale im Zentrum, aber ansonsten kaum zu einer Russifizierung der Stadt führten. Diese blieb multiethnisch, teils lettisch, teils deutsch-baltisch, teils russisch, teils jüdisch und auch ein wenig estnisch. In den Wirren nach Ende des Ersten Weltkriegs konnte dann die Unabhängigkeit vom zerbrechenden Zarenreich durchgesetzt werden. Der 4. Mai wird als Unabhängigkeitstag dieser ersten lettischen Republik gefeiert.

Vom multiethnischen Riga ist heute nicht mehr viel zu spüren, das 20. Jahrhundert hat die Stadt zu einer duo-ethnischen gewandelt. Der Zweite Weltkrieg brachte erst russische Rotarmisten als Besatzer, dann die deutsche Wehrmacht und letztendlich wieder eine sowjetische Herrschaft. Diese und die folgende Zeit werden in der lettischen Öffentlichkeit bis heute heftig diskutiert. Die Fragen nach Okkupation, Kollaboration mit Nazis oder Rotarmisten sowie die massenhaften Deportationen befinden sich auch im dritten Jahrzehnt in einer Phase der Aufarbeitung. Fakt ist aber, dass die vier Jahrzehnte sowjetischer Herrschaft nach 1944 hunderttausende russischsprachige Einwohner in die Stadt spülten – übrigens durchaus oft gegen deren Willen. Diktaturen fragen nicht lange.

Obgleich Lettisch als Sprache nie unterdrückt war, wurzelt hier die heute überall zu hörende faktische Zweisprachigkeit der Stadt. Politisch ist es keine – und man muss die Letten hier vielleicht verstehen, zu tief sitzt die Erinnerung an hunderttausende Deportierte in der Sowjetdiktatur.

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Ab und zu sieht man noch die Überbleibsel der sowjetischen Jahre, wie hier ein zweisprachiges Straßenschild in Jurmala

In den 1980ern begann eine Nationalbeweggung zu erstarken, die Letten nennen diese Zeit Atmoda (Erwachen), sie mündete in der 1991 wiedererlangten Unabhängigkeit. Für diese ist der 18. November Nationalfeiertag. Als eines der ersten Gesetze legte die unabhängige Regierung die Staatsbürgerschaft so fest, dass nur Staatsbürger sei, wessen Familie bereits vor 1937 in Lettland gelebt habe, also vor allen Okkupationen. Die Atmoda ist heute noch allgegenwärtig, selbst junge Menschen hören in (lettisch geprägten) Clubs die oft politisch motivierten Lieder der 80er, die ein wenig nach Neuer Deutscher Welle klingen.

Russisch und Lettisch sind übrigens keine verwandten Sprachen und auch kulturell stehen sich die Gruppen trotz gemeinsamer Sowjetzeit fern (Das Lettische ist lediglich mit dem Litauischen verwandt). Ein Freund sagte es einmal so: Die erzwungene Masseneinwanderung in der Sowjetzeit habe völlige Gegensätze zusammengebracht, es sei  „als hätte man Italiener und Finnen zusammen leben lassen“.

Riga ostalgisch – Spuren der Sowjetzeit

Wer durch das Zentrum schlendert, der wird zuerst einmal auf den Platz der Roten Schützen und die dortige rot-marmorne Statue aufmerksam werden, die an die lettischen Kommunisten erinnert, die für die erste Unabhängigkeit 1918 eingetreten sind (unter vielen anderen Gruppen, wohlgemerkt). Direkt hinter ihr steht das unbedingt besuchenswerte Okkupationsmuseum, das die Jahre zwischen Zweitem Weltkrieg und zweiter Unabhängigkeit kurz, aber eindrucksvoll zusammenfasst. Ein Besuch dauert eigentlich nicht länger als 1 1/2 Stunden, der Eintritt ist frei. Der Bau war übrigens ursprünglich ein Lenin-Museum und auf dem umgebenden Platz fanden die großen sozialistischen Aufmärsche statt. Die Außenplatten des Baus bestehen aus ursprünglich rotem Kupfer und es passt zur Umwidmung, dass diese Symbolfarbe mittlerweile ins Tiefschwarze korrodiert ist (Hinweis: Stand Oktober 2016 wird das Okkupationsmusum renoviert und ist z.Zt. geschlossen, soll aber wieder eröffnet werden).

Natürlich gibt es in Riga auch die alten Wohnblöcke aus sowjetischer Zeit. Wer diese sehen will, nimmt am besten den 15. Trollybus (unten mehr zum ÖPNV) ab der Lettischen Universität (Latvijas Universitate, Arhitektu iela). Dieser fährt ab hier nur in eine Richtung und bringt die Fahrgäste in die Siedlungen der sogenannten Chrustschowkas der 50er-Jahre, jenen geziegelten Vorläufern der Plattenbauten. Der Stadtteil heißt Moskauer Vorstadt und genießt nicht den besten Ruf, aber sorgen muss sich dennoch niemand. Die Fahrt hierhin lohnt auch deshalb, da der 15. Trolly über den Markt durch edle Gründerzeithäuser und alte Holzhäuser bis zu den Chrustschowkas einen Eindruck von der Vielfalt Rigas bietet.

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Die Akademie der Wissenschaften in der Moskauer Vorstadt

In der Moskauer Vorstadt direkt hinter dem Markt befindet sich auch die Akademie der Wissenschaften. Der große Stufenturm in Stalinbarock ähnelt den baugleichen Türmen in Moskau und anderswo und ist sehenswert, für eine gute Aussicht sollte man jedoch lieber auf den Fernsehturm aus sowjetischer Zeit steigen. Hier befindet man sich auf der höchsten Aussichtsplattform Rigas (es gibt zwei: 97m & 137m) und kann die ganze Stadt überblicken. Man erreicht die Insel, die den Turm beherbergt, mit dem 20. Trollybus, der ebenfalls ab dem oben genannten Hauptgebäude der Latvijas Universitate fährt. Besagte Insel Zakusala war übrigens bis zum Bau des Fernsehturms bewohnt. Da der Turm jedoch als strategisch wichtiges Gebäude im Falle innerer Unruhen galt, erzwang die Moskauer Zentralmacht in den frühen 1980ern die Umsiedlung der Bewohner.

Stadtreisen Riga Tipps
Auf der Kipsala wurde früher Gips hergestellt, heute lohnt sie für Spaziergänge mit Blick auf die Altstadt.

Neben diesen großen Marksteinen der sowjetischen Jahre gibt es viele kleinere im Stadtbild, die hier den Rahmen sprengen.

Riga am Meer: Jurmala!

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Riga bietet einen wirklich schönen Strand!

Aber natürlich wollt ihr ans Meer und das Meer ist ja auch ganz typisch für Riga! Jurmala, das ehemalige „Riga-Strand“, ist heute zwar verwaltungstechnisch eine eigene Stadt, befindet sich aber nur eine halbstündige Zugfahrt von Riga entfernt. Ab dem riesigen, aber wenig frequentierten Hauptbahnhof (Centrala Stacija) kostet die Fahrt 1,50 Euro pro Weg, das Ticket erhält man in der zentralen Schalterhalle. Um an den Strand zu gelangen, steigt man in Bulduri, Dzintari oder Majori aus, letzteres ist der Hauptort des aus kleinen Dörfern zusammengesetzten Jurmala.

Der Strand wird euch begeistern! Er ist 25 Kilometer (!) lang und besteht wirklich aus schönem hellen Sand! Hohe Kiefern wachsen direkt bis an den vielleicht 100m breiten Sandstreifen, die Lage in der Rigaer Bucht sorgt für eine geschützte und milde Witterung.

Natürlich ist die Ostsee nicht das Mittelmeer und die Sommer sind kurz. Dennoch habe ich schon etliche Sonnentage bei deutlich über 30 Grad hier am Meer verbracht. Und auch wenn das Thermometer auf 22 Grad fällt,  zieht es noch Badende ins Meer, das lange nur flach abfällt, so dass man weit hineingehen und problemlos stehen kann. Das alles sorgt für echtes Sommer-Feeling, obwohl die Strände hier natürlich alles andere als einsam sind. Vor allem Majori ist gut gefüllt; wer es stiller mag, sollte den Zug bereits in Dubulti verlassen!

Wer etwas Komfort sucht, bekommt am Strand alle paar Meter Strandliegen und -körbe zum kleinen Preis (4-10 Euro/ Tag). Wer mehr Aktivität möchte: Tretboote, Hüpfburgen, Beachvolleyball- und Fußballfelder: Es gibt alles!

Jurmala, das ist nicht nur Rigas Stadtstrand, sondern heute vor allem auch russischsprachige Touristenhochburg. Ihr werde dies allerorts hören, Englisch ist hier oft keine Option und auch auf Lettisch kann man sich nicht immer verständigen. Hauptpromenade und Flaniermeile ist die Jomas iela in Majori, hier befinden sich auch fast alle Café und Restaurants. Preislich sollte man in Jurmala immer einige Euro mehr einkalkulieren, denn die Wiederauferstehung des Ost-Tourismus zieht vor allem wohlhabende Gäste aus Russland an.

Auch der Strand ist gastronomisch erschlossen. Überall finden sich kleine Terrassen mit Ausschank, man kann direkt am Meer sitzen und bei Bier, Wein oder einem Cocktail in die untergehende Abendsonne schauen. Das ist einfach umwerfend!

Umwerfend sind auch die alten Holzhäuser und modernen Villen, die sich überall in den bis an den Strand reichenden Kiefernwäldern finden. Auch hier hindurch zu spazieren, ist wunderschön.

Jurmala Beach Urlaub Tipp Reisebericht
Alte Holzvillen in den Wäldern am Strand

Im Winter versinkt Jurmala dann in einer Art Winterschlaf. Jetzt wird es ruhig, der Strand ist fast jedes Jahr mit Schnee bedeckt, alle paar Jahre friert das Meer in Küstennähe sogar zu. Auch das ist ein spezielles Erlebnis.

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Blick in den Sonnenuntergang

Ein kleines Highlight ist auch die Bootsfahrt nach oder von Jurmala: Sie kostet zwar 15,- Euro, dafür bringt einen ein kleines Ausflugsschiff über die Daugava und dann über den Seitenfluss Lielupe auf die Rückseite des Hauptortes Majori. Von hier erreicht man den Strand in gut 10 Minuten. Die etwa zweieinhalbstündige Fahrt ist malerisch, führt durch viel Schilf, stille Wäldchen und abschließend durch den Rigaer Hafen. Ich empfehle euch, mit dem Zug nach Jurmala zu fahren und mit dem Boot zurück – das geht allerdings nur in der Sommersaison. Der Bootsanleger befindet sich allerdings etwas versteckt in der Rigas iela, hier ein Kartenlink!

Riga praktisch: Tipps

Hier noch ein paar praktische Tipps, vor allem zum Bus- und Bahnsystem:

Innerhalb Rigas werdet ihr ein gut ausgebautes Netz an Straßenbahnen, Bussen und Trolleys finden. Letztere sind Busse, die ähnlich einer Straßenbahn an einer Oberleitung befestigt sind, aber dennoch auf der Straße fahren. Die alten, nostalgischen Fahrzeuge wurden mittlerweile fast alle ausgetauscht und vor allem die neuen Straßenbahnen wirken sehr futuristisch. Ein Fahrticket kostet für Bus, Tram und Trolley einheitlich 1,15 Euro. Die Tickets bekommt man in der Regel im Fahrzeug an einem Automaten, der auch Kreditkarten akzeptiert (und natürlich Münzen und Scheine). Man kann beim Fahrer zahlen (die alten Schaffnerinnen/ Konduktora gibt es leider nicht mehr…), aber dann steigt der Ticketpreis auf 2,- Euro pro Fahrt. Da einige alte Fahrzeuge keinen Automaten haben, empfehle ich das wieder aufladbare E-Talons, das man ebenso wie die Einzelfahrscheine u.a. in der Kioskkette Narvesen kaufen kann. Hier eine Übersichtskarte mit den Verkaufsstellen. Dieses Talons ist eine Art Kreditkarte aus festem Papier, die Anschaffung kostet nichts, man kann das Ticket mit einer Reihe Fahrten aufladen, zahlt diese am Talons-Automaten und hält das Ticket später im Bus (Tram, Trolley) an einen dafür vorgesehenen Zähler. Das ist einfach und spart etwas Geld, denn der Fahrtpreis sinkt je nach Auflademenge. Achtet darauf, dass man in Riga bei jedem Umstieg ein neues Ticket entwerten muss! Fahrpläne sind online einsehbar, nämlich hier.

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Der Euro ist da, die Bahnfahrpäne für ganz Lettland passen dennoch noch problemlos auf die Rückseite eines Fahrscheins. Rechts ein E-Talons.

Vermutlich werdet ihr euch schon nach eurer Ankunft am kleinen, aber sehr modernen Flughafen in Riga erstmals mit einem Bus auseinandersetzen müssen. Der Flughafenbus fährt ziemlich genau 30 Minuten bis zum Zentrum, dort gibt es mehrere Ausstiege. Es handelt sich dabei um die Linie 22, hier ein Link zu den Fahrplänen. Am Flughafen gibt es übrigens auch einen Automaten für E-Talons. Um zum Bus zu gelangen, muss man einmal den Parkplatz vor dem Flughafen überqueren und stößt nach 50 Metern direkt auf den Halt. Auf dem Rückweg wird es etwas schwieriger, denn der Halt liegt zwar zentral, ist aber oft nur mit Lidosta, also dem lettischen Wort für Flughafen ausgeschildert. Darauf muss man erst einmal kommen. Hier seht ihr, wo der Bus zum Zentrum zum Flughafen abfährt, nämlich an der 13.-Jnavara-iela! Wer lieber Taxi fährt: Die Fahrt zum/ vom Flughafen ins Zentrum kostet ca. 10 bis 12 Euro.

Vielleicht wollt ihr Riga auch einmal verlassen, z.B. um nach Cesis und Sigulda in die sogenannte lettische Schweiz zu fahren. Zum Teil gibt es Züge, aber das Netz ist dünn. In der Regel bewegt man sich in Lettland mit Überlandbussen fort, der zentrale Busbahnhof für alle Fernbusse, also auch für Eurolines etc., heißt Autoosta und befindet sich direkt neben dem Bahnhof und dem großen Stockman-Einkaufszentrum, hier ein Kartenlink. Falls ihr doch mit dem Zug fahrt, stellt euch auf ein Highlight ein: Die riesigen Waggons sind alt und klapprig, der Einstieg in fast einem Meter Höhe nichts für Gehgeschädigte, denn eine Einstiegsplattform gibt es natürlich nicht, nur drei winzige Stufen…

Zum Abschluss ein ganz anderer Tipp, nämlich zum Thema Bargeld und Bezahlung. Lettland ist ein günstiges Land und auch Riga ist oft deutlich billiger als Deutschland (aber nicht in allem!). Deshalb sind große Euroscheine häufig unpraktisch, alles über 10 Euro überfordert gerade kleine Händler (auf dem Markt…) und oft auch die Busfahrer. Man sollte also immer etwas Kleingeld bei sich führen. Im Gegenzug ist Riga aber sehr modern, die Zahlung mit Karte ist überall problemlos möglich, selbst für Centbeträge. Auch Geldautomaten findet man sprichwörtlich an jeder Ecke.

Riga persönlich: Darum liebe ich diese Stadt!

Ihr werdet es gelesen haben: Ich liebe Riga! Ich habe lange in der Stadt gelebt, ich habe Freunde dort, ich habe viele Verwandlungen und Veränderungen selbst miterlebt. Das, was Riga für mich persönlich spannend und lebenswert macht, sind seine Kontraste und seine Lebendigkeit.

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Auch ein Geheimtipp: Der Leuchtturm an der Daugava-Mündung, leider sehr schwer zu finden, da für die letzten 2km Ausschilderungen fehlen.

Riga, das sind einerseits moderne Trends, die blitzschnell in der Stadt ankommen; das sind junge Letten, die die Stadt erobern; das sind schicke Shoppingsmalls, wie ich sie in Deutschland noch nirgends gesehen habe (übrigens eine Empfehlung: Die Galerija Riga und die Galerija Centrs – auch wer keine Mall mag, wird hier beeindruckt sein!); und Riga, das sind auch coole Bars und Locations, irgendwo findet sich immer noch eine geöffnete Theke.

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Neues im Alten: Die Speicherhäuser in Spikeri

Aber es gibt auch die andere Seite, das Gestrige, aus der Zeit Gefallene. Da wäre der uralte, fest stationierte Zirkus, der wie in Sowjetjahren sein Programm abspult (übrigens auch ein Tipp! Momentan, Stand Okt. 2016, wird er jedoch renoviert und ist z.Zt. geschlossen). Geblieben sind auch die Straßenmusiker und die alten Damen, die am Straßenrand dies und das verkaufen. Und auch die Gerüche, an vielen Orten etwas modrig, ein wenig abgestanden, in den Bussen oft miefig – das alles atmet die Luft der Vergangenheit.

Und manchmal gelingt es, das Alte und Neue zu vereinen, so wie in den Spikeri-Speicherhäusern direkt neben dem Zentralmarkt. Ja, geht dort mal hin, schlendert erst über den Markt und schaut euch dann diese renovierten Hallen, heute als Kulturzentrum genutzt, sowie das benachbarte alte Ghetto an, dann werdet ihr die Gegensätze und die Vielfalt von Riga auch spüren!

Viel Spaß! Euer Holger

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PS: Wenn ihr mehr Bilder sehen wollt, dann schaut bei Instagram unter #stadtwuchsriga. Oder lest meinen Gastbeitrag im Blogmagazin Severin.net über „10 Dinge in Riga„!

PPS: Ich habe in diesem Bericht auf alle lettischen Sonderzeichen verzichtet, da viele Browser diese nicht richtig darstellen.

3 Antworten auf „Stadt der Gegensätze: Riga

  1. Lieber Holger,
    ich habe tatsächlich Gänsehaut beim Lesen bekommen, weil ich so viele schöne Erinnerungen mit Riga verbinde. Ich vermisse die Stadt sehr. Vielen Dank für den Beitrag und dass ich in alten Zeiten schwelgen konnte.
    Herzliche Grüße
    Alex

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