Buzludzha: Das Ufo im Balkangebirge

Das Denkmal von Buzludzha war mein persönliches Highlight meines zweiwöchigen Roadtrips durch Bulgarien. Vom Schwarzen Meer (Varna und Kawarna) über Veliko Tarnovo führte mich die Reise ziemlich genau in die Mitte Bulgariens. Hier, hoch oben im Balkangebirge, liegt Buzludzha: aus der Zeit gefallen, monumental, extraterrestrisch – ein Denkmal der ehemaligen kommunistischen Partei Bulgariens.

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Wer Buzludzha besuchen will, muss hoch hinaus

Wobei, der Begriff Denkmal trifft eigentlich nicht zu, denn es handelt sich um ein ehemaliges Aufmarschgelände. Die KP hatte das Bauwerk in den 1970ern in Auftrag geben und 1981 anlässlich des 1300-jährigen Jubiläums Bulgariens eröffnet. Genutzt wurde es danach nur leider fast nie – viel zu abseitig, viel zu kurz vor dem Sturz des Sozialismus 1989. Übrig blieb ein aus der Zeit gefallenes Relikt vergangener Tage.

Ich selbst hatte vor meiner Reise einige Bilder gesehen und wusste, dass mich ein UFO-ähnliches Etwas erwarten würde – welche Wucht das Bauwerk jedoch in der Realität entfaltet, hatte ich nicht erwartet! Schon auf der Anfahrt öffnen sich immer wieder die Berge und bieten absurde Anblicke des Beton-Monstrums. Aus der Nahansicht erschlägt es den Betrachter dann fast: Der über vierzig Meter hohe Turm mit dem sozialistischen Stern und das absurde Rund daneben wirken tatsächlich, als habe Mr. Spock persönlich hier sein Raumschiff geparkt.

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Sozialistischer Brutalismus: Es ist das Gesamtensemble, das wirkt, als sei man in einer anderen Zeit

Betreten kann man das Bauwerk zurzeit leider nicht, zu groß war der Vandalismus der vergangenen Jahre. Es patrouilliert sogar ein privater Wachdienst, so dass man sich mit einem kleinen Einblick durch eine vergittertes Tor begnügen muss. Aber auch ein Rundgang um das Gebäude ist spannend: Überall bricht der Beton, tropft es herab, überlebensgroße Stahlbuchstaben verkünden sozialistische Parolen (und wurden teils als Souvenir entwendet). Und auch der Ausblick ist sehr lohnenswert, rundherum öffnet sich der Blick auf andere Berggipfel oder in die nahen Rosentäler um Kazanlak.

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Gigantische Buchstaben verkünden die Herrlichkeit des Sozialismus

Der Name Buzludzha bezeichnet dabei die ca. 1400 Meter hohe Bergspitze, auf der das Gebäude errichtet wurde. Es handelt sich zwar nicht um den höchsten Berg des bulgarischen Balkangebirges – das wäre der benachbarte Botev – aber die Stelle ist geschichtsträchtig: Hier verläuft der Shipka-Pass, der die alte Hauptstadt Veliko Tarnovo mit den Rosenfeldern um Kazanlak verbindet und als verlängerte Handelsroute bis zur türkischen Grenze führt, die in osmanischer Zeit natürlich keine Grenze war.

Nationale Bedeutung erhielt der Shipka-Pass im russisch-türkischen Krieg 1877/78, als russische Truppen hier die Osmanen besiegten, was zu einer kurzzeitigen Gründung des modernen Bulgariens führte. Etwa 10 Kilometer vor dem Buzludzha-Denkmal erinnert das Shipka-Denkmal an diese Schlacht und es ist kein Zufall, dass der sozialistische Bau das Denkmal des nationalen Erwachens deutlich überragt und man von der Bergspitze auf Shipka herabblickt. Ebenso ist es vermutlich kein Zufall, dass Buzludzha heute immer mehr verfällt, während das Shipka-Denkmal sich neuer Beliebtheit erfreut – tempora mutantur…

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Der Aufstieg zum Buzludzha-Denkmal lohnt sich auch für den wunderbaren Ausblick

Wer Buzludzha besuchen will, kann relativ nah mit dem Auto an das Bauwerk heranfahren – nur die allerletzten Meter geht es steil zu Fuß bergauf. Von Veliko Tarnovo kommend gibt es zwar eine Straße ab dem Shipka-Denkmal, doch diese ist kaum noch Straße zu nennen. Geschwindigkeiten über 10km/h sind hier eigentlich nicht mehr realisierbar. Daher empfiehlt es sich, erst einmal der Passstraße weiter in Richtung Kazanlak zu folgen und dann kurz vor Kran über die deutlich bessere Straße den Aufstieg zu suchen.

Sollet ihr also einmal durch Bulgarien reisen und eine Mischung aus wildem Osten und sozialistischen Relikten suchen, denn dürft ihr Buzludzha nicht verpassen! Die folgenden Bilder sprechen für sich – für mich war dieser aus Zeit und Raum gefallene Ort auf jeden Fall das Highlight meines Roadtrips!

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Aus jedem Blickwinkel wirkt das gigantische Bauwerk anders – aber immer fremd und unwirklich!
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Mit dem Auto kann man nah heranfahren, wer die letzten Meter zu Fuß geht, bekommt noch einmal ganz besondere Einblicke
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Sprayer sind überall am Bau aktiv

 

 

 

 

 

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