Kiew: Schatzkiste im Osten

Wenn ihr einen echten Reise-Geheimtipp sucht: Kiew wird euch gefallen! Lest hier, welche Schätze an Kultur, Architkektur, Geschichte euch erwarten – und ganz allgemein eine coole, lebendige, junge Stadt!

Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, liegt trotz ihrer Geschichte, Kultur und trotz ihrer über drei Millionen Einwohner eher nicht auf der typischen Reiseroute vieler Touristen. Warum eigentlich nicht? Ich habe die Stadt für eine Woche besucht und war begeistert. Lest hier, warum Kiew ein echter Geheimtipp ist und euch eine Reise wert sein sollte!

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Der Maidan ist das unumstrittene Zentrums Kiews

Vielfältige Kultur & Architektur

Kiew ist baulich und kulturell eine Schatzkiste! Zugegeben, auch in meiner Vorstellung hatte ich einen Plattenbau-Moloch vor Augen – ein völlig falsches Bild! Das Stadtzentrum von Kiew quillt nicht nur über vor kulturellen Highlights, es lässt sich auch ganz wunderbar zu Fuß erkunden!

Kiew liegt auf mehreren (angeblich sieben) Hügel und trennt sich in eine Ober- und eine Unterstadt. Der seit der demokratischen Umsturzbewegung von 2014 fast jedem bekannte Maidan liegt genau an der Grenze zwischen der älteren Oberstand und dem im 19. ausgebauten unteren Zentrum. Allabendlich tummeln sich hier im Sommer die Kiewer und sitzen auf Treppenstufen, Mauern und Bänken, so dass fast südliches Flair aufkommt!

Der langgezogene, rechteckige Platz beeindruckt mit seiner großen Unabhängigkeitsstatue und wird an seinen beiden Enden vom sozialistischen Hotel Ukraina sowie von beeindruckendem Stalinbarock begrenzt. Wer nun an grauen Sowjetcharme denkt, der liegt völlig falsch, denn hier hat sich in den 1950er Jahren der Sozialismus tatsächlich selbst übertroffen und beeindruckende Repräsentationsbauten geschaffen. Das gilt auch für die Prachtmeile Khreshchatyk, die vom Maidan abgeht und die zentrale Achse der Unterstadt bildet: Rechts und links erblickt man sozialistischen Prunk, der der Bürgerwelt des 19. Jahrhunderts in nichts nachsteht. Die Embleme und Ornamente der Sowjetjahre finden sich unverändert an den Giebeln und Hausfassaden, obgleich die Straße heute alle großen Weltmarken beherbergt.

Die Prachtmeile Khreshchatyk bietet prunkvolle Sowjetarchitektur

In den Seitenstraßen der Khreshchatyk finden sich viele wunderschöne Bürgerhäuser des 19. Jahrhunderts, nicht selten mit Jugendstil-Fassaden. Auch das Parlament, der Sitz des Präsidenten sowie etliche Theater und Museen lassen sich bequem erschlendern. Dabei wechselt man hier an der Grenze zwischen Ober- und Unterstadt immer wieder von einem Hügel auf den nächsten – ganz schlecht sollte man also nicht zu Fuß sein.

Bis ins Detail spielerisch verziert: Das Haus der Chimären
Bürgerhaus in einer Seitenstraße zum Maidan

An die mittelalterliche Stadt erinnert in Kiew dagegen wenig. Erhalten ist das Goldene Tor. Ansonsten liegt der Charme der Stadt gerade im Wechselspiel aus bürgerlichem Glanz des ausgehenden 19 Jh. (Zar Nikolaus I. ließ die Stadt in den 1880er Jahren aufwendig umgestalten) und sozialistischen Relikten ganz unterschiedlicher Art.

Blick vom Denkmal der Völkerfreundschaft hinab auf den Dnjepr

Ebenfalls wenige Fußminuten vom Maidan entfernt befindet sich der Doroha-Park, der sich dem Fluss zuwendet und neben dem Stadion von Dynamo Kiew vor allem den gigantischen Bogen der Völkerfreundschaft sowie etliche kleine, liebevolle Denkmäler enthält, z.B. die Liebesbrücke oder die Skulptur für Luigi und Mokrina, die sich 1944 im Krieg kennenlernten, als Italiener und Ukraninerin auf zwei verschiedenen Seiten des Eisernen Vorhangs lebten und sich 2004 wiedertrafen. Der Park selbst liegt hoch über dem Dnjepr und bietet von einer eigenes eingerichteten Plattform einen famosen Blick über den Fluss.

Liebesbrücke im Doroha-Park…
…und ein Denkmal für eine rührende Liebesgeschichte

Unbedingt sehenswert ist auch die bombastische Statue „Mutter Heimat“ die in Erinnerung an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg noch immer ihr Schild mit Hammer und Sichel gute 60 Meter hoch über den Dnjepr streckt. Hier findet sich sowjetische Erinnerung pur mit allem dazugehörigen Brutalismus, aber auch die Umwidmung in die ukrainische Geschichte lässt sich fassen, beispielsweise durch die riesige Nationalflagge oder das Museum im Sockel der Statue (unbedingt besuchen!).

Gigantisch: Mutter Heimat erinnert an den Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“
Die Zeichen des Sozialismus sind trotz aller aktuellen Konflikte mir Russland nicht verschwunden

Das Herz der Orthodoxie

Nein, nicht Moskau bildet das Herz der (russischen) Orthodoxie, sondern Kiew, wo sich im Mittelalter die Kiewer Rus erstreckte und die ersten christlichen Mönche ihre Schrift aus Byzanz mitbrachten. Kiew, später vom russischen Zaren als Jerusalem des Ostens bezeichnet, zeigt das noch heute mit einer schier unendlichen Vielfalt an prachtvollen orthodoxen Kathedralen, Kirchen und Klöstern. Vieles wurde zwar im Laufe der Jahrhunderte zerstört und verwahrloste nicht zuletzt in der Sowjetzeit, erstrahlt aber heute in neuem Glanz.

Die Sophienkathedrale von außen…
…und im Inneren des ummauerten Geländes

Das heutige Herz dieser Orthodoxie bildet das Zusammenspiel von Sopienkirche und Michaelskloster. Beide befinden sich nur knapp 10 Fußminuten (und einen Hügelaufstieg) vom Maidan entfernt in der Oberstadt und liegen sich an zwei Enden der Straße Volodymyrska gegenüber.

Die Sophienkathedrale bildet den Sitz des Kiewer Metropoliten. Umrundet von einer eigenen Mauer, wirkt das Gebäudeensemble wie eine Stadt in der Stadt. Der Eintritt kostet zwischen 4 und 8 Euro, aus meiner Sicht reicht das kleine Ticket, das die Museen ausspart.

Auf der anderen Seite der Straße, gute 300 Meter entfernt, blickt man auf das nicht weniger stolze und nicht weniger pompöse Michaelskloser (hier ist der Eintritt frei). Beide Anlagen beeindrucken durch ihre Ausdehnung, ihren Prunk und durch erkennbare Volksfrömmigkeit – und sind doch nicht die größten Kirchen Kiews – werden sie doch vom Höhlenkloster noch einmal übertroffen.

persönliche Reiseempfehlung Kiew
Eingang zum Michaelskloster
Goldene Zwirbeltürme finden sich überall in Kiew

Ich selbst habe einen Kirchentag eingelegt und bin vom Michaelskloster die erneut nur ca 15 Minuten Fußweg zum Andreassteig gegangen, dessen Anfang von der Andreaskirche gesäumt wird. Der Andreassteig, eine traumhafte Kopfsteinpflasterstraße, erinnert an die verlorene Altstadt, denn das heutige Kiewer Zentrum erhielt seine Form im späten 19. Jahrhundert. Hier ist man dann auch mitten im touristischen Trubel, überall wird Nippes verkauft, überall wird für Fotos Pose gestanden. Oft bleibt man in Kiew als Tourist alleine unter Einheimischen, nur hier, am Andreassteig (und am Maidan) zeigt sich ein anderes Bild.

Reisen ohne Touristen unentdecktes Kiew
Andreaskirche am Andreassteig

Das unumstrittene religiöse Highlight Kiews ist jedoch das Höhlenkloster. Der Name täuscht, denn obwohl das Kloster auf den Höhlen ehemaligen Erimiten steht, befinden sich 95% der gigantischen Anlage überirdisch. Hier reihen sich Kirchen an Kirchen und selbst vom mächtigen Glockenturm aus lässt sich nur schwer ein Foto der Gesamtanlage schießen.

Für nur 130 Gwynja (4€) kann man alle Teile des Klosters besichtigen. Den Höhepunkt bilden die zwei Höhlenanlagen, die Gänge keinen Meter breit, nur mannshoch und nur mit Kerzen beleuchtet. Platzangst ist hier eher hinderlich. Verlaufen kann man sich in den weiß getünchten Gängen allerdings nicht, man folgt automatisch einem vorgegebenen Weg. Dennoch bietet es sich an am Eingang Kerzen zu kaufen, schon aus Gründen der Pietät: Das Höhlenkloster ist mehr Wallfahrtsort als Touristenattraktionen, viele Gläubige schienen mir gezielt zur Verehrung in die Höhlen zu gehen. Dementsprechend muss man sich hier auch noch strenger als in anderen orthodoxen Kirchen kleiden: Frauen benötigen ein Kopftuch und bedeckte Beine, auch Männer sollten nicht im Tanktop erscheinen. Entsprechende Tücher werden aber kostenlos ausgegeben.

Glockenturm des Höhlenklosters

Belohnt wird man dafür mit spannenden unterirdischen Tunneln, in deren Seiten gläserne Sarkophage eingelassen sind, die mit Kuss und Verbeugung verehrt werden. Und wenn man Glück hat, stockt es plötzlich im Höhlengang, Chorale werden angestimmt und ein Pope öffnet einen der Glassarkophage, damit ein jeder den einbalsamiertem Leichnam küssen kann. Platz- und Berührungsangst sollte man hier wirklich nicht haben!

Blick vom Glockenturm mit Plattenbauten im Hintergrund

Das Höhlenkloster bietet darüber hinaus wunderbare Blicke auf den Dnjepr und spannende Kontraste, weil sich vom Glockenturm die zahllosen Plattenbauten auf der anderen Flussseite abzeichnen. Zudem liegt Mutter Heimat fast direkt neben dem Kloster (ca. 10 Minuten Fußweg) – auch hier könnte der Kontrast nicht größer sein!

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Das Areal des Höhlenklosters ist beeindruckend riesig

Es gibt noch unzählige weitere Kirchen, die ich unmöglich aufzählen kann. Herausgehoben sei die sehenswerte Vladimirkathedrale unweit vom Goldenen Tor. Es gibt darüber hinaus eine Synagoge und eine kleine deutschsprachige Kapelle (St. Katharinen fast direkt neben dem Dienstsitz des Präsidenten), die man jedoch schnell besichtigt hat.

Dnjepr in Kiew Bootstouren
Blick über den Dnjepr in Kiew

Sonnenbaden am Dnjepr

Was Kiew an Meerblick fehlt gleicht der Dnjepr aus! Im Sommer laden mehrere Strandbäder zum Sonnenbaden am Fluss ein, einige sind mit Life Guards und Beach Bar versehen. Vor allem das zentrale Strandbad auf der Truchaniw-Insel lässt sich super in 20 Minuten zu Fuß aus dem Zentrum über eine eigene Fußgänger- und Radfahrerbrücke erreichen.

Stadtstrand am Dnjepr

Aber auch sonst ist der Fluss eine Wucht, obwohl sich seine wahre Breite im Zentrum aufgrund der gewaltigen Truchaniw-Insel kaum erfassen lässt. Ich empfehle daher eine der diversen Bootstouren, bei denen sich der Fluss ganz anders erleben lässt und außerhalb des Zentrums seine wahre Ausdehnung zeigt.

Denn eines ist am Dnjepr nur selten möglich: Das Flanieren am Ufer. Zu häufig liegen brachial große, sechsspurige Straßen an seinem Ufer, so dass selbst an den wenigen Stellen mit Uferflaniermeile der Spaziergang kein Genuss ist.

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Stadtstrand und im Hintergrund die Radfahrerbrücke vor dem Bogen der Völkerfreundschaft

Essen, trinken, genießen

Ich lasse es mir gerne gutgehen und sage zu einem abendlichen Drink nicht nein. Wenn es euch da ähnlich geht, dann solltet ihr unbedingt durch das lebendige Viertel Podil rund um den Kontraktplatz schlendern. Für Cocktailfreunde ist das Pink Freud ein Muss (alle Links in diesem Abschnitt führen zu Google-Maps). Fast Gegenüber liegt die Bierbar Beer Point mit guter Hausmannskost (trotz des Namens). Etwas versteckt, aber durch die Lage sehr schön ruhig gelegen, ist das italienische Restaurant Tisto, Syr i Titka Bella zu empfehlen.

Wer es aber richtig ukrainisch mag: „Varenychna Katyusha“ ist eine Mini-Kette mit vier oder fünf Dependancen in Kiew, die Pelmeni, Blini und fast alle anderen Klassiker anbietet.

Kontraktplatz in Podil. In den Seitenstraßen findet ihr viel Gastronomie

Ich muss aber auch zugeben dass ich mich etwas schwer getan habe, gute Restaurants mit einheimischer Küche zu finden. Kiew befindet sich vielleicht gerade an dem Punkt, an dem alles pseudo-westliche hip ist, so dass „best Pizza in town“ oder Burger-Schmieden Konjunktur haben. Aus dem Weg gehen kann man dem aber notfalls immer mit Schawarma, wie der Döner hier heißt. Er hat hier eine lange Tradition!

Craft Beer in Kiew
Auf dem Bessarabska-Markt findet ihr einen spannenden Craft-Beer-Stand

Und natürlich bin und bleibe ich Craft-Beer-Fan! Besonders gefallen hat mir der Stand der Brauerei Tzypa auf dem Bessarabska-Markt: Einfach auf dem Markt mit Wurst, Käse oder Fisch eindecken und dann für unter 60 Gwynja durch das Sortiment trinken! (es gibt aber auch eine Bar nahe der Sophienkathedrale)

Unbedingt besuchenswert ist auch die Brauerei 2085 auf dem Kulturareal Art-Zavod, einer alten Industrieanlage. Dafür muss man zwar in die Platten fahren, dank der Metro M1 ist das aber einfach (rote Linie/ Endstation). Zudem liegt der große Lisova-Markt nebenan.

Wunderschön individuell eingerichtet: Na Stanislavskoho

Wer kein Bier mag: Die Ukraine kann auf eine lange Weintradition zurückblicken. Zwar findet man überall italienischen und französischen Wein, aber traut euch ruhig an die lokalen Weine – sie sind gut und zudem günstiger! Gut gefallen für eine Snack und einen Wein hat mir das Na Stanislavskoho, auch das Vyno & Zdorovya sowie das Malevich kann ich empfehlen!

Kirschwein bei Pyana Vyshnya

Mich hat außerdem fasziniert, dass Fruchtweine total beliebt zu sein scheinen. Die Kette Pyana Vyshnya verkauft zum Beispiel ausschließlich hauseigenen Kirschwein (nein, wirklich nichts anderes!), ihr findet die Läden an fast jeder Ecke. Mir hat darüber hinaus die Port-Weinbar gut gefallen – nomen est omen, es gibt Port und Vermuth, aber auch diverse Fruchtweine von Erdbeerwein über Himbeere zu Pflaume.

Falls ihr euch nicht entscheiden könnt, dann besucht den Kyiv Food Market an der Haltestellt Arsenalna. Der Begriff Markt trifft hier eigentlich nicht mehr zu, viel mehr reihen sich hier hippe Food-Plätze aneinander und drängen sich vor allem in einer großen Halle. Hier gibt es alles, was der moderne Stadtreisende sucht. Praktisch: Alle Stände in der Halle teilen sich eine große Sitzfläche, so kann man auch als Gruppe mit unterschiedlichen Vorlieben zusammen sitzen.

Und natürlich kann ich euch alle echten Märkte nur ans Herz legen – auch um dort zu essen! Der Bessarabska-Markt liegt mitten im Zentrum, der Lisova besticht durch seine Größe und wer es wirklich abgerockt mag, der macht während seiner Tour durch Podil einen Abstecher zum Zhitnii Rynok.

Märkte in Kiew
Nicht der schickste Markt, aber allein für die sozialistische Fassade lohnenswert: Der Zhitnii Rynok in Podil

Der wilde Osten

Für mich zählt auf einer Reise nach Osteuropa immer auch ein Abstecher in die Plattenbauten zum Programm. Einerseits finden sich hier häufig spannende Embleme des Sozialismus, andererseits werdet ihr in Kiew ganze Straßenzüge voller Bau-Brutalismus finden. Vor allem die andere Flussseite und der Weg zum Flughafen Borispol sind gesäumt von endlosen Platten. Man muss aber auch sagen, dass vieles renoviert ist und sogar neue, moderne Giga-Komplexe hinzukommen. Zudem befinden sich an vielen Platten (aber nicht nur dort) großflächige Graffitis. Auch für Street-Art-Fans lohnt sich Kiew!

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In Kiew stößt man immer wieder auf spannende, größflächige Streetart

Wild sind in Kiew auch die Straßen. Ja, es gibt viele Schlaglöcher, aber mich hat auch hier eher der Gigantismus beeindruckt: Sechspurig, achtspurig, leider oft direkt am Fluss oder endlos geradeaus durch Wohnwürfel führend!

Doch, das sollte man gesehen haben! Wer aber dafür nicht extra rausfahren will: Verbindet es mit dem Lisova-Markt und dem Art-Zavod-Distrikt!

Auch bei den Plattenbauten lohnt oft der genaue Blick

Praktische Tipps

Für die Einreise in die Ukraine benötigt ihr mit den deutschen Reisepass (Personalausweis genügt nicht) kein Visum, soweit ihr weniger als 90 Tage im Land bleibt. Aktuell ist aber eine Auslandsreiseversicherung notwendig (die wird an der Grenze eingefordert), die eine Covid-Erkrankung abdeckt. Falls ihr keine besitzt: Auf Visit Ukraine gibt es für unter 10€ die in der Ukraine akzeptierten Lösungen.

Im Land benötigt ihr erst einmal Geld. Aktuell sind 30 Gwynja etwa 1€ und am besten zieht ihr direkt am Flughafen Geld am Automaten. Zwar kann man in Kiew zu 99% mit der Kreditkarte zahlen, aber Bargeld schadet nie. Zur Orientierung: ich bin mit 25€ (800 Gwynja) am Tag gut ausgekommen.

Und vermutlich wollt ihr auch telefonieren. Roaming macht außerhalb der EU leider immer noch arm, aber vielleicht hat auch euer Handy eine Dual-Sim: Direkt am Flughafen gibt es in der Ankunftshalle einen Stand, der ukrainischen Simkarten verkauft (10GB für 300 Gwynja/ 10€). Allerdings müsst ihr hier mit Bargeld zahlen.

Beide Flughäfen sind mit Bus und Bahn angebunden, aber ich habe das Taxi genommen. Taxen vor dem Flughafen verbieten sich aus Preisgründen, auch in Kiew heißt die moderne Alternative Uber (oder noch besser: Bolt!). Vorteil: Der Preis steht vorher fest und das Taxi ist getrackt. Aber auch hier war Cash der King – also Bargeld dabei haben. Der Flughafen Borispol liegt weit, etwa 30km, außerhalb der Stadt, dennoch schafft man die Fahrt im Taxi für (je nach Verkehrslage) 12-15€.

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Auch wenn die Tram alt anmutet: Die Verbindungen sind gut getacktet und der Preis unschlagbar

In Kiew bewegt man sich am besten mit der beeindruckend tiefen und teilweise herrlichen dekorierten Metro. Die Fahrt kostet 8 Gwynja für jede beliebige Streckenlänge. Tickets gibt es am Eingang jeder Station. Die Taktung der Metro ist wirklich sehr gut, alle fünf Minuten kommt eine Bahn.

Natürlich bietet Kiew zahllose Hotels moderner Qualität. Ich hatte mich dennoch für das „Hotel Ukrainia“ entschieden. Es liegt direkt am Maidan und bietet eine tolle Aussicht, das Frühstück ist gut, die Zimmer sauber, ansonsten dominiert der Charme der 90er („Euroremont“ ist hier das Stichwort) und vieles ist etwas wackelig. Aber genau das hatte ich gesucht.

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Blick aus meinem Zimmer im Hotel Ukraina. Vorne der Oktoberpalast, im Hintergrund der Dnjepr

Ein Problem ist sicherlich die Sprache. Falls ihr nicht zufällig Ukrainisch sprecht, hilft Russisch – trotz der politischen Situation, denn es wird verstanden und hilft mindestens beim Lesen, wenn man Kyrillisch beherrscht. Englisch ist kaum verbreitet, positive Ausnahmen bildeten das Hotel sowie die Durchsagen in der Metro. Das war es aber auch, schon beim Bier in der Kneipe wurde es stellenweise schwierig.

Sicherheit und die aktuelle politische Lage

Kiew ist eine sichere Stadt, die Menschen sind freundlich und hilfsbereit.

Aber ja, es gibt ihn, den Krieg im Osten. Und das bleibt auch in Kiew nicht verborgen, patriotische Parolen finden sich ebenso wie Gedenktafeln für die Opfer. Tatsächlich hat mich die Zahl der Getöteten traurig gestimmt – wenn man bedenkt, dass dieser Krieg vor der Haustür Europas in unserer Wahrnehmung oft stiefmütterlich behandelt wird. Eine echte Bedrohung ergibt sich daraus für den Kiew-Besuch jedoch nicht.

Gedenktafel für die Gefallenen im Krieg um die Krim und das Donbassbecken gegen Russland
Gedenken an die Opfer der Maidan-Unruhen 2014

Auch in Sachen Kleinkriminalität und Drogen erschien mir Kiew sicherer als Frankfurt oder Amsterdam. Alkoholgeschwängerte Obdachlose wird man aber immer wieder sehen, sie sind jedoch harmlos. Polizei ist vielerorts präsent und gilt auch als zuverlässig.

Und dann wäre da noch Tschernobyl. Der Reaktor ist wirklich nah, liegt ledig auf der anderen, oberen Seite des Kiewer Stausees. Touren werden angeboten, ich habe darauf verzichtet. Ob sich für Kiew eine höhere Strahlenbelastung ergibt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Werbung für eine Tour nach Tschernobyl

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Diesen externen Bericht über die U-Bahn in Kiew fand ich zudem schön geschrieben – er bietet einen guten Blick in die Kiewer Metro, den ich so nicht eingefangen habe.

Natürlich gilt für alles hier: Stand 2021! Aber Kiew ist eine wunderbare Stadt abseits der bekannten Pfade. Probiert es einmal aus und ihr werdet sehen, wie sich die Schatzkiste öffnet!

Kiew ist ein absoluter Gehjeimtipp und lohnt für eine Reise – probiert es aus!

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Buzludzha: Das Ufo im Balkangebirge

Das Denkmal von Buzludzha war mein persönliches Highlight meines zweiwöchigen Roadtrips durch Bulgarien. Vom Schwarzen Meer (Varna und Kawarna) über Veliko Tarnovo führte mich die Reise ziemlich genau in die Mitte Bulgariens. Hier, hoch oben im Balkangebirge, liegt Buzludzha: aus der Zeit gefallen, monumental, extraterrestrisch – ein Denkmal der ehemaligen kommunistischen Partei Bulgariens.

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Wer Buzludzha besuchen will, muss hoch hinaus

Wobei, der Begriff Denkmal trifft eigentlich nicht zu, denn es handelt sich um ein ehemaliges Aufmarschgelände. Die KP hatte das Bauwerk in den 1970ern in Auftrag geben und 1981 anlässlich des 1300-jährigen Jubiläums Bulgariens eröffnet. Genutzt wurde es danach nur leider fast nie – viel zu abseitig, viel zu kurz vor dem Sturz des Sozialismus 1989. Übrig blieb ein aus der Zeit gefallenes Relikt vergangener Tage.

Ich selbst hatte vor meiner Reise einige Bilder gesehen und wusste, dass mich ein UFO-ähnliches Etwas erwarten würde – welche Wucht das Bauwerk jedoch in der Realität entfaltet, hatte ich nicht erwartet! Schon auf der Anfahrt öffnen sich immer wieder die Berge und bieten absurde Anblicke des Beton-Monstrums. Aus der Nahansicht erschlägt es den Betrachter dann fast: Der über vierzig Meter hohe Turm mit dem sozialistischen Stern und das absurde Rund daneben wirken tatsächlich, als habe Mr. Spock persönlich hier sein Raumschiff geparkt.

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Sozialistischer Brutalismus: Es ist das Gesamtensemble, das wirkt, als sei man in einer anderen Zeit

Betreten kann man das Bauwerk zurzeit leider nicht, zu groß war der Vandalismus der vergangenen Jahre. Es patrouilliert sogar ein privater Wachdienst, so dass man sich mit einem kleinen Einblick durch eine vergittertes Tor begnügen muss. Aber auch ein Rundgang um das Gebäude ist spannend: Überall bricht der Beton, tropft es herab, überlebensgroße Stahlbuchstaben verkünden sozialistische Parolen (und wurden teils als Souvenir entwendet). Und auch der Ausblick ist sehr lohnenswert, rundherum öffnet sich der Blick auf andere Berggipfel oder in die nahen Rosentäler um Kazanlak.

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Gigantische Buchstaben verkünden die Herrlichkeit des Sozialismus

Der Name Buzludzha bezeichnet dabei die ca. 1400 Meter hohe Bergspitze, auf der das Gebäude errichtet wurde. Es handelt sich zwar nicht um den höchsten Berg des bulgarischen Balkangebirges – das wäre der benachbarte Botev – aber die Stelle ist geschichtsträchtig: Hier verläuft der Shipka-Pass, der die alte Hauptstadt Veliko Tarnovo mit den Rosenfeldern um Kazanlak verbindet und als verlängerte Handelsroute bis zur türkischen Grenze führt, die in osmanischer Zeit natürlich keine Grenze war.

Nationale Bedeutung erhielt der Shipka-Pass im russisch-türkischen Krieg 1877/78, als russische Truppen hier die Osmanen besiegten, was zu einer kurzzeitigen Gründung des modernen Bulgariens führte. Etwa 10 Kilometer vor dem Buzludzha-Denkmal erinnert das Shipka-Denkmal an diese Schlacht und es ist kein Zufall, dass der sozialistische Bau das Denkmal des nationalen Erwachens deutlich überragt und man von der Bergspitze auf Shipka herabblickt. Ebenso ist es vermutlich kein Zufall, dass Buzludzha heute immer mehr verfällt, während das Shipka-Denkmal sich neuer Beliebtheit erfreut – tempora mutantur…

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Der Aufstieg zum Buzludzha-Denkmal lohnt sich auch für den wunderbaren Ausblick

Wer Buzludzha besuchen will, kann relativ nah mit dem Auto an das Bauwerk heranfahren – nur die allerletzten Meter geht es steil zu Fuß bergauf. Von Veliko Tarnovo kommend gibt es zwar eine Straße ab dem Shipka-Denkmal, doch diese ist kaum noch Straße zu nennen. Geschwindigkeiten über 10km/h sind hier eigentlich nicht mehr realisierbar. Daher empfiehlt es sich, erst einmal der Passstraße weiter in Richtung Kazanlak zu folgen und dann kurz vor Kran über die deutlich bessere Straße den Aufstieg zu suchen.

Sollet ihr also einmal durch Bulgarien reisen und eine Mischung aus wildem Osten und sozialistischen Relikten suchen, denn dürft ihr Buzludzha nicht verpassen! Die folgenden Bilder sprechen für sich – für mich war dieser aus Zeit und Raum gefallene Ort auf jeden Fall das Highlight meines Roadtrips!

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Aus jedem Blickwinkel wirkt das gigantische Bauwerk anders – aber immer fremd und unwirklich!

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Mit dem Auto kann man nah heranfahren, wer die letzten Meter zu Fuß geht, bekommt noch einmal ganz besondere Einblicke

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Sprayer sind überall am Bau aktiv

 

 

 

 

 

Veliko Tarnovo: Die Wiege Bulgariens

Veliko Tarnovo sei wie ein Adler, der seine Schwingen um die Berge gelegt habe, auf denen die Stadt errichtet wurde. Gut, ganz erkennen konnte ich dieses Selbstbild der Stadt am Fluss Jantra nicht, aber Berge, Flusslauf und ganz viel Geschichte sind hier allgegenwärtig – immerhin handelt es sich bei Veliko Tarnovo um die frühere Hauptstadt Bulgariens. Hier ein Reisebericht über eine bulgarische Kleinstadt, die nicht auf jeder Reiseroute liegt.

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Veliko Tarnovo hat mir mit seinen vielen kleinen Gassen gut gefallen

Nach Varna und Kawarna war Veliko Tarnovo die dritte Station meiner Bulgarienreise und die weiteste Autofahrt. Von Varna kommend gibt es bis Schumen zwar eine Autobahn, aber die zweite Hälfte der gut 240 Kilometer über normale Landstraßen zieht sich, denn dies ist auch eine zentrale Achse nach Sofia und oft hängt man im Gebirge hinter einem LKW.

Warum also Veliko Tarnovo? Für mich lag der Reiz dieser ca. 70.000 Einwohner zählenden Stadt in ihrer Mischung aus Geschichte, schönen Altstadtgassen, verwinkelten Ecken und dem Gefühl, im echten Bulgarien zu sein.

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Im Stadtzentrum von Veliko Tarnovo erkennt man, dass die Stadt einmal sehr bedeutend war

Veliko Tarnovo ist eine verwinkelte Stadt und um sie zu erkunden, folgt man am besten erst einmal der Hauptstraße, der ulitsa Stefan Stambolov. Diese zentrale Achse vereint viele Geschäfte, Cafés und Restaurants, verläuft quer durch die Stadt und endet etwa an der mittelalterlichen Burganlage. Dabei öffnet sich der Blick nach rechts und links immer wieder in das Tal der Jantra. Am Fluss selbst kann man leider nicht entlang flanieren, aber es ist spannend zu sehen, mit wie vielen Windungen er die Stadt durchschlängelt. Dabei vermittelt Veliko oft das Gefühl, man befinde sich in einem Park, so häufig blickt man auf bewaldete Hügel. Eine Drehung reicht jedoch, um wieder auf die steilen, bebauten Stiegen zu blicken, an denen die Häuser ein wenig zu hängen scheinen.

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Der Fluss, die grünen Hügel und die steilen, bebauten Hänge bilden das Stadtbild von Veliko Tarnovo

Wer die Stambolov rechts und links verlässt, also leicht bergan oder bergab geht – denn Veliko ist eine hügelige Stadt -, erreicht die kleineren Altstadtgassen. Besonders schön renoviert ist die ulitsa Georgi S. Rakovski , hier kann man den alten Glanz der Stadt spüren. Heute befinden sich hier jedoch leider fast nur noch Geschäfte mit Touristennippes. Mein persönliches Highlight der Altstadt waren die kleinen Gassen rund um die Nikolaikirche. Hier zeigt sich der alte Stadtkern zwar weniger renoviert, aber gerade dadurch authentisch und charmant. In diesen Gassen liegt auch mein Tipp für ein gutes, familiengeführtes Restaurant, das „Slavianska Dusha„.

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Die Rakovski wurde aufwendig restauriert, die weniger herausgeputzten benachbarten Gassen haben mir jedoch noch besser gefallen

Wer die Rakovski jedoch bis zum Ende geht, trifft auf die wirklich nette „Art Bar Hipster„: Außen sitzt man mit Blick auf die kleinen Gassen vor einem Street-Art-Gemälde, innen ist das kleine Café alternativ eingerichtet. Ein Muss für jeden Touristen scheint das sogenannte Affenhaus zu sein, ein hübsches Altstadthäuschen mit einer (wirklich kleinen) Affenskulptur.

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Die Art Bar Hipster ist mein Tipp für einen gemütlichen Drink zwischendurch – natürlich gibt es Rakia, aber auch bulgarisches Craft Beer

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Rund um die Kirche Sankt Nikolai finden sich viele kleine Gassen. Typisch für Bulgarien sind übrigens die kleinen Totenzettel, die sich nicht nur an Kirchen, sondern auch an vielen Häusern und Bäumen finden.

Veliko Tarnovo präsentiert sich also als lebenswerte Stadt. Außerdem vereint sie, mitten im Balkangebirge gelegen, viel Geschichte auf sich und kann als Wiege der bulgarischen Kultur gelten: Schon im Mittelalter hatten sich die bulgarisch-orthodoxen Patriarchen hierhin zurückgezogen, um im Gebirge Schutz vor den mächtigen Widersachern aus Konstantinopel zu finden. Die riesige Burganlage der Stadt mit mächtiger Kirche zeugt von dieser Zeit und lohnt für eine Besichtigung; neben der Historie bekommt man für wenige Leva einen schönen Überblick über die Stadt.

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Die mächtige Burg von Veliko Tarnovo kann gegen kleines Eintrittsgeld besichtigt werden, ich empfehle jedoch festes Schuhwerk, es geht steil hinauf!

Im 12. Jahrhundert, als sich Teile des heutigen Bulgariens von Byzanz lossagten, diente die Stadt gar als Hauptstadt. Unter den Osmanen entwickelte sich die heutige Altstadt, die geprägt ist von alter türkischer Bauweise: Viele Häuser stehen auf einem schmaleren Backsteingrund, um sich im hölzern vertäfelten ersten Stock leicht zu verbreitern.

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Die osmanisch anmutenden Häuser in der Altstadt

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Die berühmte ulitsa Gurko

Im Zuge der Nationalbewegung im 19. Jahrhundert wurde Veliko Tarnovo im russisch-türkischen Krieg von russischen Truppen erobert, was letztendlich zur Gründung eines ersten neuzeitlichen bulgarischen Staates führte. An den russischen General Gurko erinnert auch eine der zentralen Altstadtstraßen. Überhaupt merkt man in dieser Stadt, wie sehr die osmanische Zeit noch am bulgarischen Selbstverständnis nagt und wie stolz man im Land auf die Staatsgründung 1878 ist.

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Überall in Bulgarien kann man gut essen (und guten bulgarischen Wein trinken!) – mein Tipp ist das süße kleine „Slavianska Dusha“

Ich kann euch Veliko Tarnovo also empfehlen, insbesondere all denen, die an Geschichte interessiert sind. Die Stadt eignet sich perfekt für einen oder zwei Tage, denn bei nur 70.000 Einwohnern hat man natürlich alles schnell gesehen. Wer jedoch einen Stopp in Bulgarien sucht, der nicht auf jeder Reiseroute liegt, der ist hier richtig!

Und wenn ihr noch einen Tipp für eine Unterkunft braucht: Ich selbst habe im Hotel Allegro gewohnt, das sich zwar auf der anderen Seite der Altstadt befindet, dafür jedoch schön ruhig an einem kleinen Park liegt und mich mit großen Zimmern überzeugt hat.

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Überzeugt euch selbst: Bulgarien ist ein spannendes Reiseland und Veliko Tarnovo ein lohnender Zwischenstopp!

Varna: Kultur am Schwarzmeerstrand

Bulgarien, ein Land, in dem ich noch nie war und das ich in diesem Sommer 2019 dank der Hochzeit zweier Freunde bereisen wollte. Ein Roadtrip sozusagen, mit Start in Varna und der Hauptstadt Sofia als Ziel. Dabei verband ich bisher wenig mit Bulgarien. Natürlich, EU-Mitglied seit 2007, aber nicht im Schengen-Raum. Sowie die üblichen Klischees: Eher arm, eher unfreundlich, eher Balkanpop – Stereotypen, von denen sich kein einziges bestätigte. Stattdessen traf ich überall auf sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, auf eine facettenreiche Kultur und eine multikulturelle Geschichte, auf wunderschöne Natur und auf viel junges, alternatives Leben. Hier also ein kleiner Bericht über Varna, der ersten Station meiner Reise.

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Varna hat mich mit einer schönen Altstadt und kultureller Vielfalt überrascht

Vom Flughafen in Varna fährt ein Stadtbus in 20 Minuten in die Innenstadt (Bus Nr. 409, Tickets für 1,- Lev bei der Konduktorin, Endhaltestelle an der zentralen Kathedrale). Ab hier endet zum Glück auch die gemeinsame Reise mit wilden Jungmännerhorden, die im Flugzeug bereits ihr Goldstrand-Besäufnis begonnen hatten. Diese Reisenden machen einen großen Bogen um Varna und fahren direkt vom Flughafen zum Goldstrand, so dass man in Varna tatsächlich kaum westliche Touristen trifft.

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Die ulitsa Preslav ist die zentrale Achse der Stadt, hier flanieren die Menschen an schönen Sommerabenden auf und ab

Durch die finale Haltestelle an der orthodoxen Muttergottes-Kathedrale befindet man sich nach der Ankunft direkt im Herzen Varnas. Hier beginnt auch die zentrale Fußgängerzone der Stadt, die ulitsa Preslav. Diese lange Prachtmeile führt vorbei am Dramatheater, an der Oper, am zentralen Platz „Nezavisimost“ und bringt den schlendernden Gast vorbei an prächtigen Jugendstilbauten fast direkt zum Meer.

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Viele Gebäude in der Altstadt sind renoviert – andere versprühen noch den Charme von vergangenem Glanz

Überhaupt, das Meer! Varna ist erkennbar eine Hafenstadt und man merkt, dass sie im 19. Jahrhundert ein wichtiger Zwischenstop für viele Reisenden war. Der Charme des Schwarzmeer-Strandbades ist ihr erhalten geblieben, viele Gebäude zeugen von einer prächtigen Vergangenheit. Heute befindet sich am Meer eine große Grünanlage, der „Primorski Park“. Der gut anderthalb Kilometer lange Stadtstrand vor diesem Park überzeugt mit schönem, feinem Sand. Aber natürlich, es ist ein Stadtstrand, man ist hier also nicht ungestört, vielmehr scheint im Sommer die ganze Stadt am Meer zu liegen. Bars und Restaurants zieren die Strandpromenade, es wird gefeiert und gelebt. Insbesondere bei einem abendlichen Drink habe ich mich hier jedoch pudelwohl gefühlt: Mit dem Getränk in der Hand dem Meeresrauschen lauschen, einfach wunderbar! (ich war übrigens gerne in der Bar „Cubo“, die sehr individuell gestaltet ist, aber es gibt etliche Bars). Man findet in Varna also keinen leeren Strand vor, aber das Wasser ist klar, viele Menschen schwimmen, die Bucht, die Varna umgibt, schließt das alles zu einem harmonischen Ganzen ab.

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Am Stadtstrand ist man zwar nicht für sich, aber westliche Touristen trifft man kaum

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Viele Bars wie hier das „Cubo“ säumen den Strand, etliche befinden sich im alten Badehaus aus dem 19. Jahrhundert

Aber natürlich ist Varna – übrigens mit etwas über 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Bulgariens, nur knapp hinter Plovdiv – auch eine Hafenstadt und ein Industriezentrum. Man sieht vom Strand auch große Pötte vorbeiziehen. Der Hafen selbst ist durchaus einen Besuch wert, am besten schlendert man einmal die lange Mole bis zum Leuchtturm hinaus.

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Die Mischung aus Hafenstadt und Strandbad ergibt einen interessanten Mix

Neben dem Meer, dem Hafen und der Promeniermeile bietet die Stadt viele kleine Gassen, die die Altstadt durchziehen. Hier finden sich auch einige spannende Kirchen, u.a. eine armenische Kirche. Die alte Synagoge ist leider nicht mehr zugänglich. Vieles mag dabei noch nicht perfekt herausgeputzt sein, oft bröckeln die Fassaden recht heftig und auch die Gassen selbst sind nicht immer im besten Zustand, aber für mich liegt gerade darin der Charme einer solchen Stadt. Ein absolutes Highlight sind natürlich die gut erhaltenen Ruinen einer alten römischen Badeanlage aus dem 3. Jahrhundert.

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Viele kleine Gassen bestimmen das Stadtbild, man braucht etwas, bis man sich orientieren kann

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Die römischen Thermen (hier die große Thermenanlage, es gibt noch eine zweite, kleine) kann gegen wenige Leva besichtigt werden

Wer noch weiter in der Vergangenheit zurückreisen will, dem kann ich den Steinwald 15 Kilometer westlich der Stadt empfehlen. Hier ragen bis zu sieben Meter hohe Steinformationen in den Himmel, die vor 50 Millionen Jahren entstanden sind. Der Ort ist beeindruckend!

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Der Steinwald lohnt sich für einen kurzen Ausflug aus Varna heraus

Aber es gibt auch jüngere Geschichte zu besichtigen. In Bulgarien finden sich noch etliche Relikte des Sozialismus, was mich als großen Osteuropafreund begeistert. Mein Highlight war das monumentale „Denkmal der bulgarisch-sowjetischen Freundschaft„, das in seinem Beton-Brutalismus völlig aus der Zeit gefallen scheint, aber einen herrlichen Blick über die Meeresbucht um Varna bietet.

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Sozialistische Relikte bestimmen zwar nicht das Stadtbild, aber man findet sie noch, so wie hier das monumentale Denkmal der bulgarisch-sowjetischen Freundschaft

Und natürlich lässt es sich in Bulgarien wunderbar essen und trinken! Überrascht hat mich bulgarischer Wein, aber auch Bierfreunde – vor allem Craft-Beer-Fans – kommen auf ihre Kosten. Mein Tipp für ein gutes Restaurant mit bulgarischer Küche ist das „Stari Chinar“ – es gibt das Lokal gleich dreimal in der Stadt, aber besonders gemütlich sitzt man in den engen Altstadtgassen, dort wo die endlose ulitsa Preslav langsam ausläuft.

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Wer nicht essen gehen will, kann auch einem der vielen Märkte besuchen und eine Kleinigkeit mit zum Strand nehmen

Wer also Osteuropa mag und einen Ort ohne viel westlichen Tourismus erleben möchte, der ist in Varna richtig. Für ein verlängertes Wochenende bietet die Stadt viel Abwechslung und für einen verlängerten Strandurlaub, der nicht am Goldstrand endet, habe ich im nächsten Beitrag einen Tipp – mehr könnt ihr hier lesen.

Kawarna: Jenseits des Goldstrands

Der bulgarische Goldstrand am Schwarzen Meer hat sich mittlerweile den Ruf eines zweiten Ballermanns erarbeitet. Daher wollte ich auf meinem Roadtrip durch Bulgarien diesen Teil der Schwarzmeerküste meiden und suchte von Varna kommend einen etwas ruhigeren Strandabschnitt – und fand ihn in Kawarna.

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Abends wird es ruhig am Strand von Kawarna, der in einer kleinen Bucht liegt

Etwa 10.000 Menschen leben in der Kleinstadt 60 Kilometer nördlich von Varna. Man befindet sich hier also schon fast an der rumänischen Grenze. Der Ort ist keineswegs ein absoluter Geheimtipp, aber man trifft eigentlich keine westlichen Touristen, sondern ausschließlich Einheimische – also genau das, was ich gesucht hatte!

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Am Tag ist es belebter, von westlichen Touristen bleibt man jedoch verschont

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Es empfiehlt sich, eine Liege zu mieten

Kawarna mag keinen riesigen Strand bieten, aber der gut einen Kilometer lange Abschnitt enthält alles, was man für einen kurzen Urlaub braucht: Sand, eine ruhige Bucht, ein oder zwei kleine Bars für eine Erfrischung – und alles ist fußläufig.

Schön ist der Blick auf die Bucht und auf einige im Hafen liegende Fischerboote, die tatsächlich noch genutzt werden. Vom geschützten (und bewachten) Schwimmerbereich zu sehen, wie hundert Meter weiter ein kleiner Kutter einläuft, ist schon besonders!

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Eine große Strandbar bietet alles, um den Tag bei Sonnenschein am Meer zu genießen und sich zwischendurch zu erfrischen

Der Sand ist fein, das Wasser warm und klar, wechselt im tieferen Bereich zu einer leichten Opalfarbe. Und die Atmosphäre hier gibt sich entspannt: Keine Junggesellenabschiede, sondern bulgarische Familien. Und Bulgaren sind – das habe ich auf der gesamten Reise erlebt – unfassbar freundlich und rücksichtsvoll, hier kommt man sich nicht in die Quere, auch wenn die Sonnenliegen durchaus eng stehen. Der größere und schönere Teil des Strandes ist übrigens für Liegen reserviert und es lohnt sich, für 15 Leva (7,5 Euro) zwei Liegen unter einem Bast-Sonnenschirm zu mieten.

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Die Muschelfarm von Dalboka ist ein Muss!

Man kann am Strand von Kawarna in einer handvoll Restaurants mit direktem Meerblick essen, die bulgarische Küche ist gut, es gibt frischen Fisch und frische Muscheln und arm wird man in Bulgarien dabei auch nicht. Stichwort Muscheln: Unweit von Kawarna befindet sich die international renommierte Muschelfarm „Dalboka“ mit angeschlossenem Restaurant. Auch hier sitzt man malerisch am Meer und bekommt Muscheln aus hauseigener Züchtung. Obwohl nur ca. 5 Kilometer von Kawarna entfernt, empfiehlt sich die Anreise mit dem Auto, denn die Steilküste ist nicht gut begehbar. Mit dem Auto sollte man jedoch weit oberhalb der Muschelfarm parken, der Weg hinunter ist steil, die Straße schlecht und einspurig – wir sahen mehrere gut motorisierte SUVs scheitern…

Muschelfarm Dalboka Strand am Schwarzen Meer Reisetipp Bulgarien Küste Varna Kawarna nicht am Goldstrand
Im Restaurant der Muschelfarm sitzt man direkt am Meer

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Der Blick ist ein Traum – aber Achtung, wer die Muschelfarm besucht, muss diese Steilküste hinunter und später wieder hinauf!

Ihr seht, mir hat Kawarna gefallen, aber ich will auch die Nachteile der Stadt nicht verschweigen, denn die muss man kennen, um zu wissen, worauf man sich einlässt: Es gibt keine Direktverbindung zum Flughafen von Varna und auch der ÖPNV ist eher unterentwickelt, es empfiehlt sich also ein Mietwagen. Dazu ist der Strand von Menschenhand gemacht, was der Erholung aber keinen Abbruch tut. Und zu guter Letzt ist die Stadt selbst – nun ja – stark osteuropäisch und besteht fast ausschließlich aus sozialistischen Plattenbauten. Man bemüht sich zwar, mit großflächigen Rock-Graffitis, die den Künstlern des jährlichen Rock-Festivals gewidmet sind, das Stadtbild aufzuhellen, das sorgt jedoch eher für einen absurden Charme.

Rockfestival Kawarna Grafittis
Das Zentrum von Kawarna präsentiert sich sozialistisch, da hilft die coole Rock-Streetart nur begrenzt

Kawarna ist also ein schönes Ziel für einige Tage Strandurlaub, wenn man hinterher weiterziehen möchte. Drei, vier Tage, die kann man hier gut aushalten, vor allem im sehr stabilen bulgarischen Sommer.

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Wer sich auf etwas Reise-Exotik einlässt, der ist in Kawarna auf jeden Fall richtig!

Rijeka: Zwischen Hafenstadt & Adriaperle

Bis auf einen Taubenanschlag von oben hat mich das kroatische Rijeka nicht nur vollauf überzeugt, sondern sogar begeistert! Ja, tatsächlich, Rijeka, die Stadt im Norden Kroatiens, die je nach Zählung den zweit- oder drittgrößten urbanen Raum des Landes bildet. Mit seinem wilden Charme zwischen Hafenflair und Adriaschönheit kann ich euch dieses Reiseziel nur empfehlen. Hier meine Eindrücke und Tipps:

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Noble Yachten vor einer prächtigen Hafenpromenade: Rijeka ist eine Reise Wert!

 

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Eine Stadt am Hafen – da liegt immer ein besonderes Flair in der Luft

Zugegeben, ich hatte Rijeka auch nicht unbedingt auf meiner Reiseliste. Aber auf der Suche nach einem sinnvollen Oster-Reiseziel fiel der Blick nach Kroatien. Split und Dubrovnik liegen da natürlich nahe, ich wollte jedoch etwas weniger Touristentrubel. Außerdem stand mir der Sinn nach Stadtleben und die Flüge nach Zagreb waren günstig. Und wenn man schon mal da ist: Ein Blick auf die Karte verriet die Nähe Rijekas zur Hauptstadt – etwa drei Stunden fährt der Bus durch wunderbare Berggipfel – so dass ich mich für einige Tage in der Hafenstadt entschied.

Rijeka zu Ostern ist ein Ort, den man sich bisher weniger mit anderen Touristen teilen muss. Dabei lässt die 130.000-Einwohner-Stadt den Reisenden bereits bei der Ankunft staunen: Wenn der Bus die Nordspitze der dinarischen Alpen überquert, öffnet sich der Blick auf die herrliche Kvarner Bucht, in der Rijeka liegt. Die Stadt zu Füßen, das weite Meer vor sich, dieser Anblick wirkt majestätisch!

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Meer und Berge: Hoch oben von der Burg bietet sich ein herrlicher Blick über Rijeka

Natürlich gibt es hier auch die obligatorischen sozialistischen Plattenbauten. Aber diese liegen am Stadtrand, im Zentrum präsentiert sich Rijeka dagegen fast italienisch, mit Gassen und Plätzen und dem Charme südlichen Lebensgefühls.

Kontraste: Rijekas Außenbezirke sind von grauen Betontürmen gesäumt, stören ansonsten die Schönheit der Innenstadt aber wenig

Das wundert nicht, denn Italien ist nah, Trist eine gute Autostunde entfernt. Rijeka steht zu seiner multinationalen, vielnamigen Geschichte: Fiume, St. Veit, Rijeka – italienische, österreichische, kroatische Einflüsse finden hier zusammen. Wie sehr man sich mit der Vergangenheit arrangiert hat, zeigen diese zwei Beispiele:

Sankt Veith Kathedrale Rijeka Reisetipp
Schöne kleine Plätze – wie hier an der St. Veit-Kathedrale – bietet die Innenstadt mehrere

Ich hatte während meines Besuchs das Glück mitzuerleben, wie der alte kuk-Doppeladler wieder auf dem Stadtturm errichtet wurde und wie die Menschen der Stadt in Scharen kamen, das Ereignis zu feiern. Nur wenige hundert Meter entfernt liegt dagegen Titos alte Yacht fast vergessen im Hafen, soll aber touristisch weitergenutzt werden. Doch, es wirkt, als sähen die Menschen hier die mannigfaltige Vergangenheit ihrer Stadt nicht nationalistisch-verengt, sondern als Bereicherung.

Rijeka Tito Yacht Staatsschiff Jugoslawien
Skurriles Highlight: Titos ehemals prächtige Staatsyacht liegt etwas abseits im industriellen Teil des Hafens

Natürlich, wer nach Rijeka reist, der muss auch das Wilde und Industrielle lieben. Der Hafen grenzt direkt an das Zentrum der Stadt. Mit prächtigen Luxusyachten einerseits und Ladekränen andererseits präsentiert er sich sehr vielfältig.

Hafenkräne und verlassene Hallen: Für mich liegt genau darin das gewisse Etwas dieser Stadt. Und wenn man das Hafengelände nur um wenige hundert Meter verlässt, steht man in kleinen Gassen mit netten Cafés und italienischem Lebensgefühl.

Tipps

Ein paar persönliche Tipps habe ich auf meiner Reise nach Rijeka natürlich auch gesammelt. In einer Hafenstadt – na klar – da kommt Fisch auf den Tisch! Unsere Pensionswirtin empfahl uns das „Na Kantunu“ direkt am Hafen. In diesem Familienbetrieb wird noch selbst gefischt, alles kommt frisch auf den Teller – man sollte sich deshalb nicht davon schrecken lassen, dass der Weg hierher auf den letzten einhundert Metern durch eine etwas dubiose Hafengasse führt.

Rijeka Tea Nightlife
Die Samovar-Bar: Absolut schnuckelig und ein Muss für Tee-Liebhaber

Nach dem Essen solltet ihr dann in die Weinbar „Kod Zajca“ gehen. In diesem beeindruckenden Gewölberaum dekorieren zahllose Weinflaschen die Wände, ihr bekommt eine große Auswahl lokaler Weine (ja, wirklich!) und wer mag auch leckeres kroatisches Craft Beer, dazu werden kleine Aperitivo-Platten gereicht. Wer hier im Sommer außen sitzt, kann zudem auf den beindruckenden Theaterbau blicken.

Für den nachmittäglichen Tee oder Kaffee kann ich euch die kuschelig-verspielte „Samovar-Bar“ mit Teddybären und Plüschkissen rundherum ans Herz legen. Nicht weniger süß – obgleich wirklich klein – ist das Café „Ebba´s Cuisine“ mit wunderbaren Torten im Sortiment.

Tipps für Rijeka
Im „Boonker“ sitz ihr tatsächlich in einem alten Bunker direkt am Hafen und könnt gechillt auf das Wasser blicken

Wer es chilliger sucht, dem würde ich den „Boonker“ empfehlen – die Küche mag das übliche internationale Crossover sein, aber der Blick über den Hafen und das coole Interieur sind auf jeden Fall einen Besuch Wert.

Unbedingt besuchen muss man in Rijeka auch die Markhallen. Hier findet sich echtes lokales Leben und die kribbelnde Nervosität, die solche Märkte begleitet. Und natürlich ist die Fischhalle ein absolutes Muss! Nur auf Tauben, die hier kreisen und auch – ähm – ab und zu etwas fallen lassen, solltet ihr ein Auge haben, ich spreche da aus Erfahrung.

Rijeka Reisetipps Markthallen Kroatien Urlaub Reiseblog
Die Markthallen solltet ihr unbedingt besuchen!

 

Das Nationaltheater bei Nacht

Ausflüge

Rijeka selbst hat man nach zwei Tagen ausgiebig erforscht, daher bieten sich einige Ausflüge an. Fußläufig zu erreichen ist der „Tsrat“, also die über der Stadt thronende Burg. Man sollte allerdings etwas in Form sein, denn der Weg hierhin führt über steil ansteigende Treppen. Doch er lohnt dreifach – für den Weg, für den Ausblick und für einen guten Drink!

Der Weg zur „Tsrat“ führt steile Treppen hinauf und fordert durchaus, obwohl die Strecke eigentlich nicht lang ist. Vorbei an Villen, die sich an den Hang schmiegen, sowie entlang einer Klosteranlage bietet sich immer wieder ein wunderbarer Ausblick über die Stadt. Hier zeigen sich Rijekas natürliche Kontraste besonders schön: Man blickt einerseits auf schneebedeckte Berggipfel, sieht aber andererseits die blau funkelnde Adria unter sich. Die gut erhaltene Burg selbst lässt sich im Außenbereich kostenlos erkunden. Wer genug gesehen hat, der sollte die Aussicht bei einem Drink genießen. Denn hier oben findet sich endlich einmal keine Burgschänke und kein „Draußen-nur-Kännchen“-Lokal, sondern das absolut coole „Vintage Café„. Die Aussicht und dann ein Aperol Spritz – einfach perfekt!

Neben der Burg ist das Ausflugsziel Rijekas natürlich das Seebad Opatija. Vermutlich ist es bekannter als die Stadt selbst und anders als in Rijeka befindet man sich hier merklich in einem Touristen-Hotspot. Dabei beträgt die Fahrtzeit ab Busbahnhof Rijeka nur ca. 20 Minuten (Bus No. 32, Kosten: 32 Kuna)

Schon der Weg hierher führt vorbei an herrlichen kuk-Villen, das Seebad selbst erschlägt dann mit Habsburger Prunk. Alles wurde wunderbar restauriert, an einer endlosen Promenade kann man am Meer entlang spazieren. Einen Strand gibt es hier zwar nicht, aber etliche Bänke und einige Kieselufer laden zum Verweilen ein. Natürlich ist diese Art von Ort vor allem ein Ziel für ältere Reisende, vornehmlich aus Österreich. Entsprechend hoch ist daher auch die Dichte an Ständen mit typischen Tourismusartikeln. Daher wäre mein Tipp, nicht in Opatija selbst zu wohnen, sondern die Pracht des Ortes von Rijeka aus für einen Tag anzusteuern.

Es lohnt sich also, in Opatija ausgiebig die Promenade entlang zu schlendern, am besten wählt man den Weg zurück Richtung Rijeka bis Volosko. Dieses zu Opatija gehörende Dorf besticht durch wunderschöne enge Gassen, zudem liegt es über Opatija und bietet einen beeindruckenden Blick über die Kvarner Bucht. Mein Tipp ist hier das Café Kaokakao – ein wirklich süßes Lokal und der perfekte Ausklang für den Ausflug.

Ein kleiner Tipp: Das Cafe Kaokakoa

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Der Blick über die Kvarner Bucht

Was soll ich noch sagen? Mich hat Rijeka restlos überzeugt. Natürlich, es ist eine kleine Stadt, aber vier oder fünf Tage lassen sich hier wunderbar verbringen. Das Lebensgefühl und die Mischung der Stadt nehmen einfach gefangen. Probiert es doch mal aus!

Wollt ihr noch mehr Bilder aus Rijeka sehen? Dann schaut doch auf meiner Instagram-Seite vorbei, unter #stadtwuchsrijeka seht ihr u.a. den wiedererrichteten kuk-Doppeladler!

Elburg & das Veluwemeer: Natur trifft Hansestadt

Zugegeben, Elburg hätte nie auf meiner Reiseliste gestanden, wäre ich nicht durch eine Dienstreise hierhin gekommen. Dabei bietet die alte Hansestadt am Rande des Veluwemeers eine herrliche Mischung aus Natur und Kleinstadtromantik. Aus dem Westen der Bundesrepublik ist man zudem blitzschnell hier und wer Familie hat, der kommt vollends auf seine Kosten. Hier meine Eindrücke:

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Wassersport trifft Natur

Gänse schnattern, Entenküken schwimmen umher, Schwäne brüten im Schilf: Als ich das Veluwemeer an einem Montag im Mai erreiche, beeindruckt mich zu erst einmal die Natur. Dabei gilt des seeähnliche Gewässer eigentlich als Wassersportparadies, wird gerne von Familien oder Schulklassen angesteuert. Doch in dem nur ca. 80 cm seichten Gewässer harmonieren Natur und Freizeitsport wunderbar miteinander. Überall auf dem See sieht man Windsurfer, Kajaks rudern umher, einige Jugendliche versuchen sich im Stand Up Paddling. Doch die Natur scheint sich davon noch stören zu lassen. Das mag an der Struktur dieses Sees, der nur dem Namen nach ein Meer ist, liegen: Weitestgehend ist er von Schilf bewachsen, Tiere finden Rückzugsmöglichkeiten. Aber es gibt natürlich auch einige Strandabschnitte. Und die Seebewohner haben sich mit den Menschen arrangiert, kommen frech zu den Unterkünften und schauen nach Leckereien. Aber gerade in dieser Mischung liegt der Erholungswert des Sees!

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Herrliche Sonnenuntergänge

Das Veluwemeer (hier der Kartenlink) ist dabei ein Seitenarm des Ijsselmeers. Ganz am Rand führt auch eine Schiffsfahrrinne durch den See, aber diese ist so weit von den Erholungsplätzen entfernt, dass sie nicht stört. Überhaupt: Bei oberschenkelhohem Wasser kann nicht viel passieren, eigentlich der perfekte Ort für Kinder. Zumal es einen großen Bungalowpark direkt am Meer gibt (Links s.u.).

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Einer der kleinen Strände am Veluwemeer. Die Bungalows liegen zum Teil direkt am Wasser

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Sommerfeeling am Ufer

Direkt neben dem See liegt Elburg, die zentrale Stadt am Veluwemeer. Mit dem Rad erreicht man sie in wenigen Minuten. Elburg ist eine Kleinstadt und doch wunderschön: Der Charakter der alten Hansastadt konnte erhalten werden, eine intakte Stadtbefestigung umzieht den Kern, malerische kleine Kopfsteinpflastergassen führen im Schachbrettmuster hindurch, eine Gracht durchzieht die Stadt und ein kleiner Bootshafen rundet das Bild ab. Doch, Elburg ist wirklich ein Kleinod!

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Das alte Stadttor zeugt von der Zeit der Hanse

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Typisch Niederlande: Auch Elburg wird von einer Gracht durchzogen

Natürlich, es sind nur ca. 20.000 Einwohner, die hier leben. Aber wie überall in den Niederlanden habe ich auch hier diese typische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft unserer Nachbarn erlebt. Und auch zum abendlichen Ausgehen bietet der Ort ausreichend Cafés und einige kleine Restaurants. Sicherlich, die Bürgersteige werden hier früher hochgeklappt als in größeren Städten, aber das kulinarische Angebot reicht für diese Art von Urlaub vollauf.

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Im „Aan de Gracht“ könnt ihr einkehren und auf den Wassergraben, der den Stadtkern umgibt, blicken.

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Der Hafen von Elburg

Wem der Sinn nicht nach Wassersport steht, der kann hier natürlich – wie sollte es in den Niederlanden anders sein! – ausgiebig radfahren! Die Radwege sind hervorragend ausgebaut, führen durch Felder oder über die Deiche der verschiedenen Ijsselmeer-Seitenarme, die sich hier treffen.

Manchmal muss also der Zufall helfen, um Neues zu entdecken. Ich auf jeden Fall konnte mich – obwohl beruflich hier und eigentlich eher Großstadtmensch – wunderbar erholen und kann euch eine Reise ans Veluwemeer nur empfehlen!

Hier einige Kontaktadressen:

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Malerische Gassen: Elburg präsentiert sich pitoresk

 

 

 

 

Lucca: In Puccinis Gassen

Oh bella italia! Die Zahl der italienischen Kleinstädte, an die man sein Herz verlieren kann, scheint unbegrenzt. Lucca, das ich euch heute vorstellen möchte, ist genau so eine Stadt:

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Falls Lucca in der Toskana bisher nicht auf eurer Reiseliste stand, solltet ihr das ändern!

Lucca, das ist diese typisch italienische Kleinstadt mit endlos viel Charme und dem Lebensgefühl der Toskana. Mit 90.000 Einwohnern ist die Stadt dabei überschaubar und trotz ihrer Nähe zu Pisa und Florenz fallen die großen Touristenströme hier weniger ein – zum Glück! So kann man kleine Gassen, zahllose Kirchen und weite Plätze ganz in Ruhe entdecken.

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Der berühmteste Sohn der Stadt: Puccini (im Hintergrund das heute zum Museum umgestaltete ehemalige Wohnhaus)

Berühmtester Sohn der Stadt ist sicherlich Giacomo Puccini. Aber Lucca hält sich vornehm zurück, gedenkt dem Komponisten mit einem Museum und einer Statue, aber konzentriert sich keineswegs nur auf den Musiker. Zu Recht, denn auch Puccinis Zeit liegt deutlich später als die Hochphase Luccas im Spätmittelalter.

Von dieser Zeit zeugt in der Stadt noch viel, vor allem die alte Stadtmauer, die Luccas Zentrum gänzlich umschließt. Für Euren Lucca-Besuch lohnt es sich dabei, sowohl auf der breiten Flaniermeile über die Mauer zu schlendern,als auch ins Innere hinab zu steigen: An den Eckpunkten des sternförmigen Festungsbauwerks bieten sich an vielen Stellen Einstiege. Die inneren Wege der Mauer werden dabei teilweise für Kunstinstallationen genutzt und bieten spannende Eindrücke von der Macht dieser Festungsmauer!

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Die alte Mauer umschließt Luccas Zentrum vollständig. Auf der Mauer befindet sich heute ein breiter Spazierweg, den sich Radfahrer und Fußgänger teilen. Auf ihm lässt sich das gesamte Zentrum umrunden.

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Aber auch von Innen solltet ihr die mittelalterliche Stadtmauer erkunden!

Innerhalb der mauerumschlossenen Altstadt liegt Luccas Reiz vor allem darin, durch das pulsierende Leben in den vielen Gassen zu schlendern: Zahllose Geschäfte, Cafés und Plätze laden ein, sich in das geschäftige Treiben des toskanischen Alltags zu stürzen. Dabei wirkt das Zentrum – gerade weil es so gut erhalten ist – riesig. Dennoch lässt sich alles gut fußläufig bewältigen.

Dieses Leben tobt vor allem in den Straßen rund um die Kirche San Michele in Foro und um die Piazza Anfiteatro. Letztere lässt in ihrer Form noch deutlich erkennen, dass hier einmal ein römisches Amphitheater lag, das sich im Mittelalter zu einem Platz wandelte.

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Kirchen werdet ihr in Lucca endlos viele finden

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Das alte Amphitheater wandelte sich im Mittelalter zu einem Platz, ist aber in seiner Struktur noch erkennbar

Neben den Kirchen prägen Türme das Bild der Stadt. Aus jeder Gasse scheint sich ein Blick auf einen neuen, stumpfen Torre zu öffnen. Wahrzeichen der Stadt ist dabei der Torre Giunigi, der durch seinen Baumbewuchs auf der Turmspitze aus der Menge der Türme hervorsticht.

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Weithin sichtbar ist der Torre Giunigi mit seiner baumbewachsenen Spitze

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Oben vom Turm könnt ihr die ganze Stadt überblicken, der Eintritt kostet ca. 5 Euro

Ich kann euch Lucca also nur ans Herz legen. Natürlich ist die Stadt klein, aber mindestens für einen Tagestrip lohnt sie absolut. Aus Pisa, über das ihr hier lesen könnt, benötigt ihr mit der Bahn nicht einmal dreißig Minuten. Beide Städte könnten dabei ein schöner Ausgangspunkt sein, um von hier die Toskana zu erkunden. Wer es lieber studentisch und etwas abwechslungsreicher im Nachtleben mag, dem würde ich Pisa als Standort empfehlen; wer eher tägliches Treiben genießt und malerische Gassen zu schätzen weiß, der ist in Lucca richtig! Probiert es doch mal aus!

Pisa: Mehr als ein Turm

Pisa – die Kleinstadt in der Toskana steht vor allem für eines: ihren schiefen Turm. Jeder kennt das weltberühmte Wahrzeichen. Auf Instagram finden sich millionenfach Bilder von Touristen, die den Turm perspektivisch wahlweise stützen oder stürzen. Pisa wirkt also auf den ersten Blick wie das klassische Ein-Tages-Ausflugsziel: einmal hin, Turm knipsen und wieder weg. Doch dieser Eindruck täuscht, die toskanische Stadt bietet viel mehr! Warum ihr ein paar Tage länger in Pisa bleiben solltet, das lest ihr hier:

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So kennt man Pisa: Heerscharen an Touristen posieren vor dem schiefen Turm. Aber die Stadt bietet viel mehr!

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Und wenn die Tagestouristen wieder abreisen, dann könnt ihr selbst den schiefen Turm fast für euch haben!

Natürlich, auch ich habe den schiefen Turm besucht. Wer an Feiertagen oder an Wochenenden kommt, den kann schnell der Schlag treffen: Busladungen an Touristen werden vorgefahren. Aber die gute Nachricht: Diese Tagestouristen bleiben auch in direkter Turm-Nähe. Die übrige Stadt präsentiert sich in einer Mischung aus toskanischem und studentischem Charme!

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Nicht nur die Lage am Arno macht Pisa interessant

Am besten erkundet ihr Pisa von der Piazza Garibaldi aus. Dieser kleine Platz liegt direkt gegenüber der mittleren Brücke über den Arno (der Ponte die Mezzo), die Alt- und Neustadt miteinander verbindet. Hier in der Altstadt erstreckt sich auch das typisch italienische Gewirr aus Gassen und Gässchen., durch die man wunderbar schlendern kann.

Umrundet wird dieses Gassennetz von einer völlig intakten Stadtmauer, die die Altstadt im Halbkreis umsäumt und jeweils am Arno endet. Das Dom-Ensemble mit dem schiefen Turm liegt dabei keineswegs zentral, sondern am nordwestlichen Rand der Altstadt. So kann man dem Massentourismus tatsächlich leicht ausweichen.

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Von der Piazza Garibaldi aus lässt sich die Altstadt wunderbar fußläufig erkunden

Von der Piazza Garibaldi durchzieht die Via Giosuè Carducci die Altstadt wie eine Magistrale. Hier tummeln sich die schicken und noblen Geschäfte und Boutiquen ebenso wie viele kleine Cafés. Mein Tipp für einen Kaffee ist das Caffé Settimelli: Außen könnt ihr geschützt von einem Arkadengang dem Treiben auf der Via Giosuè Carducci zuschauen, innen erwartet euch der Charme eines echten Kaffeehauses.

Wer darüber hinaus noch weiter shoppen will, der sollte den Arno überqueren. Denn auch die Neustadt lohnt. Die Via Giosuè Carducci verlängert sich über die mittlere Arnobrücke hinaus zum Corso Italia und reicht bis zum Hauptbahnhof. Auch hier findet sich viel schöne, alte Bausubstanz und ebenfalls geschäftiger Einkaufstrubel. Allerdings könnt ihr hier euren Geldbeuten schonen, denn auf dieser Seite des Flusses findet ihr eher die Geschäfte mit Preisen für Normalsterbliche.

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Das Caffé Settimelli könnt ihr nicht verfehlen: Gönnt euch ein wenig Glanz traditioneller Kaffeekultur!

Wem Einkaufen und das Verweilen beim Caffé nicht genügen, der wird in den Altstadtgassen reichlich andere gastronomische Abwechslung finden: Pisa pulsiert, zeigt sich studentisch und an lauen Abenden flanieren junge Nachtschwärmer durch die Gassen und Bars. Zentrale Anlaufpunkte des Nachtlebens sind die Piazza delle Vettovaglie und das Ufer das Arno. An ersterer tummeln sich zig Bars, fast alle mit Tischen auf dem Platz, der eher einem Innenhof gleicht. Laut und tumultig geht es hier zu – Leben pur! Am Arno treffen sich viele dagegen ganz ungezwungen, um gemeinsam auf der Ufermauer des Arno zu sitzen.

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Sonnenuntergang über dem Arno: Mit einer Flasche Wein und Freunden der perfekte Tagesausklang!

Meine Tipps für das abendliche Treiben sind diese:

  • Falls es etwas schicker werden soll, mit guter Küche, klassisch italienisch und ihr gerne einen Euro mehr für gute Qualität zahlt, denn wird euch die Hosteria da Fermento gefallen. Die Küche setzt hier auf typisch toskanische Gerichte, auch die Weinauswahl lohnt.
  • Wer beim Essen sparen möchte, für den ist die Aperitivo-Traditon in Italien genau richtig. In der Cocktailbar Mani’omio könnt ihr euch am Aperitivo-Buffet bedienen und bekommt außerdem noch wirklich gute Cocktails mit dem besonderen Pfiff.
  • Gute Drinks gibt es auch im Barrique. Das winzige Lokal ist eine Mischung aus Cocktail- und Craft Beer-Bar, dazu die nötige Portion Coolness gepaart mit herrlich antiken Elementen. Eine schöne Mischung, wenn ihr euch nicht sicher seid, ob euch der Sinn nach Cocktails, Wein oder Bier steht.
  • Ich suche immer die Bars, in denen sich die jungen einheimischen treffen. In Pisa ist das sicherlich Bruno Orzo: studentisch, jung, allabendlich gut gefüllt, eine tolle regionale Bierauswahl, eigentlich ein Pub auf italienisch! Eine absolute Empfehlung für den letzten Absacker!
  • Wer vollends in das Thema Craft Beer einsteigen möchte, dem empfehle ich den Torre del Luppolo. Diese Mischung aus Shop und Bar bietet euch ein unfassbar großes Sortiment an Bierspezialitäten aus der Region sowie aus aller Welt. Die Beratung ist ebenfalls gut: Hier sind wirkliche Craft Beer-Geeks am Werk!
  • Wem der Drink ohne Sitzplätze genügt: Die winzige Baribaldi direkt an der Piazza Garibaldi bietet alle Drinks nur außer Haus – aber der Platz bietet Raum genug für einen Drink im Stehen. Allein durch seine „Größe“ ist diese Bar sehenswert!

Bei diesen fünf Tipps müsst ihr übrigens keine weiten Wege fürchten: Pisas Altstadt bietet genau die richtige Mischung, um überschaubar und doch großzügig zu sein. Oder – etwas bildlich gesprochen: Pisa mag klein sein, seine Altstadt ist jedoch groß!

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Empfehlenswerte toskanische Küche: Die Hosteria da Fermento

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Das Barrique ist klein, bietet aber sowohl gute Cocktails als auch regionale Biere

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Im Bruno Orzo geht es jung und studentisch zu

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Take-Away-Drinks in der Baribaldi

Jetzt habt ihr also Pisa erkundet, gut gegessen und getrunken – aber wie verbringt ihr die übrigen Tage? Gar kein Problem, es gibt so viele Ausflusziele, die sich einfach ansteuern lassen! Natürlich ist Florenz nah, aber noch mehr empfehle ich Lucca, das ihr von Pisa in nicht einmal dreißig Minuten für wenige Euro mit dem Regionalzug erreicht. Über Lucca findet ihr hier einen gesonderten Bericht. Oder ihr fahrt ans Meer: Marina di Pisa liegt nur ca. zehn Kilometer von der Stadt entfernt und ist mit dem Bus vom Zentralen Busbahnhof angebunden. Die Busse fahren in der Regel stündlich und benötigen für die Fahrt zum Meer etwa 20 Minuten. Mein Tipp: Rechtzeitig hingehen, der Bus ist bei gutem Wetter gerne völlig überfüllt. First come… Und für den Rückweg darauf einstellen, dass Busfahrpläne nur ein grober Richtwert für die realen Abfahrtzeiten sind. Aber der Weg lohnt!

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Ab ans Meer: Marina di Pisa erreicht ihr schnell mit dem Bus

Marina die Pisa hat zwar keinen Sandstrand, sondern weiße Kiesel, aber der Yacht-Hafen, die Promenade und überhaupt einfach nur das Meer mit den Alpen im Hintergrund machen es zu einem lohnenden Tagesziel. Ich lasse hier einfach mal die Bilder für sich sprechen:

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Also, Pisa ist ein Reiseziel, das ich nur empfehlen kann. Natürlich sprechen wir hier über eine Kleinstadt und die gesamten Sommerferien sind sicherlich zu lang für eine Reise. Aber drei bis fünf Tage erscheinen mir die perfekte Länge für diese wirklich schöne Stadt zu sein. Und natürlich, ganz um den Dom und den schiefen Turm kommt man nicht herum – aber das sollt ihr ja auch gar nicht: Wer Pisa als Standort wählt, kann ganz außerhalb der Touristenströme zum Wahrzeichen der Stadt gehen, z.B. früh am Morgen oder einfach nachts, wenn der Turm herrlich angestrahlt ist! Es lohnt sich also, die Stadt nicht nur für einen Tag anzusteuern.

Probiert´s einmal aus! Und fragt dann doch nach einem Zimmer im Relais Sassetti: Ein Innenhof wie aus dem Märchenbuch, Zitronenbäume und hauseigene Schildkröten im Garten, eine wunderbar herzliche Gastgeberin und das alles in einer stillen Seitenstraße in der Altstadt. So liebevoll habe ich wirklich selten gewohnt! Aber seht selbst!

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Mein Tipp für die Unterkunft in Pisa: Das B&B Relais Sassetti

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