Bukarest: Vielfalt im Urban Jungle

Solltet ihr noch nie in Bukarest gewesen sein, so wird euch diese Stadt ganz positiv überraschen: Zwischen historischen Prachtbauten wie Ceaușescus Palast des Volkes und sozialistischem Gigantismus bietet die rumänische Hauptstadt überraschend viel Grün und noch mehr hippes Flair. Klickt hier für den ganzen Reisebericht mit vielen Tipps!

Ihr liebt Städtereisen, aber Bukarest steht noch nicht auf eurer bucket list? Dann solltet ihr das schnell ändern, denn Bukarest ist eine unglaubliche vielfältige und lebendige Stadt, die ich euch für einen Kurztrip sehr ans Herz legen möchte!

Bukarest Reisetipp Wochenendreise Rumänen Lipscani Europa entdecken Stadtreisen

Bukarest sah und sieht sich als Paris des Ostens, Klein Paris, Micul Paris. Prachtbauten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind allgegenwärtig und prägen noch immer ganze Straßenzüge. Die Dichte an Jugendstilbauten in dieser durch und durch lebendigen Stadt hat mich tatsächlich beeindruckt!

Ganz im Gegensatz dazu kannte ich vor meiner Reise nur das klischeetypische ABC für die 1,8-Millionen-Metropole Bukarest: Armut, Beton, Ceaușescu. Umso positiver hat mich die Stadt überrascht. Denn obleich dieses ABC stellenweise zutrifft, dominieren Lebendigkeit und ein spannender baulicher Mix aus verschiedensten Epochen.

Trotzdem will ich hier nicht verschweigen: Ceaușescus gigantische Bauten prägen Bukarest. Und ja, damit geht viel Beton einher. Und ja, Rumänien ist erkennbar das ärmste Land der EU (insbesondere wenn ich es mit dem jüngst bereisten Bulgarien und der Ukraine vergleiche). Dennoch prägen diese Aspekte das, was Bukarest positiv auszeichnet, weil sie spannende Gegengewichte zur baulichen Pracht bilden, die sich so zahlreich in Bukarest findet.

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Daher möchte ich euch Bukarest so verstell, wie man es beispielsweise für einen kurzen Citytrip berreisen könnte. Drei Tage durch ganz unterschiedliche Teile und Eindrücke der Stadt!

Tag 1: Lipscani und Jugendstil

Vor meiner Reise las ich mehrfach, Bukarest sei schlecht fußläufig zu erkunden. Aber das stimmt nicht. Alles, was ich hier für einen ersten Tag mit ersten Eindrücken schildere, lässt sich problemlos erschlendern.

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Das alte Leipziger-Viertel, Lipscani, bietet dafür den perfekten Startpunkt. Es bildet den Rest der von Ceaușescu zerstörten Altstadt und zeigt, welche schnuckeligen Gassen es hier einmal gab. In Lipscani gibt es sie noch. Obwohl in diesem Viertel heute vor allem gastronomische Touristenfallen zu finden sind, hat sich Lipscani doch auch wunderschöne Baudenkmäler erhalten, z.B. die winzige Stavropoleos-Kirche mit ihrem oasenhaften Innenhof. Parallel dazu stößt man hier ganz fußläufig auf opulente Prachtbauten wie die Nationalbank oder das kuppelbedachte Gebäude der CBC-Bank. Ein Tipp für Bücherfans ist die sagenhafte Buchhandlung Cărturești Carusel mit riesigen Balustraden und eleganten weißen Säulen im Inneren!

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Ich selbst bin von Lipscani, das leicht erhöht liegt, hinunter zum Fluss. Denn auch den gibt es, obgleich klein. Wer ihm ein wenig nach Norden folgt und dann wieder rechter Hand in die Straßen einbiegt, der gelangt fast unweigerlich zu weiteren wunderschönen Bauten wie dem Militärclub. Hier befindet man sich bereits an der Calea Victoriei, der alten Prachtmeile Bukarests, und kann ganz gemütlich zum Athenäum schlendern, vorbei am Denkmal der Wiedergeburt und dem alten Königspalast. Dabei stößt man immer wieder auf absurd versteckt liegende kleine Kirchen, die sich in Bukarest unzählig finden. Das prachtvolle Athenäum, ein Theater, empfehle ich unbedingt für eine Besichtigung.

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Spätestens an der Piata Romana, einem der zahllosen großen Kreisel Bukarests, sollte man dann aber den östlich der Calea Victoriei gelegene sozialistischen Riesen-Boulevard überqueren, denn jenseits dieser ganz furchtbar verstopften Giga-Straße befindet sich das alte arminische Viertel (Cartierul Armenesc), das ein gänzlich anderes Stadtbild bietet: Hier und in den umliegenden Straßen finden sich viele alte Villen der Jahrhundertwende 1900, die heute einen leicht dekadenten Charme mit viel Patina versprühen. Touristen trifft man hier wenige, dafür tummeln sich in Innenhöfen und wunderschönen Gärten, für die sich das Wort Biergarten eigentlich verbietet, die hippen Bukarester und viele ortsansässige Internationals. Hier sollte man auf jeden Fall in einem Lokal einkehren und das pralle Leben aufsaugen (Tipps folgen unten).

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Wer nun zurück nach Lipscani möchte, könnte über den Universitätsplatz gehen. Aber auch die U-Bahn ist nah (Infos zu Bus und Bahn folgen ebenfalls unten)

Tag 2: Eintauchen in die Vergangenheit

Kein Gebäude steht bildlicher für Bukarest als der gigantische Palast des Volkes, der heutige Sitz des Parlaments. Seine Größe überschreitet das Vorstellungsvermögen. Ich habe ihn mir auch deshalb für den zweiten Tag aufgespart, weil ich zuerst einen anderen, echteren Eindruck von Bukarest gewinnen wollte. Denn für Ceaușescus Palast mussten große Teile der Altstadt und der dort lebenden Menschen weichen. Umzingelt wird der Palast von großen Querachsen, die die alte Stadtstruktur vollends aufsprengen.

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Der Palast des Volkes kann nur mit einer Führung besucht werden, aber die 40,- Lei (8,- Euro) sind gut investiert. Ich empfehle, früh zu kommen, weil Online-Buchungen Stand 2022 nicht möglich sind. Ich selbst hatte auf die 11-Uhr-Führung gehofft, die aber dreißig Minuten vorher natürlich ausgebucht war. Für 12:00 Uhr gab es aber Tickets und die 90 Minuten Wartezeit ließen sich gut mit einem Spaziergang um den Palast verbringen. Ich empfehle diesen Spaziergang auch deshalb, weil sich hinter dem Palast die hübsche, kleine St. Johannes-Kirche befindet, die vor Ceaușescus Wahnsinn gerettet wurde. Direkt neben ihr entsteht aktuell eine neue Kathedrale der rumänischen Orthodoxie – erneut jede Dimension sprengend! Somit ist die Zeit bis zur Palastführung gut verbracht, denn Cafés etc. sucht man in der durch und durch technokratischen Welt rund um den Palast vergeblich.

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Der Palast selbst lohnt aber alles Warten! Die schiere Größe erschlägt den Betrachter, alles hier ist auf Prunk und Protz ausgerichtet. Ich erspare mir die Zahlen, die man mit wenighen Klicks online findet und die auflisten, wie viel Marmor verbaut und wie viele Menschen für den Bau umgesiedelt wurden. Beeindruckt hat mich aber aber tatsächlich, dass alle Baustoffe des Palastes zu (fast) 100% aus Rumänen selbst stammen – wobei natürlich immer zu bedenken bleibt, dass in der sozialistischen Bauphase dafür das gesamte Land in Armut gestürzt wurde. Obwohl nur 3% des Gebäudes, das heute Parlamentspalast heißt, zu besichtigen sind, dauert die Führung ca 90 Minuten und führt durch über einen Kilometer Palastflure. Am Ende wartet als Highlight der große Balkon, den Ceaușescus nie betreten hat und von dem stattdessen angeblich Michael Jackson die falsche Stadt grüßte („Hello, Budapest!“). Durch die aktive Nutzung des Gebäudes ist der Palast übrigens nur über einen Seiteneingang mit Sicherheitskontrolle erreichbar. Dieser Eingang befindet sich vor dem Palast stehend im rechten, nördlichen Seitenfügel. Informationen zu Führungen findet ihr hier.

Ich selbst benötigte nach dem erschlagenden Prunk des Bukarester Parlamentspalast etwas Ruhe und so hatte ich mir bereit zuvor eine kleine Oase außerhalb der touristischen Hotspots ausgesucht: den Friedhof Cimitirul Șerban Vodă. Obgleich nicht wirklich nah am Palast gedlegen, lässt er sich gut erreichen, wenn man den Bulevardul Unirii einige Minuten zurück Richtung Zentrum geht und am Piata Unirii die Straßenbahnlinie 7 nimmt. Trams sind für mich stets ein Highlight, weil sie das echte Leben an den Fenstern vorbeigleiten lassen.

Bukarest Reisetipp Wochenendreise Rumänen Friedhöfe Europa entdecken Stadtreisen
Bukarest Reisetipp Wochenendreise Rumänen Friedhöfe Europa entdecken Stadtreisen

Der Friedhof selbst, die älteste und renommierteste Grabesstätte in Bukarest, begeistern mit prachtvollen Grabmonnumenten, häufig ins 19. Jahrhundert zurückdatiernd. Dennoch bietet der Ort Stille und zeigt eine vergangene Bukarester Welt. Wer Rang und Namen hat, lässt sich noch heute hier beerdigen.

Tag 3: Klein Paris, grüne Lunge und Eintauchen in den Alltag

Für den dritten Tag hatte ich mir den Triumphbogen und das beeindruckende Pressehaus vorgenommen. Für beide muss man den endlosen Boulevards doch recht weit folgen, hier ist Bukarest dann tatsächlich einmal nicht fußläufig, aber eine Mischung aus U-Bahn und E-Scooter löst das Problem (die gängigen Taxi-Apps vermittel in der Regel auch Scooter, die wirklich überall stehen und auf breiten Fuß-/Radwegen auch gefahrlos zu fahrfen sind). Der Triumphbogen verdeutlicht, woher Bukarests Ruf als „klein Paris“ stammt.

Bukarest Reisetipp Wochenendreise Rumänen Triumphbogen Europa entdecken Stadtreisen

Neben dem Triumphbogen befindet sich der große Herăstrău-Park, der beweist, dass Bukarest alles andere als eine graue Metropole ist. Leider hatte während meines Besuchs zu Ostern der Fährbetrieb auf dem großen See im Park noch nicht begonnen, die Boote wurden gerade für den Sommer herausgeputzt, aber ich stelle mir den Erholungswert immens vor (die Fähren starten etwa am Hard Rock Café). Aber Erholung lässt sich ja auch immer bei einem Drink finden finden und nette Bars am Ufer gibt es etliche!

Ich selbst habe nach dem See erneut mit einem E-Scooter einen Abstecher zur verrückt versteckten Craft-Beer-Bar und Brauerei Ground Zero unternommen, die schwer zu finden zwischen Garagen und Werkstätten etwa 1,5 Kilometer östlich vom Herăstrău-Park entfernt liegt und genau den Industriecharme gepaart mit hippem Bier bietet, den ich gerne mag.

Bukarest Reisetipp Wochenendreise Rumänen Obor Markt Europa entdecken Stadtreisen

Wer noch ein wenig tiefer in das echte Bukarester Leben eintauchen will, dem empfehle ich erneut eine Fahrt mit der Tram (die Haltestelle befindet sich unweit der Brauerei) quer durch den östlichen Teil der Stadt hin zum riesigen Obor-Markt, auf dem es schlicht alles gibt: Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Haushaltswaren, Wein, unvermeidbar naturlich die regionale Spezialität Mici und viele, viele Dinge, von denen man bis dahin gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Nichts steht für mich so sehr für Osteuropa wie das lebendige Markttreiben auf genau solchen Freiluftmärkten – von denen sich allerdings ein großer Teil auch in dazugehörigen Hallen befindet. Und natürlich kann man hier ganz wunderbar einfach und geerdet essen und trinken – man sollte nur nicht zu empfindlich hinsichtlich Gerüchen und Eindrücken sein. Aber damit bin ich ja eigentlich schon beim nächsten, wichtigsten Thema jeder Reise:

Essen und Trinken

Natürlich rate ich, so wie immer, nicht in der Altstadt, also nicht in Lipscani zu essen. Ausnahmen bilden vielleicht die beiden Traditionshäuser mit reichlich lokaler Küche Hanu‘ lui Manuc und Caru cu Bere. Ersteres findet sich im Gebäude einer alten Karawanserei aus osmanischen Zeiten, zweites präsentiert sich vor allem im Inneren als extrem fotogenes Brauhaus mit viel edler Holzvertäfelung. Kaffefreunden wird außerdem das hippe The Urbanist gefallen, eine Mischung aus Café, Atelier und Bar.

Mein wirklicher Tipp für den abendlichen Drink oder etwas zu essen sind jedoch das alte Armenierviertel und die nördlich davon gelegenen Straßen. Hier wimmelt es vor allem in der warmen Jahreszeit von kleinen Innen- und Hinterhöfen, die zu wunderbar pitoresken Biergärten umgestaltet wurden. Ich empfehle die zusammengehörigen Gartenlokale Gradina Eden und der prachvolle Sera Eden sowie das Kulturlokal Lente Dionisie Lupu. Hier lassen sich unfassbar schöne (Früh-)Sommernächte genießen! Ihr sitzt zwischen alten Jugenstilvillen, die noch nicht völlig perfektioniert durchrenoviert sind, und genießt das warme Bukarester Treiben.

Für Craft-Beer-Fans gibt es in dieser Gegend übrigens auch etwas, nämlich das Taphouse der Hop Hooligans – nicht nur für das Bier ist die Location ein Muss, auch Gebäude und Vorhof versprühen ganz viel Charme!

Aber auch eine ganz andere Seite der Stadt bietet spannende Locations. So findet ihr südlich das Piața Unirii z.B. den coolen und alternativen Fabrica Club, der bei gutem Wetter ebenfalls eine spannenden, industrillen Außenbereich bietet. Rund herum gibt es ein paar weitere angeseagte Locations. Ich selbst habe den Weg zum Club für einen kleinen Abstecher über den Patriarchenhügel genutzt, dessen Kathedrale bei Nacht wunderbar beleuchtet wird.

Wer übrigerns nur einen Snack auf die Hand sucht: Wie überall in Osteuropa gilt auch in Bukarest, dass es gefüllte Teigtaschen auf die Hand gefühlt überall gibt.

Geld

In Rumänien bezahlt man mit dem Lei, genauer gesagt mit dem neuen Lei (RON), der aktuell etwa im Wert 5:1 zum Euro liegt. Kartenzahlung ist fast überall möglich. Ein wenig Kleingeld in der Tasche, z. B. 1-Lei-Scheine (Münzen sind faktisch bedeutungslos) empfehle ich, denn gebettelt wird wirklich viel. Unsicher habe ich mich dadurch nie gefühlt, hatte aber immer wieder das Bedürfnis, doch eine Kleinigkeit zu geben.

Anreise, Verkehr und ÖPNV

Bukarests zentraler Flughafen Otopeni ist heute gut von vielen deutschen Städten erreichbar. Nicht unterschätzen sollte man seine Größe und die dadurch entstehenden langen Wege im Terminal, vor allem bei der Abreise.

Direkt vor dem Flughafen fährt der Bus 783 ins Zentrum. Er gilt als Schnellbus, benötigt aber doch fast 50 Minuten. Ein Taxi ist da schneller und wenn über eine App bestellt auch sicher und nicht sehr teuer (ca. 12 Euro).

Aber egal ob Bus oder Taxi: Schon bei der Ankunft werdet Ihr erste Erfahrungen mit dem Bukarester Verkehr machen. Stau ist eigentlich immer, selbst achtspurige Straßen fangen die Massen an Autos nicht auf. Und trotz der vielen Kreisverkehre in der Stadt werden diese nicht wirklich in französischer Ordnung genutzt, sondern stets kreuz und quer und irgendwie. Und gehupt wird ohnehin andauernd.

Wirklich frei von diesem Chaos verkehrt in Bukarest eigentlich nur die U-Bahn. Sie besteht aus drei Linien, Tickets gibt es immer mindestens im Zweierset immer an einem Schalter kurz vor dem unterirdischen Drehkreuz. Eine Fahrt kostet 3 Lei.

Die Tickets der U-Bahn lassen sich leider nicht mit denen von Bus und Tram kombinieren. Also Achtung, mit einem U-Bahn-Ticket fährt man im Bus schwarz. Überhaupt hat sich mir das Verkaufssystem für Bustickets nicht erschlossen: Nur einige wenige Haltestelle besitzen Ticketschalter – und diese sind dann oft geschlossen. Ich empfehle also die Tram, also die Straßenbahn. Die Preise und das Zweiersystem gleichen der U-Bahn, aber auch hier ohne Kombinierbarkeit. Aber eine Tramfahrt mit den noch recht sozialistisch anmutenden Straßenbahnen ist ein Highlight, bei dem man zwar gut durchgeruckelt wird, aber die Stadt ganz anders erlebt! Straßenbahntickets bekommt ebenfalls direkt an den Haltestellen.

Fazit

Bukarest hat mich unglaublich positiv überrascht! Es ist eine junge Stadt mit ganz vielen spannenden Cafés und Bars und dazu mit einer unglaublich reichen Baukultur. Wer bereit ist, das touristische Lipscani-Viertel zu verlassen und auch abseitig auf Entdeckungstour zu gehen, der kann hier drei bis fünf ganz wunderbare Tage verbringen. Und natürlich solltet ihr ein wenig den abblätternden Charme des Ostens mögen. Dann wird euch Bukarest gefallen – es ist ein kleiner Geheimtipp!

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Sarajevo: Schmelztiegel der Kulturen

Ihr mögt Stadtreisen, aber sucht nach einem weniger touristischen Ort in Europa? Dann könnte Sarajevo genau richtig für euch sein! Die bosnische Hauptstadt eigent sich mit ihrem kulturellen Mix perfekt für ein verlängertes Wochenende!

Täglich um drei Uhr grüßt der Muezzin und Gebetsrufe erklingen von den zahllosen Minaretten, die Sarajevos Altstadt zieren. Die bosnische Hauptstadt liegt sicherlich nicht auf jeder Reiseroute, bietet aber einen spannenden kulturellen Mix, den ich euch für einen Kurztripp absolut empfehlen kann!

Auf meine Reise nach Sarajevo hatte ich mich auch deshalb gefreut, weil ich diesen Schmelztiegel der Kulturen schon lange einmal sehen wollte – und ich wurde nicht enttäuscht: Zwischen osmanischem Erbe, Erinnerungen an Habsburg und jugoslawischer Vergangenheit zeigt sich Sarajevo historisch vielfältig und eignet sich perfekt für eine kurze Reise über ein verlängertes Wochenende.

Touristische Highlights

Sarajevos zentrale Sehenswürdigkeit ist sicherlich die osmanisch geprägte Altstadt Baščaršija mit ihren kleinen Gassen, niedrigen Häusern, viel Markttreiben, zahllosen Moscheen und noch zahlloseren Kaffeehäuser. Der namensgebende Basar ist prägend für die Altstadt, überall wird verkauft und obwohl vieles eher in die Kategorie touristischer Nippes fällt, gibt es eben doch auch die Gassen mit altem Kupferhandwerk, allen voran die Kazandžiluk. Hier kann man sich einfach treiben lassen, die zentralen Baudenkmäler wie der Uhrenturm, der Sebilj-Brunnen oder die Husrev-Beg-Moschee sind nicht zu verfehlen. Kaffee nach traditioneller bosnischer Art, der türkischem Kaffee sehr ähnelt, wird überall aus den lokalen Kupferkännchen angeboten und ist ein absolutes Muss. Perfekt passt ein wenig Baklava dazu, das ebenfalls überall verführerisch aus den Schaufenstern grüßt.

Innerhalb eines Nachmittags hat man die Altstadt gut erkundet und kann sich am zweiten Tag beispielsweise zu einer der alten Stadtfestungen aufmachen, die trotz steiler Anstiege gut in ein bis anderthalb Stunden zu erlaufen sind. Sowohl die Gelbe Bastion als auch die Weiße Bastion, beide als Ruinen erhalten, bieten einen spannenden Blick in das Tal, in das sich Sarajevo bettet. Letztere kostet einen kleinen Eintritt (4,- bosnische Mark), aber die Aussicht lohnt es. Auf dem Weg hinauf zu den Festungen passiert man außerdem den Kovači-Friedhof, der einen Eindruck von den Schrecken des Bosnienkrieges bietet. Überhaupt ist dieser Krieg noch sehr präsent in der Stadt, ähnliche Friedhöfe mit den markanten weißen Stelen gibt es etliche.

Wer lieber im Zentrum bleibt, der kommt an einem anderen Krieg nicht vorbei: Die eher unscheinbare Lateinerbrücke erinnert an das Attentat von 1914. Eine kleine Gedenktafel verweist auf den Attentäter, Gavrilo Princip, und ein winziges Museum bestehend aus nur einem Raum beleuchtet die Ereignisse, die zum Ersten Weltkrieg führten.

Hier ab der Lateinerbrücke kann man der Sarajevo durchfließenden Miljacka folgen und erreicht das habsburgisch geprägte erweiterte Zentrum. Beeindruckend ist das opulente Rathaus, aber auch die Universität und andere Prachtbauten erinnern an das 19. Jahrhundert. Und natürlich stößt man immer wieder auf Kirchen und Klöster, die es zwar an Zahl und Pracht nicht ganz mit den Moscheen der Stadt aufnehmen können, die aber dennoch vom vielfältigen Erbe Sarajevos zeugen.

Parallel zur Miljacka verläuft mit der Ferhadija die zentrale Achse der Stadt, an der sich auch die alte Markthalle befindet. Märkte lohnen sich aus meiner Sicht immer, in diesem Fall handelt es sich aber um eine gut renovierte Halle, deren urwuchsiger Charme etwas verloten gegangen ist. Uriger und bodenständiger wird es dagegen auf der anderen Seite der Ferhadija auf dem Gemüsemarkt. Aber auch hier finden sich Erinnerungen an den Bosnienkrieg, wie die überall dort in den Boden eingelassene Rose von Sarajevo, wo einst Granaten einschlugen und Zivilisten töteten – so auch auf dem Gemüsemarkt.

Unweit des Marktes liegt auch die Ewige Flamme, ein Kriegsdenkmal, das sich tagsüber als Fotospot etabliert hat und an kalten Abenden ganz pragmatisch einige Obdachlose wärmt.

Hoch in die Berge!

Sarajevo liegt in einem echten Wintersportgebiet, nicht umsonst wurden hier die olympischen Winterspiele 1984 ausgetragen. Nach dem Bosnienkrieg fielen die Sportstätten in einen Dornröschenschlaf, aber sowohl die Skisprungschanzen als auch die olympische Bob-Bahn lassen sich besichtigen. Letztere ist per Seilbahn bequem zu erreichen, die Gondeln hinauf zum Hausberg Trebević sind brandneu und starten gute 10 Fußminuten außerhalb der Altstadt auf der anderen Flussseite. Die 20,- bosnische Mark (10€) teure Fahrt ist ihr Geld absolut wert und von der Endstation auf dem Berg erreicht man die gut ausgeschilderte Bob-Bahn nach einem kleinen Spaziergang in schönster Natur. Die Bob-Strecke selbst ist etwas für Fans von lost places, die Ruinen bieten viele spannende Fotoperspektiven.

Essen und Trinken

Klar, Bosnien ohne Čevabdčiči, das geht nicht! Man bekommt die Fleischrollen auch tatsächlich an jeder Ecke, häufig in einer eigenen Art Bistro, der Čevabdžiniča. Mich hat es in die Ćevabdžinica Željo gezogen, die zu den ältesten zählen soll und drei Filialen in der Altstadt betreibt: Schlichtes Design und wahlweise fünf, zehn oder fünfzehn Čevabčiči mit reichlich Zwiebeln im Fladenbrot. Mehr braucht es eigentlich auch nicht zum kleinen Glück.

Aber die bosnische Küche bietet natürlich mehr! Mein Tipp für eine schöne lokale Speisekarte ist das Inat Kuča dem Rathaus gegenüber auf der anderen Seite des Flusses. Schon das alte Gebäude lohnt, der Blick auf das prachtvolle Rathaus noch viel mehr und die Küche ohnehin.

Wer einfach nur zwischendurch einen Snack oder eine Erfrischung sucht, der kann sich bei den reichlich vorhandenen Kiosken mit diversen gefüllten Backwaren bedienen. Gegen den Durst empfehle ich den frisch gepressten Granatapfelsaft, der an fast jeder Ecke angeboten wird!

Für mich darf nach dem Essen ein Absacker in einer coolen Bar nicht fehlen, wenn möglich abseits der Touristenströme. Hier hat mich Sarajevo allerdings ein wenig enttäuscht, es mag aber auch der Pandemie geschuldet sein. Die Dichte an kreativen Konzepten blieb auf jeden Fall überschaubar. Für Kneipenfans auf der Suche nach Retro-Look und viel Patina sind aber das Caffè von Habsburg und das Zlatna Ribica kleine Schatzkisten. Vor allem ersteres schien mir ein Treffpunkt vieler Studenten zu sein.

Und – ihr kennt mich – keine Reise ohne Craft Beer! Auch hier zählt Sarajevo sicherlich nicht zu den Hotspots Europas, aber einige kleine Brauereien gibt es, beispielsweise die ’84 Olympics Craft Brewery. Ihre und einige andere lokale Biere bekommt man z.B. im Board Room, der, obgleich in der Altstadt, doch etwas versteckt liegt und aus meiner Sicht die beste auswahl lokaler Biere gepaart mit ungezwungener Atmosphäre bietet. Für Fans traditioneller Bierstile ist das Brauhaus der Sarajevska Pivara sicherlich ein Tipp: Direkt neben die örtlichen Großbrauerei gelegen betritt man im Inneren ein unglaublich schönes, hölzernes Brauhaus mit ganz viel Flair. Es liegt außerdem recht praktisch auf dem Weg zur Trebević-Seilbahn.

Anreise, Geld, Telefon

Sarajevo ist über seinen kleinen internationalen Flughafen von vielen deutschen Städten einfach zu erreichen. Am Flughafen angekommen wird es dann allerdings komplizierter. Einen Linienbus in die Stadt gibt es angeblich, aber er verkehrt deutlich vom Airport entfernt und ich konnte im Vorfeld trotz intensiver Bemühungen keine Haltestelle finden. Ich empfehle daher eines der vielen Taxen vor dem Flughafen, für ca. 12-15 € gelangt man so in gut 20 Minuten in die City. Die Taxen bieten vor der Fahrt Festpreise statt Taxometer; das mag etwas teurer sein, aber dafür erlebt man keine unliebsamen Überraschungen. Was mich verwundert hat: Keine der gängigen Taxi-Apps (Uber etc.) bieten ihre Dienste in Sarajevo an.

Geld sollte man zuvor direkt am Flughafen ziehen oder tauschen. In Sarajevo ist häufig noch Barzahlung angesagt. Für Nostalgiker: In Bosnien zahlt man mit Mark – und das zum alten DM-Euro-Wechselkurs. Eine KM (Konvertible Mark) entspricht also etwa 50 Eurocent.

Da Bosnien außerhalb der EU liegt, kann Datenroaming je nach Anbieter teuer werden. Wer ein Handy mit Dual-Sim besitzt: Für 5 Mark (2,50€) bekommt man z.B. in Postfilialen oder lokalen Handyläden der bosnischen Telekom eine bosnische Handynummer mit gefühlt endlosen Datenvolumen.

Wohnen

Hotels, Pensionen, B&B oder AirBnB – mit wenigen Klicks findet man auf den gängigen Seiten zahlreiche Angebote. Ich empfehle zentrumsnah zu wohnen und habe mich im altehrwürdigen Hotel Central sehr wohl gefühlt.

Reisezeit und Reisedauer

Wie überall wird sicherlich auch Sarajevos Schönheit im Sommer am besten zur Geltung kommen. Dennoch habe ich die bosnische Hauptstadt über ein langes Karnevalswochende Ende Februar/ Anfang März besucht und die in dieser Zeit touristenarmen Gassen und schneebedeckten Berge sehr genossen.

Da Sarajevo nur knapp 300.000 Einwohner zählt und der Stadtkern problemlos fußläufig zu erkunden ist, genügt ein verlängertes Wochenende vollauf und bietet auch noch Zeit für einen Ausflug mit der Seilbahn auf den Trebević (s.o.). Denn das sei bei aller Faszination nicht verschwiegen: Wer das Zentrum Sarajevos verlässt, stößt schnell auf unrenoviert Tristesse.

Fazit

Für einen Kurztripp eigent sich Sarajevo perfekt und wer Osteuropa, den Balkan und etwas rauen, unrenovierten Charme zu schätzen weiß, der wird die Stadt lieben und ihren multikulturellen und historisch vielfältigen Charakter zu schätzen wissen.

Lemberg (Lviv): Zwischen Tradition und Aufbruch

Lemberg sagt euch nichts? Dann habt ihr etwas verpasst! Denn hinter dem alten österreichischen Namen verbirgt sich das wunderbare Lviv in der Westukraine – und das ist wirklich eine kleine Schatzkiste!

Lemberg – oder korrekter: Lviv – im Westen der Ukraine steht vielleicht (noch) nicht auf eurer Reiseliste. Zu Unrecht, denn die 700.000-Einwohner-Stadt überrascht mit einer liebenswerten Mischung aus kuk-Charme und ostalgischer Aufbruchstimmung.

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Das kuk-Erbe, also die kaiserlich-königliche österreichische Vergangenheit, als Lemberg Teil des Vielvölkerimperiums war, erfasst den Besucher sofort. Die Stadt wirkt burlesk, oft barock, im Zentrum wechseln sich Wiener Kaffeehäuser mit Jugendstilbauten und katholisch anmutenden Kirchen ab.

Lemberg nimmt den Besucher mit in eine vergessene, multikulturelle Vielfalt: Da sind die Kirchen, die an jeder Straßenecke warten und oft nicht das sind, was man erwartet: Ein barockes Gotteshaus scheint katholisch, gibt sich im Inneren jedoch als orthodox zu erkennen – oder griechisch-katholisch, oder armenischen oder oder… Lemberg bietet eine religiöse Vielfalt, die an das erinnert, was Europa vor dem Aufstieg der Nationalstaaten einmal war: gelebtes Miteinander. Dazu gehören auch die vielen polnischen Einflüsse aus dem 14. bis 18. Jahrhundert – das Rathaus am zentralen Marktplatz (Rynok) ist zweifelsohne ihr prominentester Zeuge. Lemberg, Lviv oder auf polnisch Lwow: Heute bietet die Stadt von allem etwas.

Gleichzeitig fühlt man sich ins Osteuropa der frühen 2000er Jahre zurückversetzt: Viel Altbaubestand, der noch auf seine Renovierung wartet. Busse und Trams aus der Nachwendezeit. Und natürlich: alte Ladas! Lemberg scheint dort stehen geblieben zu sein, wo sich die osteuropäischen EU-Länder vor zwanzig Jahren befanden – und gerade darin liegt der Charme!

Sehenswürdigkeiten

Obwohl Lemberg ca. 700.000 Einwohner zählt, lässt sich das Zentrum mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß erkunden. Die Altstadt ist wunderbar erhalten und hat allen Kriegen getrotz. Sie und ihre Gassen und Kirchen sind für mich die eigentliche Sehenswürdigkeit Lembergs. Der Rathausturm kann gegen ein geringes Entgeld bestiegen werden. In seinem Umfeld liegen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie der prachtvolle italienische Innenhof, die herrliche Unversität (ehemals Leopoldina), die arminsche Kathedrale, das in verspieltem Jugendstil glänzende Haus der Wissenenschaftler (ein ehemaliges Clubhaus) und viele weitere bauliche Erinnerungen an die Pracht des 19. Jahrhunderts. Man kann wunderbar stundenlang durch die Altstadt schlendern, hier und da in ein Café einkehren oder aber auf dem kleinen Buchermarkt hinter der Kirche zur Heiligen Eucharistie in alten Büchern und diversem Trödel stöbern.

Wer sich historisch interessiert, der kann einerseits die alte Burgruine erklimmen oder in die jüngere Vergangenheit eintauchen und des Lonzki-Gefängnis, lokaler Sitz der sowjetischen Geheimpolizei NKWD, besuchen. Die Ausstellung ist klein, aber aus meiner Sicht ein Muss, das die sowjetischen Verbrechen und Deportationen v.a. der Stalin-Ära ungeschönt veranschaulicht.

Ich selbst bin ein großer Freund klassischer, nicht gentrifizierter Märkte, wie man sie fast überall in Osteuropa findet. In Lemberg bietet sich der am Rande der Altstadt gelegene Galizische Markt an oder der etwas größere Krakauer Markt. Beide entführen in die Zeit vor der Erfindung veganer Zimtschnecken und bieten einen bestaunenswerten, urigen Mix aus allem, was im Alltag benötigt wird.

Direkt neben dem Krakauer Markt befindet sich auch die größte Brauerei der Stadt (und eine der größten der Ukraine), Lvivske. Zu dieser gehört ein Brauereimuseum, das ansprechend aufbereitet ist und nicht nur, aber auch für die abschließende Verköstigung lohnt.

Essen & Trinken

Wenn mein Bericht wirkt, als Lemberg sei eine in der Vergangenheit stehen gebliebene Stadt, dann täuscht dieser Eindruck. Denn inmitten der herrlichen Baugeschichte der Stadt finden sich ganz wunderbar junge Kaffeeröstereien, kleine Cafés, Craft-Beer-Bars, Weinlokale und natürlich etliche Restaurants. Lemberg ist eine junge, lebendige Stadt!

Wer lokale Biervielfalt sucht, der wird im spektakulären „Biertheater“ der örtlichen Brauerei Pravda (Правда) fündig werden, das sich direkt am Rathausplatz befindet. Etwas versteckter in der Altstadt, aber urig und wild und authentisch, hat mir außercdem die Craft-Beer-Kneipe „Drunken Duck“ (Пяна качка) sehr gut gefallen.

Weinfreunden empfehle ich den Weg ca. 15 Minuten aus dem Zentrum heraus zur Weinhandlung und -bar Вина Криму („Krimweine“), die entgegen dem Namen verschiedenste ukrainische Weine bietet, die sich wirklich lohnen! Überhaupt bietet sich das Areal zwischen der von schönen alten Häusern gesäumte Prinz-Roman-Straße (Князя Романа) und der Universität gastronomisch viele Anlaufpunkte, beispielsweise das Bierlin oder den Fußball-Pub Cantona, der sich neben englischem Fußball v.a. dem Verein Karpaty Lviv verschrieben hat.

Gut gegessen habe ich im schlicht gehaltenen, aber hippen Promin, einem italienisch-ukrainischen Crossover. Wer auf die Schnelle etwas echt Ukrainisches sucht, dem sei eines der mehreren Bistro-Lokale der Kette „Пузата хата“ empfohlen: Das in Osteuropa gängige Konzept ähnelt etwas einer Mensa, man wählt an langen Auslagen, zahlt und sucht sich seinen Platz. Beide oben genannten Tipps befinden sich nahe der Universität.

Direkt in der Alstadt dagegen bietet das Fatset (Фацет) eine kreative Mischung aus regionaler Küche, Bar, Weinen, Café und viel studentische Jugendlichkeit.

Und was in der Ukraine auf gar keinen Fall fehlen darf, ist ein Kirschwein! Die Kette Piana Vyshnia (Пяна Вишня) kannte ich schon aus Kiew und finde das Konzept, wirklich nur Kirschwein an Stehtischen anzubieten, weiterhin ebenso mutig wie spannend. Aber Achtung, der in bohemen Gläsern ausgeschenkte Wein ist eher ein Likör mit fast 20%!

Erhalten hat sich Lemberg auch die österreischische Kaffeekultur. Nicht nur, dass es es am Rande der Altstadt ein „Wiener Kaffeehaus“ gibt, nein, es wird auch überall in der Stadt in kleinen Röstereien eigener Kaffee produziert und ausgeschenkt. Kaffeefreunde kommen in Lemberg definitiv auf ihre Kosten! Und wenn es mal schnell gehen soll: Die Kette „Lviv Croissant“ betreibt in der ganzen Ukraine ihre Mini-Cafés mit – nun ja – Kaffee und Croissants.

Sprache und politische Situation

Seit 2014 herrscht Krieg in der Ostukraine, der aber so weit im Osten dieses riesigen Landes liegt, dass man sich nicht fürchten muss. Natürlich findet man im öffentlichen Raum Plakate und Gedenkstätten, auch in Lemberg, ganz im Westen und fast 1000km von den Brennpunkten entfernt, so dass man den Konflikt mit Russland nicht ganz ausblenden kann.

Wer sich die Mühe macht, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen, merkt aber schnell: Die politische Verschärfung seit Winter 2021 bedrückt die Menschen auch in Lemberg, die Angst vor einem großen Konflikt liegt greifbar in der Luft.

Dabei ist die Phrase „ins Gespräch kommen“ doppelt zu betrachten: Ja, man kommt in Lemberg schnell ins Gespräch, einfach in einer Bar zum Beispiel; ich habe hier offene, freundliche Menschen erlebt. Aber natürlich stellt die Sprachebarriere in der Ukraine ein echtes Hindernis dar: Englisch ist wenig verbreitet; Russisch würde helfen, ist aber aufgrund der Situation gerade wenig populär; Deutsch beherrscht niemand. Oft wurde ich jedoch gefragt, ob ich des Polnischen mächtig sei. Man ist also schnell drin im Gespräch, sollte aber bereit sein, sich mit Händen und Füßen zu verständigen und sein Glück mit einem Sprachmix versuchen.

Anreise, Reisezeit, Reisedauer

Die Anreise nach Lemberg ist denkbar einfach, der Danylo Halytskyi Airport Lviv ist gut mit einem Direktbus ins Zentrum angebunden (Endhaltestätte Universität/ університет, Tickets beim Fahrer, ca. 10 Griwna, entwerten nicht vergessen!). Direktflüge bietet z.B. Ryanair von mehreren deutschen Standorten an.

Ich selbst habe Lemberg im Winter besucht und kann die Woche vor Dreikönig, dem orthodoxen Weihnachtfest, sehr empfehlen, weil man wirklich ein unglaubliches Licht- und Farbenspiel geboten bekommt. Zudem ist die Woche zwischen Neujahr und Dreikönig wie häufig im Osten für viele Einrichtungen arbeitsfrei und so zeigt sich die Stadt prall voll mit Leben. Aber auch der Sommer muss in Lemberg mit seinen Kopfsteingassen und Innenhöfen wunderschön sein.

Drei bis fünf Tage scheinen mir, wenn man nicht die nahegelegenen Karpaten besuchen will, eine sinnvolle Reisezeit zu sein, in der man die Stadt nach und nach erkunden kann, ohne sich zu eilen oder zu langweilen.

Geld & Telefon

Die ukrainische Währung, den Griwna, bekommt man in Deutschland nicht, man zieht also am besten direkt am Flughafen Bargeld. 32 Griwna sind etwa 1,- Euro. Kartenzahlung (Kreditkarte) ist so gut wie überall möglich und gerne gesehen.

Leider liegt die Ukraine in einem sehr teurem Roaming-Raum außerhalb der EU, daher bietet sich der Erwerb einer lokalen Nummer an, der aber problemlos möglich ist und keine Registrieriung voraussetzt; Vodafone Ukraine und Kievstar betreiben überall in der Stadt (leider nicht am Flughafen) ihre Geschäfte. Eine solche Prepaid-Karte kann jederzeit an etwas abenteuerlich anmutenden Automaten aufgeladen werden.

Fazit

Wenn Lemberg bisher nicht auf eurer Reiseroute lag, dann fügt es schnell hinzu, denn diese Stadt ist kulturell wie kulinarisch abwechslungsreich und überraschend. Überrascht hat mich dabei auch, dass Lemberg so ganz anders ist als Kiew, das ich im Sommer besucht hatte (hier findet ihr den Reisebericht zu Kiew). Vermutlich wäre dieser Umstand bei der Größe und Vielfalt der Ukraine zu erwarten gewesen, dennoch war ich erstaunt, dass z.B. die in der Hauptstadt dominierende Orthodoxie in Lemberg nur eine Randerscheinung darstellt. Und auch das oben beschriebene österreichische Erbe hat mich begeistert. Daher kann ich euch die Stadt nur ans Herz legen, ihr werdet positiv überrascht sein – egal ob ihr nun Lemberg, Lviv oder Lwow zu dieser schönen alten Stadt sagen wollt.

Kiew: Schatzkiste im Osten

Wenn ihr einen echten Reise-Geheimtipp sucht: Kiew wird euch gefallen! Lest hier, welche Schätze an Kultur, Architkektur, Geschichte euch erwarten – und ganz allgemein eine coole, lebendige, junge Stadt!

Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, liegt trotz ihrer Geschichte, Kultur und trotz ihrer über drei Millionen Einwohner eher nicht auf der typischen Reiseroute vieler Touristen. Warum eigentlich nicht? Ich habe die Stadt für eine Woche besucht und war begeistert. Lest hier, warum Kiew ein echter Geheimtipp ist und euch eine Reise wert sein sollte!

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Der Maidan ist das unumstrittene Zentrums Kiews

Vielfältige Kultur & Architektur

Kiew ist baulich und kulturell eine Schatzkiste! Zugegeben, auch in meiner Vorstellung hatte ich einen Plattenbau-Moloch vor Augen – ein völlig falsches Bild! Das Stadtzentrum von Kiew quillt nicht nur über vor kulturellen Highlights, es lässt sich auch ganz wunderbar zu Fuß erkunden!

Kiew liegt auf mehreren (angeblich sieben) Hügel und trennt sich in eine Ober- und eine Unterstadt. Der seit der demokratischen Umsturzbewegung von 2014 fast jedem bekannte Maidan liegt genau an der Grenze zwischen der älteren Oberstand und dem im 19. ausgebauten unteren Zentrum. Allabendlich tummeln sich hier im Sommer die Kiewer und sitzen auf Treppenstufen, Mauern und Bänken, so dass fast südliches Flair aufkommt!

Der langgezogene, rechteckige Platz beeindruckt mit seiner großen Unabhängigkeitsstatue und wird an seinen beiden Enden vom sozialistischen Hotel Ukraina sowie von beeindruckendem Stalinbarock begrenzt. Wer nun an grauen Sowjetcharme denkt, der liegt völlig falsch, denn hier hat sich in den 1950er Jahren der Sozialismus tatsächlich selbst übertroffen und beeindruckende Repräsentationsbauten geschaffen. Das gilt auch für die Prachtmeile Khreshchatyk, die vom Maidan abgeht und die zentrale Achse der Unterstadt bildet: Rechts und links erblickt man sozialistischen Prunk, der der Bürgerwelt des 19. Jahrhunderts in nichts nachsteht. Die Embleme und Ornamente der Sowjetjahre finden sich unverändert an den Giebeln und Hausfassaden, obgleich die Straße heute alle großen Weltmarken beherbergt.

Die Prachtmeile Khreshchatyk bietet prunkvolle Sowjetarchitektur

In den Seitenstraßen der Khreshchatyk finden sich viele wunderschöne Bürgerhäuser des 19. Jahrhunderts, nicht selten mit Jugendstil-Fassaden. Auch das Parlament, der Sitz des Präsidenten sowie etliche Theater und Museen lassen sich bequem erschlendern. Dabei wechselt man hier an der Grenze zwischen Ober- und Unterstadt immer wieder von einem Hügel auf den nächsten – ganz schlecht sollte man also nicht zu Fuß sein.

Bis ins Detail spielerisch verziert: Das Haus der Chimären
Bürgerhaus in einer Seitenstraße zum Maidan

An die mittelalterliche Stadt erinnert in Kiew dagegen wenig. Erhalten ist das Goldene Tor. Ansonsten liegt der Charme der Stadt gerade im Wechselspiel aus bürgerlichem Glanz des ausgehenden 19 Jh. (Zar Nikolaus I. ließ die Stadt in den 1880er Jahren aufwendig umgestalten) und sozialistischen Relikten ganz unterschiedlicher Art.

Blick vom Denkmal der Völkerfreundschaft hinab auf den Dnjepr

Ebenfalls wenige Fußminuten vom Maidan entfernt befindet sich der Doroha-Park, der sich dem Fluss zuwendet und neben dem Stadion von Dynamo Kiew vor allem den gigantischen Bogen der Völkerfreundschaft sowie etliche kleine, liebevolle Denkmäler enthält, z.B. die Liebesbrücke oder die Skulptur für Luigi und Mokrina, die sich 1944 im Krieg kennenlernten, als Italiener und Ukraninerin auf zwei verschiedenen Seiten des Eisernen Vorhangs lebten und sich 2004 wiedertrafen. Der Park selbst liegt hoch über dem Dnjepr und bietet von einer eigenes eingerichteten Plattform einen famosen Blick über den Fluss.

Liebesbrücke im Doroha-Park…
…und ein Denkmal für eine rührende Liebesgeschichte

Unbedingt sehenswert ist auch die bombastische Statue „Mutter Heimat“ die in Erinnerung an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg noch immer ihr Schild mit Hammer und Sichel gute 60 Meter hoch über den Dnjepr streckt. Hier findet sich sowjetische Erinnerung pur mit allem dazugehörigen Brutalismus, aber auch die Umwidmung in die ukrainische Geschichte lässt sich fassen, beispielsweise durch die riesige Nationalflagge oder das Museum im Sockel der Statue (unbedingt besuchen!).

Gigantisch: Mutter Heimat erinnert an den Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“
Die Zeichen des Sozialismus sind trotz aller aktuellen Konflikte mir Russland nicht verschwunden

Das Herz der Orthodoxie

Nein, nicht Moskau bildet das Herz der (russischen) Orthodoxie, sondern Kiew, wo sich im Mittelalter die Kiewer Rus erstreckte und die ersten christlichen Mönche ihre Schrift aus Byzanz mitbrachten. Kiew, später vom russischen Zaren als Jerusalem des Ostens bezeichnet, zeigt das noch heute mit einer schier unendlichen Vielfalt an prachtvollen orthodoxen Kathedralen, Kirchen und Klöstern. Vieles wurde zwar im Laufe der Jahrhunderte zerstört und verwahrloste nicht zuletzt in der Sowjetzeit, erstrahlt aber heute in neuem Glanz.

Die Sophienkathedrale von außen…
…und im Inneren des ummauerten Geländes

Das heutige Herz dieser Orthodoxie bildet das Zusammenspiel von Sopienkirche und Michaelskloster. Beide befinden sich nur knapp 10 Fußminuten (und einen Hügelaufstieg) vom Maidan entfernt in der Oberstadt und liegen sich an zwei Enden der Straße Volodymyrska gegenüber.

Die Sophienkathedrale bildet den Sitz des Kiewer Metropoliten. Umrundet von einer eigenen Mauer, wirkt das Gebäudeensemble wie eine Stadt in der Stadt. Der Eintritt kostet zwischen 4 und 8 Euro, aus meiner Sicht reicht das kleine Ticket, das die Museen ausspart.

Auf der anderen Seite der Straße, gute 300 Meter entfernt, blickt man auf das nicht weniger stolze und nicht weniger pompöse Michaelskloser (hier ist der Eintritt frei). Beide Anlagen beeindrucken durch ihre Ausdehnung, ihren Prunk und durch erkennbare Volksfrömmigkeit – und sind doch nicht die größten Kirchen Kiews – werden sie doch vom Höhlenkloster noch einmal übertroffen.

persönliche Reiseempfehlung Kiew
Eingang zum Michaelskloster
Goldene Zwirbeltürme finden sich überall in Kiew

Ich selbst habe einen Kirchentag eingelegt und bin vom Michaelskloster die erneut nur ca 15 Minuten Fußweg zum Andreassteig gegangen, dessen Anfang von der Andreaskirche gesäumt wird. Der Andreassteig, eine traumhafte Kopfsteinpflasterstraße, erinnert an die verlorene Altstadt, denn das heutige Kiewer Zentrum erhielt seine Form im späten 19. Jahrhundert. Hier ist man dann auch mitten im touristischen Trubel, überall wird Nippes verkauft, überall wird für Fotos Pose gestanden. Oft bleibt man in Kiew als Tourist alleine unter Einheimischen, nur hier, am Andreassteig (und am Maidan) zeigt sich ein anderes Bild.

Reisen ohne Touristen unentdecktes Kiew
Andreaskirche am Andreassteig

Das unumstrittene religiöse Highlight Kiews ist jedoch das Höhlenkloster. Der Name täuscht, denn obwohl das Kloster auf den Höhlen ehemaligen Erimiten steht, befinden sich 95% der gigantischen Anlage überirdisch. Hier reihen sich Kirchen an Kirchen und selbst vom mächtigen Glockenturm aus lässt sich nur schwer ein Foto der Gesamtanlage schießen.

Für nur 130 Gwynja (4€) kann man alle Teile des Klosters besichtigen. Den Höhepunkt bilden die zwei Höhlenanlagen, die Gänge keinen Meter breit, nur mannshoch und nur mit Kerzen beleuchtet. Platzangst ist hier eher hinderlich. Verlaufen kann man sich in den weiß getünchten Gängen allerdings nicht, man folgt automatisch einem vorgegebenen Weg. Dennoch bietet es sich an am Eingang Kerzen zu kaufen, schon aus Gründen der Pietät: Das Höhlenkloster ist mehr Wallfahrtsort als Touristenattraktionen, viele Gläubige schienen mir gezielt zur Verehrung in die Höhlen zu gehen. Dementsprechend muss man sich hier auch noch strenger als in anderen orthodoxen Kirchen kleiden: Frauen benötigen ein Kopftuch und bedeckte Beine, auch Männer sollten nicht im Tanktop erscheinen. Entsprechende Tücher werden aber kostenlos ausgegeben.

Glockenturm des Höhlenklosters

Belohnt wird man dafür mit spannenden unterirdischen Tunneln, in deren Seiten gläserne Sarkophage eingelassen sind, die mit Kuss und Verbeugung verehrt werden. Und wenn man Glück hat, stockt es plötzlich im Höhlengang, Chorale werden angestimmt und ein Pope öffnet einen der Glassarkophage, damit ein jeder den einbalsamiertem Leichnam küssen kann. Platz- und Berührungsangst sollte man hier wirklich nicht haben!

Blick vom Glockenturm mit Plattenbauten im Hintergrund

Das Höhlenkloster bietet darüber hinaus wunderbare Blicke auf den Dnjepr und spannende Kontraste, weil sich vom Glockenturm die zahllosen Plattenbauten auf der anderen Flussseite abzeichnen. Zudem liegt Mutter Heimat fast direkt neben dem Kloster (ca. 10 Minuten Fußweg) – auch hier könnte der Kontrast nicht größer sein!

Reisetipp Kiew kirchen und Klöster Orthodox Höhlenkloster
Das Areal des Höhlenklosters ist beeindruckend riesig

Es gibt noch unzählige weitere Kirchen, die ich unmöglich aufzählen kann. Herausgehoben sei die sehenswerte Vladimirkathedrale unweit vom Goldenen Tor. Es gibt darüber hinaus eine Synagoge und eine kleine deutschsprachige Kapelle (St. Katharinen fast direkt neben dem Dienstsitz des Präsidenten), die man jedoch schnell besichtigt hat.

Dnjepr in Kiew Bootstouren
Blick über den Dnjepr in Kiew

Sonnenbaden am Dnjepr

Was Kiew an Meerblick fehlt gleicht der Dnjepr aus! Im Sommer laden mehrere Strandbäder zum Sonnenbaden am Fluss ein, einige sind mit Life Guards und Beach Bar versehen. Vor allem das zentrale Strandbad auf der Truchaniw-Insel lässt sich super in 20 Minuten zu Fuß aus dem Zentrum über eine eigene Fußgänger- und Radfahrerbrücke erreichen.

Stadtstrand am Dnjepr

Aber auch sonst ist der Fluss eine Wucht, obwohl sich seine wahre Breite im Zentrum aufgrund der gewaltigen Truchaniw-Insel kaum erfassen lässt. Ich empfehle daher eine der diversen Bootstouren, bei denen sich der Fluss ganz anders erleben lässt und außerhalb des Zentrums seine wahre Ausdehnung zeigt.

Denn eines ist am Dnjepr nur selten möglich: Das Flanieren am Ufer. Zu häufig liegen brachial große, sechsspurige Straßen an seinem Ufer, so dass selbst an den wenigen Stellen mit Uferflaniermeile der Spaziergang kein Genuss ist.

Dnjepr Reise Kiew Strand Tipp Empfehlung
Stadtstrand und im Hintergrund die Radfahrerbrücke vor dem Bogen der Völkerfreundschaft

Essen, trinken, genießen

Ich lasse es mir gerne gutgehen und sage zu einem abendlichen Drink nicht nein. Wenn es euch da ähnlich geht, dann solltet ihr unbedingt durch das lebendige Viertel Podil rund um den Kontraktplatz schlendern. Für Cocktailfreunde ist das Pink Freud ein Muss (alle Links in diesem Abschnitt führen zu Google-Maps). Fast Gegenüber liegt die Bierbar Beer Point mit guter Hausmannskost (trotz des Namens). Etwas versteckt, aber durch die Lage sehr schön ruhig gelegen, ist das italienische Restaurant Tisto, Syr i Titka Bella zu empfehlen.

Wer es aber richtig ukrainisch mag: „Varenychna Katyusha“ ist eine Mini-Kette mit vier oder fünf Dependancen in Kiew, die Pelmeni, Blini und fast alle anderen Klassiker anbietet.

Kontraktplatz in Podil. In den Seitenstraßen findet ihr viel Gastronomie

Ich muss aber auch zugeben dass ich mich etwas schwer getan habe, gute Restaurants mit einheimischer Küche zu finden. Kiew befindet sich vielleicht gerade an dem Punkt, an dem alles pseudo-westliche hip ist, so dass „best Pizza in town“ oder Burger-Schmieden Konjunktur haben. Aus dem Weg gehen kann man dem aber notfalls immer mit Schawarma, wie der Döner hier heißt. Er hat hier eine lange Tradition!

Craft Beer in Kiew
Auf dem Bessarabska-Markt findet ihr einen spannenden Craft-Beer-Stand

Und natürlich bin und bleibe ich Craft-Beer-Fan! Besonders gefallen hat mir der Stand der Brauerei Tzypa auf dem Bessarabska-Markt: Einfach auf dem Markt mit Wurst, Käse oder Fisch eindecken und dann für unter 60 Gwynja durch das Sortiment trinken! (es gibt aber auch eine Bar nahe der Sophienkathedrale)

Unbedingt besuchenswert ist auch die Brauerei 2085 auf dem Kulturareal Art-Zavod, einer alten Industrieanlage. Dafür muss man zwar in die Platten fahren, dank der Metro M1 ist das aber einfach (rote Linie/ Endstation). Zudem liegt der große Lisova-Markt nebenan.

Wunderschön individuell eingerichtet: Na Stanislavskoho

Wer kein Bier mag: Die Ukraine kann auf eine lange Weintradition zurückblicken. Zwar findet man überall italienischen und französischen Wein, aber traut euch ruhig an die lokalen Weine – sie sind gut und zudem günstiger! Gut gefallen für eine Snack und einen Wein hat mir das Na Stanislavskoho, auch das Vyno & Zdorovya sowie das Malevich kann ich empfehlen!

Kirschwein bei Pyana Vyshnya

Mich hat außerdem fasziniert, dass Fruchtweine total beliebt zu sein scheinen. Die Kette Pyana Vyshnya verkauft zum Beispiel ausschließlich hauseigenen Kirschwein (nein, wirklich nichts anderes!), ihr findet die Läden an fast jeder Ecke. Mir hat darüber hinaus die Port-Weinbar gut gefallen – nomen est omen, es gibt Port und Vermuth, aber auch diverse Fruchtweine von Erdbeerwein über Himbeere zu Pflaume.

Falls ihr euch nicht entscheiden könnt, dann besucht den Kyiv Food Market an der Haltestellt Arsenalna. Der Begriff Markt trifft hier eigentlich nicht mehr zu, viel mehr reihen sich hier hippe Food-Plätze aneinander und drängen sich vor allem in einer großen Halle. Hier gibt es alles, was der moderne Stadtreisende sucht. Praktisch: Alle Stände in der Halle teilen sich eine große Sitzfläche, so kann man auch als Gruppe mit unterschiedlichen Vorlieben zusammen sitzen.

Und natürlich kann ich euch alle echten Märkte nur ans Herz legen – auch um dort zu essen! Der Bessarabska-Markt liegt mitten im Zentrum, der Lisova besticht durch seine Größe und wer es wirklich abgerockt mag, der macht während seiner Tour durch Podil einen Abstecher zum Zhitnii Rynok.

Märkte in Kiew
Nicht der schickste Markt, aber allein für die sozialistische Fassade lohnenswert: Der Zhitnii Rynok in Podil

Der wilde Osten

Für mich zählt auf einer Reise nach Osteuropa immer auch ein Abstecher in die Plattenbauten zum Programm. Einerseits finden sich hier häufig spannende Embleme des Sozialismus, andererseits werdet ihr in Kiew ganze Straßenzüge voller Bau-Brutalismus finden. Vor allem die andere Flussseite und der Weg zum Flughafen Borispol sind gesäumt von endlosen Platten. Man muss aber auch sagen, dass vieles renoviert ist und sogar neue, moderne Giga-Komplexe hinzukommen. Zudem befinden sich an vielen Platten (aber nicht nur dort) großflächige Graffitis. Auch für Street-Art-Fans lohnt sich Kiew!

Strret Art in Kiew Touren Reise travel Ukraine
In Kiew stößt man immer wieder auf spannende, größflächige Streetart

Wild sind in Kiew auch die Straßen. Ja, es gibt viele Schlaglöcher, aber mich hat auch hier eher der Gigantismus beeindruckt: Sechspurig, achtspurig, leider oft direkt am Fluss oder endlos geradeaus durch Wohnwürfel führend!

Doch, das sollte man gesehen haben! Wer aber dafür nicht extra rausfahren will: Verbindet es mit dem Lisova-Markt und dem Art-Zavod-Distrikt!

Auch bei den Plattenbauten lohnt oft der genaue Blick

Praktische Tipps

Für die Einreise in die Ukraine benötigt ihr mit den deutschen Reisepass (Personalausweis genügt nicht) kein Visum, soweit ihr weniger als 90 Tage im Land bleibt. Aktuell ist aber eine Auslandsreiseversicherung notwendig (die wird an der Grenze eingefordert), die eine Covid-Erkrankung abdeckt. Falls ihr keine besitzt: Auf Visit Ukraine gibt es für unter 10€ die in der Ukraine akzeptierten Lösungen.

Im Land benötigt ihr erst einmal Geld. Aktuell sind 30 Gwynja etwa 1€ und am besten zieht ihr direkt am Flughafen Geld am Automaten. Zwar kann man in Kiew zu 99% mit der Kreditkarte zahlen, aber Bargeld schadet nie. Zur Orientierung: ich bin mit 25€ (800 Gwynja) am Tag gut ausgekommen.

Und vermutlich wollt ihr auch telefonieren. Roaming macht außerhalb der EU leider immer noch arm, aber vielleicht hat auch euer Handy eine Dual-Sim: Direkt am Flughafen gibt es in der Ankunftshalle einen Stand, der ukrainischen Simkarten verkauft (10GB für 300 Gwynja/ 10€). Allerdings müsst ihr hier mit Bargeld zahlen.

Beide Flughäfen sind mit Bus und Bahn angebunden, aber ich habe das Taxi genommen. Taxen vor dem Flughafen verbieten sich aus Preisgründen, auch in Kiew heißt die moderne Alternative Uber (oder noch besser: Bolt!). Vorteil: Der Preis steht vorher fest und das Taxi ist getrackt. Aber auch hier war Cash der King – also Bargeld dabei haben. Der Flughafen Borispol liegt weit, etwa 30km, außerhalb der Stadt, dennoch schafft man die Fahrt im Taxi für (je nach Verkehrslage) 12-15€.

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Auch wenn die Tram alt anmutet: Die Verbindungen sind gut getacktet und der Preis unschlagbar

In Kiew bewegt man sich am besten mit der beeindruckend tiefen und teilweise herrlichen dekorierten Metro. Die Fahrt kostet 8 Gwynja für jede beliebige Streckenlänge. Tickets gibt es am Eingang jeder Station. Die Taktung der Metro ist wirklich sehr gut, alle fünf Minuten kommt eine Bahn.

Natürlich bietet Kiew zahllose Hotels moderner Qualität. Ich hatte mich dennoch für das „Hotel Ukrainia“ entschieden. Es liegt direkt am Maidan und bietet eine tolle Aussicht, das Frühstück ist gut, die Zimmer sauber, ansonsten dominiert der Charme der 90er („Euroremont“ ist hier das Stichwort) und vieles ist etwas wackelig. Aber genau das hatte ich gesucht.

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Blick aus meinem Zimmer im Hotel Ukraina. Vorne der Oktoberpalast, im Hintergrund der Dnjepr

Ein Problem ist sicherlich die Sprache. Falls ihr nicht zufällig Ukrainisch sprecht, hilft Russisch – trotz der politischen Situation, denn es wird verstanden und hilft mindestens beim Lesen, wenn man Kyrillisch beherrscht. Englisch ist kaum verbreitet, positive Ausnahmen bildeten das Hotel sowie die Durchsagen in der Metro. Das war es aber auch, schon beim Bier in der Kneipe wurde es stellenweise schwierig.

Sicherheit und die aktuelle politische Lage

Kiew ist eine sichere Stadt, die Menschen sind freundlich und hilfsbereit.

Aber ja, es gibt ihn, den Krieg im Osten. Und das bleibt auch in Kiew nicht verborgen, patriotische Parolen finden sich ebenso wie Gedenktafeln für die Opfer. Tatsächlich hat mich die Zahl der Getöteten traurig gestimmt – wenn man bedenkt, dass dieser Krieg vor der Haustür Europas in unserer Wahrnehmung oft stiefmütterlich behandelt wird. Eine echte Bedrohung ergibt sich daraus für den Kiew-Besuch jedoch nicht.

Gedenktafel für die Gefallenen im Krieg um die Krim und das Donbassbecken gegen Russland
Gedenken an die Opfer der Maidan-Unruhen 2014

Auch in Sachen Kleinkriminalität und Drogen erschien mir Kiew sicherer als Frankfurt oder Amsterdam. Alkoholgeschwängerte Obdachlose wird man aber immer wieder sehen, sie sind jedoch harmlos. Polizei ist vielerorts präsent und gilt auch als zuverlässig.

Und dann wäre da noch Tschernobyl. Der Reaktor ist wirklich nah, liegt ledig auf der anderen, oberen Seite des Kiewer Stausees. Touren werden angeboten, ich habe darauf verzichtet. Ob sich für Kiew eine höhere Strahlenbelastung ergibt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Werbung für eine Tour nach Tschernobyl

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Diesen externen Bericht über die U-Bahn in Kiew fand ich zudem schön geschrieben – er bietet einen guten Blick in die Kiewer Metro, den ich so nicht eingefangen habe.

Natürlich gilt für alles hier: Stand 2021! Aber Kiew ist eine wunderbare Stadt abseits der bekannten Pfade. Probiert es einmal aus und ihr werdet sehen, wie sich die Schatzkiste öffnet!

Kiew ist ein absoluter Gehjeimtipp und lohnt für eine Reise – probiert es aus!

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Buzludzha: Das Ufo im Balkangebirge

Das Denkmal von Buzludzha war mein persönliches Highlight meines zweiwöchigen Roadtrips durch Bulgarien. Vom Schwarzen Meer (Varna und Kawarna) über Veliko Tarnovo führte mich die Reise ziemlich genau in die Mitte Bulgariens. Hier, hoch oben im Balkangebirge, liegt Buzludzha: aus der Zeit gefallen, monumental, extraterrestrisch – ein Denkmal der ehemaligen kommunistischen Partei Bulgariens.

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Wer Buzludzha besuchen will, muss hoch hinaus

Wobei, der Begriff Denkmal trifft eigentlich nicht zu, denn es handelt sich um ein ehemaliges Aufmarschgelände. Die KP hatte das Bauwerk in den 1970ern in Auftrag geben und 1981 anlässlich des 1300-jährigen Jubiläums Bulgariens eröffnet. Genutzt wurde es danach nur leider fast nie – viel zu abseitig, viel zu kurz vor dem Sturz des Sozialismus 1989. Übrig blieb ein aus der Zeit gefallenes Relikt vergangener Tage.

Ich selbst hatte vor meiner Reise einige Bilder gesehen und wusste, dass mich ein UFO-ähnliches Etwas erwarten würde – welche Wucht das Bauwerk jedoch in der Realität entfaltet, hatte ich nicht erwartet! Schon auf der Anfahrt öffnen sich immer wieder die Berge und bieten absurde Anblicke des Beton-Monstrums. Aus der Nahansicht erschlägt es den Betrachter dann fast: Der über vierzig Meter hohe Turm mit dem sozialistischen Stern und das absurde Rund daneben wirken tatsächlich, als habe Mr. Spock persönlich hier sein Raumschiff geparkt.

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Sozialistischer Brutalismus: Es ist das Gesamtensemble, das wirkt, als sei man in einer anderen Zeit

Betreten kann man das Bauwerk zurzeit leider nicht, zu groß war der Vandalismus der vergangenen Jahre. Es patrouilliert sogar ein privater Wachdienst, so dass man sich mit einem kleinen Einblick durch eine vergittertes Tor begnügen muss. Aber auch ein Rundgang um das Gebäude ist spannend: Überall bricht der Beton, tropft es herab, überlebensgroße Stahlbuchstaben verkünden sozialistische Parolen (und wurden teils als Souvenir entwendet). Und auch der Ausblick ist sehr lohnenswert, rundherum öffnet sich der Blick auf andere Berggipfel oder in die nahen Rosentäler um Kazanlak.

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Gigantische Buchstaben verkünden die Herrlichkeit des Sozialismus

Der Name Buzludzha bezeichnet dabei die ca. 1400 Meter hohe Bergspitze, auf der das Gebäude errichtet wurde. Es handelt sich zwar nicht um den höchsten Berg des bulgarischen Balkangebirges – das wäre der benachbarte Botev – aber die Stelle ist geschichtsträchtig: Hier verläuft der Shipka-Pass, der die alte Hauptstadt Veliko Tarnovo mit den Rosenfeldern um Kazanlak verbindet und als verlängerte Handelsroute bis zur türkischen Grenze führt, die in osmanischer Zeit natürlich keine Grenze war.

Nationale Bedeutung erhielt der Shipka-Pass im russisch-türkischen Krieg 1877/78, als russische Truppen hier die Osmanen besiegten, was zu einer kurzzeitigen Gründung des modernen Bulgariens führte. Etwa 10 Kilometer vor dem Buzludzha-Denkmal erinnert das Shipka-Denkmal an diese Schlacht und es ist kein Zufall, dass der sozialistische Bau das Denkmal des nationalen Erwachens deutlich überragt und man von der Bergspitze auf Shipka herabblickt. Ebenso ist es vermutlich kein Zufall, dass Buzludzha heute immer mehr verfällt, während das Shipka-Denkmal sich neuer Beliebtheit erfreut – tempora mutantur…

Buzludzha Denkmal monument bulgarien reisetipp sozialistischer brutalismus lost places balkan shipka
Der Aufstieg zum Buzludzha-Denkmal lohnt sich auch für den wunderbaren Ausblick

Wer Buzludzha besuchen will, kann relativ nah mit dem Auto an das Bauwerk heranfahren – nur die allerletzten Meter geht es steil zu Fuß bergauf. Von Veliko Tarnovo kommend gibt es zwar eine Straße ab dem Shipka-Denkmal, doch diese ist kaum noch Straße zu nennen. Geschwindigkeiten über 10km/h sind hier eigentlich nicht mehr realisierbar. Daher empfiehlt es sich, erst einmal der Passstraße weiter in Richtung Kazanlak zu folgen und dann kurz vor Kran über die deutlich bessere Straße den Aufstieg zu suchen.

Sollet ihr also einmal durch Bulgarien reisen und eine Mischung aus wildem Osten und sozialistischen Relikten suchen, denn dürft ihr Buzludzha nicht verpassen! Die folgenden Bilder sprechen für sich – für mich war dieser aus Zeit und Raum gefallene Ort auf jeden Fall das Highlight meines Roadtrips!

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Aus jedem Blickwinkel wirkt das gigantische Bauwerk anders – aber immer fremd und unwirklich!

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Mit dem Auto kann man nah heranfahren, wer die letzten Meter zu Fuß geht, bekommt noch einmal ganz besondere Einblicke

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Sprayer sind überall am Bau aktiv

 

 

 

 

 

Veliko Tarnovo: Die Wiege Bulgariens

Veliko Tarnovo sei wie ein Adler, der seine Schwingen um die Berge gelegt habe, auf denen die Stadt errichtet wurde. Gut, ganz erkennen konnte ich dieses Selbstbild der Stadt am Fluss Jantra nicht, aber Berge, Flusslauf und ganz viel Geschichte sind hier allgegenwärtig – immerhin handelt es sich bei Veliko Tarnovo um die frühere Hauptstadt Bulgariens. Hier ein Reisebericht über eine bulgarische Kleinstadt, die nicht auf jeder Reiseroute liegt.

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Veliko Tarnovo hat mir mit seinen vielen kleinen Gassen gut gefallen

Nach Varna und Kawarna war Veliko Tarnovo die dritte Station meiner Bulgarienreise und die weiteste Autofahrt. Von Varna kommend gibt es bis Schumen zwar eine Autobahn, aber die zweite Hälfte der gut 240 Kilometer über normale Landstraßen zieht sich, denn dies ist auch eine zentrale Achse nach Sofia und oft hängt man im Gebirge hinter einem LKW.

Warum also Veliko Tarnovo? Für mich lag der Reiz dieser ca. 70.000 Einwohner zählenden Stadt in ihrer Mischung aus Geschichte, schönen Altstadtgassen, verwinkelten Ecken und dem Gefühl, im echten Bulgarien zu sein.

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Im Stadtzentrum von Veliko Tarnovo erkennt man, dass die Stadt einmal sehr bedeutend war

Veliko Tarnovo ist eine verwinkelte Stadt und um sie zu erkunden, folgt man am besten erst einmal der Hauptstraße, der ulitsa Stefan Stambolov. Diese zentrale Achse vereint viele Geschäfte, Cafés und Restaurants, verläuft quer durch die Stadt und endet etwa an der mittelalterlichen Burganlage. Dabei öffnet sich der Blick nach rechts und links immer wieder in das Tal der Jantra. Am Fluss selbst kann man leider nicht entlang flanieren, aber es ist spannend zu sehen, mit wie vielen Windungen er die Stadt durchschlängelt. Dabei vermittelt Veliko oft das Gefühl, man befinde sich in einem Park, so häufig blickt man auf bewaldete Hügel. Eine Drehung reicht jedoch, um wieder auf die steilen, bebauten Stiegen zu blicken, an denen die Häuser ein wenig zu hängen scheinen.

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Der Fluss, die grünen Hügel und die steilen, bebauten Hänge bilden das Stadtbild von Veliko Tarnovo

Wer die Stambolov rechts und links verlässt, also leicht bergan oder bergab geht – denn Veliko ist eine hügelige Stadt -, erreicht die kleineren Altstadtgassen. Besonders schön renoviert ist die ulitsa Georgi S. Rakovski , hier kann man den alten Glanz der Stadt spüren. Heute befinden sich hier jedoch leider fast nur noch Geschäfte mit Touristennippes. Mein persönliches Highlight der Altstadt waren die kleinen Gassen rund um die Nikolaikirche. Hier zeigt sich der alte Stadtkern zwar weniger renoviert, aber gerade dadurch authentisch und charmant. In diesen Gassen liegt auch mein Tipp für ein gutes, familiengeführtes Restaurant, das „Slavianska Dusha„.

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Die Rakovski wurde aufwendig restauriert, die weniger herausgeputzten benachbarten Gassen haben mir jedoch noch besser gefallen

Wer die Rakovski jedoch bis zum Ende geht, trifft auf die wirklich nette „Art Bar Hipster„: Außen sitzt man mit Blick auf die kleinen Gassen vor einem Street-Art-Gemälde, innen ist das kleine Café alternativ eingerichtet. Ein Muss für jeden Touristen scheint das sogenannte Affenhaus zu sein, ein hübsches Altstadthäuschen mit einer (wirklich kleinen) Affenskulptur.

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Die Art Bar Hipster ist mein Tipp für einen gemütlichen Drink zwischendurch – natürlich gibt es Rakia, aber auch bulgarisches Craft Beer

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Rund um die Kirche Sankt Nikolai finden sich viele kleine Gassen. Typisch für Bulgarien sind übrigens die kleinen Totenzettel, die sich nicht nur an Kirchen, sondern auch an vielen Häusern und Bäumen finden.

Veliko Tarnovo präsentiert sich also als lebenswerte Stadt. Außerdem vereint sie, mitten im Balkangebirge gelegen, viel Geschichte auf sich und kann als Wiege der bulgarischen Kultur gelten: Schon im Mittelalter hatten sich die bulgarisch-orthodoxen Patriarchen hierhin zurückgezogen, um im Gebirge Schutz vor den mächtigen Widersachern aus Konstantinopel zu finden. Die riesige Burganlage der Stadt mit mächtiger Kirche zeugt von dieser Zeit und lohnt für eine Besichtigung; neben der Historie bekommt man für wenige Leva einen schönen Überblick über die Stadt.

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Die mächtige Burg von Veliko Tarnovo kann gegen kleines Eintrittsgeld besichtigt werden, ich empfehle jedoch festes Schuhwerk, es geht steil hinauf!

Im 12. Jahrhundert, als sich Teile des heutigen Bulgariens von Byzanz lossagten, diente die Stadt gar als Hauptstadt. Unter den Osmanen entwickelte sich die heutige Altstadt, die geprägt ist von alter türkischer Bauweise: Viele Häuser stehen auf einem schmaleren Backsteingrund, um sich im hölzern vertäfelten ersten Stock leicht zu verbreitern.

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Die osmanisch anmutenden Häuser in der Altstadt

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Die berühmte ulitsa Gurko

Im Zuge der Nationalbewegung im 19. Jahrhundert wurde Veliko Tarnovo im russisch-türkischen Krieg von russischen Truppen erobert, was letztendlich zur Gründung eines ersten neuzeitlichen bulgarischen Staates führte. An den russischen General Gurko erinnert auch eine der zentralen Altstadtstraßen. Überhaupt merkt man in dieser Stadt, wie sehr die osmanische Zeit noch am bulgarischen Selbstverständnis nagt und wie stolz man im Land auf die Staatsgründung 1878 ist.

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Überall in Bulgarien kann man gut essen (und guten bulgarischen Wein trinken!) – mein Tipp ist das süße kleine „Slavianska Dusha“

Ich kann euch Veliko Tarnovo also empfehlen, insbesondere all denen, die an Geschichte interessiert sind. Die Stadt eignet sich perfekt für einen oder zwei Tage, denn bei nur 70.000 Einwohnern hat man natürlich alles schnell gesehen. Wer jedoch einen Stopp in Bulgarien sucht, der nicht auf jeder Reiseroute liegt, der ist hier richtig!

Und wenn ihr noch einen Tipp für eine Unterkunft braucht: Ich selbst habe im Hotel Allegro gewohnt, das sich zwar auf der anderen Seite der Altstadt befindet, dafür jedoch schön ruhig an einem kleinen Park liegt und mich mit großen Zimmern überzeugt hat.

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Überzeugt euch selbst: Bulgarien ist ein spannendes Reiseland und Veliko Tarnovo ein lohnender Zwischenstopp!

Varna: Kultur am Schwarzmeerstrand

Bulgarien, ein Land, in dem ich noch nie war und das ich in diesem Sommer 2019 dank der Hochzeit zweier Freunde bereisen wollte. Ein Roadtrip sozusagen, mit Start in Varna und der Hauptstadt Sofia als Ziel. Dabei verband ich bisher wenig mit Bulgarien. Natürlich, EU-Mitglied seit 2007, aber nicht im Schengen-Raum. Sowie die üblichen Klischees: Eher arm, eher unfreundlich, eher Balkanpop – Stereotypen, von denen sich kein einziges bestätigte. Stattdessen traf ich überall auf sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, auf eine facettenreiche Kultur und eine multikulturelle Geschichte, auf wunderschöne Natur und auf viel junges, alternatives Leben. Hier also ein kleiner Bericht über Varna, der ersten Station meiner Reise.

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Varna hat mich mit einer schönen Altstadt und kultureller Vielfalt überrascht

Vom Flughafen in Varna fährt ein Stadtbus in 20 Minuten in die Innenstadt (Bus Nr. 409, Tickets für 1,- Lev bei der Konduktorin, Endhaltestelle an der zentralen Kathedrale). Ab hier endet zum Glück auch die gemeinsame Reise mit wilden Jungmännerhorden, die im Flugzeug bereits ihr Goldstrand-Besäufnis begonnen hatten. Diese Reisenden machen einen großen Bogen um Varna und fahren direkt vom Flughafen zum Goldstrand, so dass man in Varna tatsächlich kaum westliche Touristen trifft.

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Die ulitsa Preslav ist die zentrale Achse der Stadt, hier flanieren die Menschen an schönen Sommerabenden auf und ab

Durch die finale Haltestelle an der orthodoxen Muttergottes-Kathedrale befindet man sich nach der Ankunft direkt im Herzen Varnas. Hier beginnt auch die zentrale Fußgängerzone der Stadt, die ulitsa Preslav. Diese lange Prachtmeile führt vorbei am Dramatheater, an der Oper, am zentralen Platz „Nezavisimost“ und bringt den schlendernden Gast vorbei an prächtigen Jugendstilbauten fast direkt zum Meer.

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Viele Gebäude in der Altstadt sind renoviert – andere versprühen noch den Charme von vergangenem Glanz

Überhaupt, das Meer! Varna ist erkennbar eine Hafenstadt und man merkt, dass sie im 19. Jahrhundert ein wichtiger Zwischenstop für viele Reisenden war. Der Charme des Schwarzmeer-Strandbades ist ihr erhalten geblieben, viele Gebäude zeugen von einer prächtigen Vergangenheit. Heute befindet sich am Meer eine große Grünanlage, der „Primorski Park“. Der gut anderthalb Kilometer lange Stadtstrand vor diesem Park überzeugt mit schönem, feinem Sand. Aber natürlich, es ist ein Stadtstrand, man ist hier also nicht ungestört, vielmehr scheint im Sommer die ganze Stadt am Meer zu liegen. Bars und Restaurants zieren die Strandpromenade, es wird gefeiert und gelebt. Insbesondere bei einem abendlichen Drink habe ich mich hier jedoch pudelwohl gefühlt: Mit dem Getränk in der Hand dem Meeresrauschen lauschen, einfach wunderbar! (ich war übrigens gerne in der Bar „Cubo“, die sehr individuell gestaltet ist, aber es gibt etliche Bars). Man findet in Varna also keinen leeren Strand vor, aber das Wasser ist klar, viele Menschen schwimmen, die Bucht, die Varna umgibt, schließt das alles zu einem harmonischen Ganzen ab.

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Am Stadtstrand ist man zwar nicht für sich, aber westliche Touristen trifft man kaum

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Viele Bars wie hier das „Cubo“ säumen den Strand, etliche befinden sich im alten Badehaus aus dem 19. Jahrhundert

Aber natürlich ist Varna – übrigens mit etwas über 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Bulgariens, nur knapp hinter Plovdiv – auch eine Hafenstadt und ein Industriezentrum. Man sieht vom Strand auch große Pötte vorbeiziehen. Der Hafen selbst ist durchaus einen Besuch wert, am besten schlendert man einmal die lange Mole bis zum Leuchtturm hinaus.

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Die Mischung aus Hafenstadt und Strandbad ergibt einen interessanten Mix

Neben dem Meer, dem Hafen und der Promeniermeile bietet die Stadt viele kleine Gassen, die die Altstadt durchziehen. Hier finden sich auch einige spannende Kirchen, u.a. eine armenische Kirche. Die alte Synagoge ist leider nicht mehr zugänglich. Vieles mag dabei noch nicht perfekt herausgeputzt sein, oft bröckeln die Fassaden recht heftig und auch die Gassen selbst sind nicht immer im besten Zustand, aber für mich liegt gerade darin der Charme einer solchen Stadt. Ein absolutes Highlight sind natürlich die gut erhaltenen Ruinen einer alten römischen Badeanlage aus dem 3. Jahrhundert.

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Viele kleine Gassen bestimmen das Stadtbild, man braucht etwas, bis man sich orientieren kann

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Die römischen Thermen (hier die große Thermenanlage, es gibt noch eine zweite, kleine) kann gegen wenige Leva besichtigt werden

Wer noch weiter in der Vergangenheit zurückreisen will, dem kann ich den Steinwald 15 Kilometer westlich der Stadt empfehlen. Hier ragen bis zu sieben Meter hohe Steinformationen in den Himmel, die vor 50 Millionen Jahren entstanden sind. Der Ort ist beeindruckend!

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Der Steinwald lohnt sich für einen kurzen Ausflug aus Varna heraus

Aber es gibt auch jüngere Geschichte zu besichtigen. In Bulgarien finden sich noch etliche Relikte des Sozialismus, was mich als großen Osteuropafreund begeistert. Mein Highlight war das monumentale „Denkmal der bulgarisch-sowjetischen Freundschaft„, das in seinem Beton-Brutalismus völlig aus der Zeit gefallen scheint, aber einen herrlichen Blick über die Meeresbucht um Varna bietet.

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Sozialistische Relikte bestimmen zwar nicht das Stadtbild, aber man findet sie noch, so wie hier das monumentale Denkmal der bulgarisch-sowjetischen Freundschaft

Und natürlich lässt es sich in Bulgarien wunderbar essen und trinken! Überrascht hat mich bulgarischer Wein, aber auch Bierfreunde – vor allem Craft-Beer-Fans – kommen auf ihre Kosten. Mein Tipp für ein gutes Restaurant mit bulgarischer Küche ist das „Stari Chinar“ – es gibt das Lokal gleich dreimal in der Stadt, aber besonders gemütlich sitzt man in den engen Altstadtgassen, dort wo die endlose ulitsa Preslav langsam ausläuft.

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Wer nicht essen gehen will, kann auch einem der vielen Märkte besuchen und eine Kleinigkeit mit zum Strand nehmen

Wer also Osteuropa mag und einen Ort ohne viel westlichen Tourismus erleben möchte, der ist in Varna richtig. Für ein verlängertes Wochenende bietet die Stadt viel Abwechslung und für einen verlängerten Strandurlaub, der nicht am Goldstrand endet, habe ich im nächsten Beitrag einen Tipp – mehr könnt ihr hier lesen.

Kawarna: Jenseits des Goldstrands

Der bulgarische Goldstrand am Schwarzen Meer hat sich mittlerweile den Ruf eines zweiten Ballermanns erarbeitet. Daher wollte ich auf meinem Roadtrip durch Bulgarien diesen Teil der Schwarzmeerküste meiden und suchte von Varna kommend einen etwas ruhigeren Strandabschnitt – und fand ihn in Kawarna.

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Abends wird es ruhig am Strand von Kawarna, der in einer kleinen Bucht liegt

Etwa 10.000 Menschen leben in der Kleinstadt 60 Kilometer nördlich von Varna. Man befindet sich hier also schon fast an der rumänischen Grenze. Der Ort ist keineswegs ein absoluter Geheimtipp, aber man trifft eigentlich keine westlichen Touristen, sondern ausschließlich Einheimische – also genau das, was ich gesucht hatte!

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Am Tag ist es belebter, von westlichen Touristen bleibt man jedoch verschont

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Es empfiehlt sich, eine Liege zu mieten

Kawarna mag keinen riesigen Strand bieten, aber der gut einen Kilometer lange Abschnitt enthält alles, was man für einen kurzen Urlaub braucht: Sand, eine ruhige Bucht, ein oder zwei kleine Bars für eine Erfrischung – und alles ist fußläufig.

Schön ist der Blick auf die Bucht und auf einige im Hafen liegende Fischerboote, die tatsächlich noch genutzt werden. Vom geschützten (und bewachten) Schwimmerbereich zu sehen, wie hundert Meter weiter ein kleiner Kutter einläuft, ist schon besonders!

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Eine große Strandbar bietet alles, um den Tag bei Sonnenschein am Meer zu genießen und sich zwischendurch zu erfrischen

Der Sand ist fein, das Wasser warm und klar, wechselt im tieferen Bereich zu einer leichten Opalfarbe. Und die Atmosphäre hier gibt sich entspannt: Keine Junggesellenabschiede, sondern bulgarische Familien. Und Bulgaren sind – das habe ich auf der gesamten Reise erlebt – unfassbar freundlich und rücksichtsvoll, hier kommt man sich nicht in die Quere, auch wenn die Sonnenliegen durchaus eng stehen. Der größere und schönere Teil des Strandes ist übrigens für Liegen reserviert und es lohnt sich, für 15 Leva (7,5 Euro) zwei Liegen unter einem Bast-Sonnenschirm zu mieten.

Dalboka Muschel Farm Moules Mussels Bulgarien
Die Muschelfarm von Dalboka ist ein Muss!

Man kann am Strand von Kawarna in einer handvoll Restaurants mit direktem Meerblick essen, die bulgarische Küche ist gut, es gibt frischen Fisch und frische Muscheln und arm wird man in Bulgarien dabei auch nicht. Stichwort Muscheln: Unweit von Kawarna befindet sich die international renommierte Muschelfarm „Dalboka“ mit angeschlossenem Restaurant. Auch hier sitzt man malerisch am Meer und bekommt Muscheln aus hauseigener Züchtung. Obwohl nur ca. 5 Kilometer von Kawarna entfernt, empfiehlt sich die Anreise mit dem Auto, denn die Steilküste ist nicht gut begehbar. Mit dem Auto sollte man jedoch weit oberhalb der Muschelfarm parken, der Weg hinunter ist steil, die Straße schlecht und einspurig – wir sahen mehrere gut motorisierte SUVs scheitern…

Muschelfarm Dalboka Strand am Schwarzen Meer Reisetipp Bulgarien Küste Varna Kawarna nicht am Goldstrand
Im Restaurant der Muschelfarm sitzt man direkt am Meer

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Der Blick ist ein Traum – aber Achtung, wer die Muschelfarm besucht, muss diese Steilküste hinunter und später wieder hinauf!

Ihr seht, mir hat Kawarna gefallen, aber ich will auch die Nachteile der Stadt nicht verschweigen, denn die muss man kennen, um zu wissen, worauf man sich einlässt: Es gibt keine Direktverbindung zum Flughafen von Varna und auch der ÖPNV ist eher unterentwickelt, es empfiehlt sich also ein Mietwagen. Dazu ist der Strand von Menschenhand gemacht, was der Erholung aber keinen Abbruch tut. Und zu guter Letzt ist die Stadt selbst – nun ja – stark osteuropäisch und besteht fast ausschließlich aus sozialistischen Plattenbauten. Man bemüht sich zwar, mit großflächigen Rock-Graffitis, die den Künstlern des jährlichen Rock-Festivals gewidmet sind, das Stadtbild aufzuhellen, das sorgt jedoch eher für einen absurden Charme.

Rockfestival Kawarna Grafittis
Das Zentrum von Kawarna präsentiert sich sozialistisch, da hilft die coole Rock-Streetart nur begrenzt

Kawarna ist also ein schönes Ziel für einige Tage Strandurlaub, wenn man hinterher weiterziehen möchte. Drei, vier Tage, die kann man hier gut aushalten, vor allem im sehr stabilen bulgarischen Sommer.

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Wer sich auf etwas Reise-Exotik einlässt, der ist in Kawarna auf jeden Fall richtig!

Rijeka: Zwischen Hafenstadt & Adriaperle

Bis auf einen Taubenanschlag von oben hat mich das kroatische Rijeka nicht nur vollauf überzeugt, sondern sogar begeistert! Ja, tatsächlich, Rijeka, die Stadt im Norden Kroatiens, die je nach Zählung den zweit- oder drittgrößten urbanen Raum des Landes bildet. Mit seinem wilden Charme zwischen Hafenflair und Adriaschönheit kann ich euch dieses Reiseziel nur empfehlen. Hier meine Eindrücke und Tipps:

Rijeka Reisetipps Kroatien Hafen
Noble Yachten vor einer prächtigen Hafenpromenade: Rijeka ist eine Reise Wert!

 

Reisetipps Reiseblog Kroatien beste Blogger Tipps Rijeka
Eine Stadt am Hafen – da liegt immer ein besonderes Flair in der Luft

Zugegeben, ich hatte Rijeka auch nicht unbedingt auf meiner Reiseliste. Aber auf der Suche nach einem sinnvollen Oster-Reiseziel fiel der Blick nach Kroatien. Split und Dubrovnik liegen da natürlich nahe, ich wollte jedoch etwas weniger Touristentrubel. Außerdem stand mir der Sinn nach Stadtleben und die Flüge nach Zagreb waren günstig. Und wenn man schon mal da ist: Ein Blick auf die Karte verriet die Nähe Rijekas zur Hauptstadt – etwa drei Stunden fährt der Bus durch wunderbare Berggipfel – so dass ich mich für einige Tage in der Hafenstadt entschied.

Rijeka zu Ostern ist ein Ort, den man sich bisher weniger mit anderen Touristen teilen muss. Dabei lässt die 130.000-Einwohner-Stadt den Reisenden bereits bei der Ankunft staunen: Wenn der Bus die Nordspitze der dinarischen Alpen überquert, öffnet sich der Blick auf die herrliche Kvarner Bucht, in der Rijeka liegt. Die Stadt zu Füßen, das weite Meer vor sich, dieser Anblick wirkt majestätisch!

Tipps für den Urlaub in Kroatien Reiseblogg Rijeka
Meer und Berge: Hoch oben von der Burg bietet sich ein herrlicher Blick über Rijeka

Natürlich gibt es hier auch die obligatorischen sozialistischen Plattenbauten. Aber diese liegen am Stadtrand, im Zentrum präsentiert sich Rijeka dagegen fast italienisch, mit Gassen und Plätzen und dem Charme südlichen Lebensgefühls.

Kontraste: Rijekas Außenbezirke sind von grauen Betontürmen gesäumt, stören ansonsten die Schönheit der Innenstadt aber wenig

Das wundert nicht, denn Italien ist nah, Trist eine gute Autostunde entfernt. Rijeka steht zu seiner multinationalen, vielnamigen Geschichte: Fiume, St. Veit, Rijeka – italienische, österreichische, kroatische Einflüsse finden hier zusammen. Wie sehr man sich mit der Vergangenheit arrangiert hat, zeigen diese zwei Beispiele:

Sankt Veith Kathedrale Rijeka Reisetipp
Schöne kleine Plätze – wie hier an der St. Veit-Kathedrale – bietet die Innenstadt mehrere

Ich hatte während meines Besuchs das Glück mitzuerleben, wie der alte kuk-Doppeladler wieder auf dem Stadtturm errichtet wurde und wie die Menschen der Stadt in Scharen kamen, das Ereignis zu feiern. Nur wenige hundert Meter entfernt liegt dagegen Titos alte Yacht fast vergessen im Hafen, soll aber touristisch weitergenutzt werden. Doch, es wirkt, als sähen die Menschen hier die mannigfaltige Vergangenheit ihrer Stadt nicht nationalistisch-verengt, sondern als Bereicherung.

Rijeka Tito Yacht Staatsschiff Jugoslawien
Skurriles Highlight: Titos ehemals prächtige Staatsyacht liegt etwas abseits im industriellen Teil des Hafens

Natürlich, wer nach Rijeka reist, der muss auch das Wilde und Industrielle lieben. Der Hafen grenzt direkt an das Zentrum der Stadt. Mit prächtigen Luxusyachten einerseits und Ladekränen andererseits präsentiert er sich sehr vielfältig.

Hafenkräne und verlassene Hallen: Für mich liegt genau darin das gewisse Etwas dieser Stadt. Und wenn man das Hafengelände nur um wenige hundert Meter verlässt, steht man in kleinen Gassen mit netten Cafés und italienischem Lebensgefühl.

Tipps

Ein paar persönliche Tipps habe ich auf meiner Reise nach Rijeka natürlich auch gesammelt. In einer Hafenstadt – na klar – da kommt Fisch auf den Tisch! Unsere Pensionswirtin empfahl uns das „Na Kantunu“ direkt am Hafen. In diesem Familienbetrieb wird noch selbst gefischt, alles kommt frisch auf den Teller – man sollte sich deshalb nicht davon schrecken lassen, dass der Weg hierher auf den letzten einhundert Metern durch eine etwas dubiose Hafengasse führt.

Rijeka Tea Nightlife
Die Samovar-Bar: Absolut schnuckelig und ein Muss für Tee-Liebhaber

Nach dem Essen solltet ihr dann in die Weinbar „Kod Zajca“ gehen. In diesem beeindruckenden Gewölberaum dekorieren zahllose Weinflaschen die Wände, ihr bekommt eine große Auswahl lokaler Weine (ja, wirklich!) und wer mag auch leckeres kroatisches Craft Beer, dazu werden kleine Aperitivo-Platten gereicht. Wer hier im Sommer außen sitzt, kann zudem auf den beindruckenden Theaterbau blicken.

Für den nachmittäglichen Tee oder Kaffee kann ich euch die kuschelig-verspielte „Samovar-Bar“ mit Teddybären und Plüschkissen rundherum ans Herz legen. Nicht weniger süß – obgleich wirklich klein – ist das Café „Ebba´s Cuisine“ mit wunderbaren Torten im Sortiment.

Tipps für Rijeka
Im „Boonker“ sitz ihr tatsächlich in einem alten Bunker direkt am Hafen und könnt gechillt auf das Wasser blicken

Wer es chilliger sucht, dem würde ich den „Boonker“ empfehlen – die Küche mag das übliche internationale Crossover sein, aber der Blick über den Hafen und das coole Interieur sind auf jeden Fall einen Besuch Wert.

Unbedingt besuchen muss man in Rijeka auch die Markhallen. Hier findet sich echtes lokales Leben und die kribbelnde Nervosität, die solche Märkte begleitet. Und natürlich ist die Fischhalle ein absolutes Muss! Nur auf Tauben, die hier kreisen und auch – ähm – ab und zu etwas fallen lassen, solltet ihr ein Auge haben, ich spreche da aus Erfahrung.

Rijeka Reisetipps Markthallen Kroatien Urlaub Reiseblog
Die Markthallen solltet ihr unbedingt besuchen!

 

Das Nationaltheater bei Nacht

Ausflüge

Rijeka selbst hat man nach zwei Tagen ausgiebig erforscht, daher bieten sich einige Ausflüge an. Fußläufig zu erreichen ist der „Tsrat“, also die über der Stadt thronende Burg. Man sollte allerdings etwas in Form sein, denn der Weg hierhin führt über steil ansteigende Treppen. Doch er lohnt dreifach – für den Weg, für den Ausblick und für einen guten Drink!

Der Weg zur „Tsrat“ führt steile Treppen hinauf und fordert durchaus, obwohl die Strecke eigentlich nicht lang ist. Vorbei an Villen, die sich an den Hang schmiegen, sowie entlang einer Klosteranlage bietet sich immer wieder ein wunderbarer Ausblick über die Stadt. Hier zeigen sich Rijekas natürliche Kontraste besonders schön: Man blickt einerseits auf schneebedeckte Berggipfel, sieht aber andererseits die blau funkelnde Adria unter sich. Die gut erhaltene Burg selbst lässt sich im Außenbereich kostenlos erkunden. Wer genug gesehen hat, der sollte die Aussicht bei einem Drink genießen. Denn hier oben findet sich endlich einmal keine Burgschänke und kein „Draußen-nur-Kännchen“-Lokal, sondern das absolut coole „Vintage Café„. Die Aussicht und dann ein Aperol Spritz – einfach perfekt!

Neben der Burg ist das Ausflugsziel Rijekas natürlich das Seebad Opatija. Vermutlich ist es bekannter als die Stadt selbst und anders als in Rijeka befindet man sich hier merklich in einem Touristen-Hotspot. Dabei beträgt die Fahrtzeit ab Busbahnhof Rijeka nur ca. 20 Minuten (Bus No. 32, Kosten: 32 Kuna)

Schon der Weg hierher führt vorbei an herrlichen kuk-Villen, das Seebad selbst erschlägt dann mit Habsburger Prunk. Alles wurde wunderbar restauriert, an einer endlosen Promenade kann man am Meer entlang spazieren. Einen Strand gibt es hier zwar nicht, aber etliche Bänke und einige Kieselufer laden zum Verweilen ein. Natürlich ist diese Art von Ort vor allem ein Ziel für ältere Reisende, vornehmlich aus Österreich. Entsprechend hoch ist daher auch die Dichte an Ständen mit typischen Tourismusartikeln. Daher wäre mein Tipp, nicht in Opatija selbst zu wohnen, sondern die Pracht des Ortes von Rijeka aus für einen Tag anzusteuern.

Es lohnt sich also, in Opatija ausgiebig die Promenade entlang zu schlendern, am besten wählt man den Weg zurück Richtung Rijeka bis Volosko. Dieses zu Opatija gehörende Dorf besticht durch wunderschöne enge Gassen, zudem liegt es über Opatija und bietet einen beeindruckenden Blick über die Kvarner Bucht. Mein Tipp ist hier das Café Kaokakao – ein wirklich süßes Lokal und der perfekte Ausklang für den Ausflug.

Ein kleiner Tipp: Das Cafe Kaokakoa

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Der Blick über die Kvarner Bucht

Was soll ich noch sagen? Mich hat Rijeka restlos überzeugt. Natürlich, es ist eine kleine Stadt, aber vier oder fünf Tage lassen sich hier wunderbar verbringen. Das Lebensgefühl und die Mischung der Stadt nehmen einfach gefangen. Probiert es doch mal aus!

Wollt ihr noch mehr Bilder aus Rijeka sehen? Dann schaut doch auf meiner Instagram-Seite vorbei, unter #stadtwuchsrijeka seht ihr u.a. den wiedererrichteten kuk-Doppeladler!